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Zeigerpflanzen im Garten - Botschaften aus der Pflanzenwelt

16.07.2020 . Lesezeit: 19 Minuten

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Isabell

Isabell (23) studiert Agrarbiologie und liebt es von der Natur und ihrer Komplexität immer wieder auf's Neue überrascht zu werden. Kräuter - egal ob wild gesammelt oder im Garten - sind ihre Leidenschaft.

Zeigerpflanzen sind wichtige Bioindikatoren. Das bedeutet, dass durch sie Umweltveränderungen wie Klimawandel oder Boden- und Luftverunreinigungen festgestellt werden können. Sie sind an bestimmte Bedingungen besser angepasst als viele andere Pflanzen, wodurch sie sich unter extremeren Bedingungen leichter durchsetzen können. Wenn der Boden beispielsweise zu sauer oder feucht ist, wachsen dort nur die (Zeiger-)pflanzen, denen diese weniger optimalen Bedingungen nichts ausmachen. Durch aufmerksames Beobachten kannst du so schon einen Überblick über die verschiedenen Mikroklimazonen in deinem Garten erhalten. Mit gezielten Maßnahmen ist es dir dann möglich bessere Standorte für deine Kulturpflanzen zu erschaffen. Mehr dazu erfährst du hier im Artikel.

Auf einen Blick:

  • Erkenne die Zeigerpflanzen in deinem Garten
  • Schließe aus den Zeigerpflanzen darauf, was für einen Boden du hast
  • Wähle die richtigen Pflanzen aus, die auf deinem Boden gut gedeihen

Du machst einen Spaziergang und siehst einen Acker oder Garten brachliegen. Alles wuchert dort vor sich hin. Auf den ersten Blick sieht es nach chaotischer Unordnung aus. Doch wenn du einmal genauer hinsiehst kannst du erkennen, dass hier sehr wohl Muster zu erkennen sind. Pflanzen wachsen nämlich gar nicht unbedingt überall. Klar, da gibt es sicher solche, die sich mit vielen unterschiedlichen Bedingungen zufrieden geben und an Standorten wachsen, denen man das Wort "Standort" gar nicht zusprechen würde. Ein Löwenzahn keimt manchmal sogar in Spalten von Kopfsteinpflastern oder Gehwegen. Dort wo der Boden sehr verdichtet und humusarm ist, schafft es die Wurzel des Löwenzahns, sich trotzdem den Weg zu bahnen. Andere Pflanzen sind jedoch kleine "Mimosen" und wachsen nur unter speziellsten Bedingungen. Der Sonnentau benötigt beispielsweise saisonal-, aber nicht dauerfeuchte Böden, die sauer und trotzdem sehr sonnig sind. Diese Ansprüche werden nur in bestimmten Torfmooren oder an gewissen Flussufern erfüllt.

Löwenzahn wächst auch unter widrigen Bedingungen und zeigt verdichtete Böden an. Photo by Markus Winkler on Unsplash

Doch was genau hat das jetzt mit Gärtnern zu tun? Wie du vielleicht schon bemerkt hast, kommen Wildpflanzen natürlicherweise nur an Orten vor, an welche sie angepasst sind. Arten mit ähnlichen Standortansprüchen gedeihen in deren Nachbarschaft, da sie dort ähnliche Bedingungen vorfinden. Durch die genaue Beobachtung der vorkommenden Arten kannst du aufschlussreiche Informationen über den Standort erhalten. Diese Pflanzen, die dir "zeigen", um was für einen Standort es sich handelt, nennen sich Zeigerpflanzen oder auch Indikatorpflanzen. Wenn du nun einen neuen Garten anlegen oder einen alten brachliegenden wieder nutzen möchtest, können dir diese helfen, deinen Boden zu charakterisieren. Wenn du mehr zum Thema "Garten anlegen" erfahren möchtest, kannst du hier vorbeischauen. Auch Luft- und Lichtverhältnisse spiegeln sich in den vorkommenden Arten wieder. Dadurch erfährst du, für welche (Kultur-)Pflanzen die Bedingungen schon ideal sind und was du tun musst, wenn du Arten etablieren möchtest, für die der Standort noch nicht ideal ist. In diesem Artikel möchte ich dir zeigen, wie du genau das hinkriegst.

Im Folgenden möchte ich dir einige Böden mit passenden Zeigerpflanzen vorstellen. Wichtig für die Bestimmung des Bodens durch Zeigerpflanzen ist, dass nicht nur durch eine vorkommende Pflanzenart auf die Bodenverhältnisse geschlossen werden sollte. Erst wenn mehrere Zeigerpflanzenarten vorhanden sind, kann der Boden mit ausreichender Sicherheit charakterisiert werden. Wenn du also einen Boden siehst, auf welchem einige Löwenzähne wachsen, heißt das noch nicht gleich, dass dieser Boden schwer und verdichtet ist. Zudem sollst du erfahren, welche Kulturen auf diesen Böden schon angebaut werden können und was du tun kannst, um den Boden "zu verbessern". Dabei ist gemeint, einen lockeren, humusreichen Boden mit relativ neutralem pH-Wert herzustellen. Dies entspricht den durchschnittlichen Optimalbedingungen der meisten Kulturpflanzen. Falls du mehr zum Thema Bodenverbesserung erfahren möchtest, lese gerne unseren Artikel dazu.

Sandiger, leichter Boden

Zeigerpflanzen:

  • Einjähriger Knäuel (Scleranthus annuus)
  • Feldbeifuß (Artemisia campestris)
  • Pechnelke (Lychnis viscaria)
  • Saatwucherblume (Chrysanthemum segetum)
  • Sandmohn (Papaver argemone)
Diese Zeigerpflanzen kannst du auf sandigen, leichten Böden finden. Fotos: Der Michels, Matt Lavin from Bozeman Montana, David J. Stang, Olivier Pichard, Zeynel Cebeci von wikimedia commons

bei sehr trockenen Böden:

  • Färberkamille (Anthemis tinctoria)
  • Frühlingshungerblümchen (Erophilia verna)
  • Acker-Krummhals (Lycopsis arvensis)
  • Quendel (Thymus pulegioides)
  • Hasenklee (Trifolium arvense)
  • Heidenelke (Dianthus deltoides)
Auf sehr trockenen Standorten kannst du auf diese Zeigerpflanzen treffen. Fotos: Alvesgaspar, Krzysztof Ziarnek, Stafan Lefnaer, Ivar Leidus, Danny S. von wikimedia commons

Wenn auf deinem Boden die oben genannten Pflanzen häufig vorkommen, handelt es sich vermutlich um einen sehr sandigen Boden. Das bedeutet, dass deine Bodenpartikel relativ groß sind. Wenn du den Boden zwischen den Fingern zerreibst, rieseln Sandkörner hindurch. Dies bringt einige Vorteile mit sich: Der lockere Boden lässt sich das ganze Jahr gut bearbeiten, Beikräuter lassen sich oft mühelos entfernen, es tritt kaum Staunässe auf und im Frühling erwärmt sich der Boden schnell. Jedoch kann der Boden das Wasser weniger gut speichern, da es durch die großen Poren schnell versickert. Auch organische Substanz kann kaum an die großen Partikel binden, wodurch der Boden recht nährstoff- und humusarm ist. Keine glückliche Ausgangslage für viele Gemüsesorten. Für einige Kräuter ist der Standort jedoch optimal.

Pflanzen für sandige Böden:

Kräuter: Lavendel, Salbei, Oregano, Rosmarin, Bohnenkraut, Borretsch, Pimpinelle

Gemüse: Bohnen, Zuckererbsen, Mangold, Spargel, Meerettich, Radieschen, Winterpostelein

Bodenverbesserungsmaßnahmen:

Diese Maßnahmen zielen vor allem darauf ab, die Speicherfähigkeit des Bodens zu erhöhen.

  • Organisches Material (Kompost, Mist) einarbeiten
  • Gründüngung (Klee, Phazelia)
  • Mulchschicht (Stroh, Schnitt der Gründüngung)
  • Lehm / Gesteinsmehl einarbeiten
  • Verwendung organischer Dünger (Hornmehl, Hornspäne, Knochenmehl, Holzasche, Kompost, Mist)
  • Pflanzenjauche (Rezept hier)

Schwerer, verdichteter Boden

Zeigerpflanzen:

  • Ackerschachtelhalm (Equisetum arvense)
  • Breitwegerich (Plantago major)
  • Gänsefingerkraut (Potentilla anserina)
  • Löwenzahn (Taraxacum officinale)
Auf schweren, verdichteten Böden wachsen diese Zeigerpflanzen. Fotos: Mike Dickison, Olivier Pichard, H. Zell von wikimedia commons

Schwere und dadurch oft verdichtete Böden, haben einen hohen Tongehalt. Das bedeutet viele der Bodenpartikel gehören zu der kleinsten Größenfraktion. Dadurch entstehen winzige Feinporen, welche nur wenig Sauerstoff in Boden lassen. Die kleinen Partikel sind stark miteinander verbunden, wodurch es vielen Pflanzenwurzeln schwer fällt, sich durch den festen Boden vorzuarbeiten. Auch für den Gärtner stellt ein verdichteter Boden eine Herausforderung dar. Mit einem Spaten ist es oft kaum möglich, den Boden zu bearbeiten. Vor allem wenn er feucht ist, saugt sich die Erde stark mit Wasser voll, sodass sie sehr schwer wird. Vorteilhaft kann die hohe Speicherfähigkeit aber durchaus sein: An den kleinen Partikeln können viel leichter Nährstoffe und organische Substanz binden, wodurch weniger Dünger ausgewaschen wird. Zudem musst du weniger gießen, da das Wasser länger im Boden gehalten werden kann. Durch den höheren Wassergehalt erwärmt sich der Boden allerdings auch viel langsamer im Frühjahr, weshalb du später mit deinen Kulturen loslegen kannst.

Verdichtungen im Boden können entstehen, wenn dieser zu stark bearbeitet wurde oder der Boden eine Zeit lang starkem Druck ausgesetzt war. Vor allem bei Neubauten ist das oft der Fall.

Pflanzen für schwere Böden:

Kräuter: Minze, Petersilie

Gemüse: Kohl, Tomaten, Zucchini, Buschbohnen

Bodenverbesserungsmaßnahmen:

Diese Maßnahmen zielen vor allem darauf ab, den Boden aufzulockern. Am besten geht das durch die Einbringung gröberer Partikel wie Humus oder Sand.

  • Untermischen von Sand, Kompost, Stroh oder Schnittresten
  • Mulchschicht
  • Gründüngung (Klee, Lupinen, Phacelia)
  • Frostgare (tiefes Umgraben im Herbst, Frost "sprengt" den Boden auf: Nur im äußersten Notfall, da das Bodenleben gefährdet werden kann)

Feuchte, schwere Böden

Zeigerpflanzen:

  • Wald-Simse (Scirpus sylvaticus)
  • Pfeifengras (Molinia caerulea)
  • Ackerminze (Mentha arvensis)
  • Kriechender Hahnenfuß (Ranunculus repens)
  • Huflattich (Tussilago farfara)
  • Flatter-Binse (Juncus effusus)
  • Knäuel-Binse (Juncus conglomeratus)
  • Mädesüß (Filipendula ulmaria)
Auf feuchteren Standorten wachsen diese angepassten Zeigerpflanzen. Fotos: S. Rae from Scotland, David J. Stang, Stefan Lefnaer, Jörg Hempel, Archenzo, Algirdas, Kristian Peters von wikimedia commons

Schwere Böden können viel Wasser speichern. Wenn es jedoch außerordentlich viel regnet oder Verdichtungen in tieferen Schichten vorliegen, kann es leicht zu Staunässe kommen. Dabei gelangt kaum noch Sauerstoff an die Pflanzenwurzeln. Hält dieser Zustand über mehrere Tage an, kann es zum Absterben oder zur Schädigung der Pflanzen kommen. Doch nicht nur die Wurzeln, auch die Mikroorganismen können keinen Sauerstoff mehr veratmen. Dadurch beginnen sie anstelle des Sauerstoffs alternative Produkte zu reduzieren, wodurch giftige Verbindungen entstehen. Diese wirken sich auf die meisten Pflanzen schädlich aus. Aus diesen Gründen sollte Staunässe unbedingt vermieden werden. Nur wenige Kulturen kommen damit zurecht. Wenn dein Boden aber nur feucht und nicht komplett durchnässt ist, hast du vielleicht mit folgenden Pflanzen Glück:

Pflanzen für feuchte Böden:

Kräuter: Minze, Schnittlauch, Brunnenkresse

Bodenverbesserungmaßnahmen:

Um Staunässe vorzubeugen gelten Auflockerungsmaßnahmen wie bei den schweren, verdichteten Böden. Bei Verdichtungen in tieferen Bodenschichten hilft meist nur noch Drainage. Dabei werden Drainagerohre in den Boden eingebracht, durch welche überschüssiges Wasser abfließen kann. Bei diesem Unterfangen solltest du allerdings einen Landschaftsgärtner kontaktieren, da es relativ aufwendig ist und man sich leicht verschätzen kann. Aber keine Sorge: Solange die Zeigerpflanzen auf dem Boden wachsen, kannst du meist mit den oben genannten Maßnahmen gegen die Feuchtigkeit vorgehen.

Stickstoffreiche Böden

Zeigerpflanzen:

  • Vogelmiere (Stellaria media)
  • Große u. kleine Brennessel (Urtica dioica und Urtica urens)
  • Wiesen-Kerbel (Anthriscus sylvestris)
  • Wiesen-Bärenklau (Heracleum sphondylium)
  • Schwarzer Holunder (Sambucus nigra)
  • Erdrauch (Fumaria officinalis)
  • Melde (Atriplex patula)
  • Kletten-Labkraut (Galium aparine)
  • Hirtentäschel (Capsella bursa-pastoris)
  • Weißer Gänsefuß (Chenopodium album)
  • Gewöhnlicher Beifuß (Artemisia vulgaris)
  • Franzosenkraut (Galinsoga parviflora)
Auf stickstoffreichen Böden triffst du diese Zeigerpflanzen an. Fotos: Kaldari, Michael Gasperl, H. Zell, Qwert1234, AnemoneProjectors, Vengolis von wikimedia commons

Ein hoher Stickstoffgehalt bedeutet, dass vor allem Starkzehrer gut gedeihen können. Diese Böden eignen sich bestens, um einen Garten anzulegen. Verbesserungsmaßnahmen brauchst du in diesem Fall nicht anzuwenden.

Pflanzen für stickstoffreiche Böden:

Tomaten, Kartoffeln, Kohl, Lauch, Gurke, Sellerie, Kürbis, Zuckermais

Stickstoffarme Böden

Zeigerpflanzen:

  • Gemeines Ruchgras (Anthoxanthum odoratum)
  • Schaf-Schwingel (Festuca ovina)
  • Kleines Habichtskraut (Hieracium pilosella)
  • Hundskamille (Anthemis arvensis)
  • Quendel (Thymus pulegioides)
  • Wilde Möhre (Daucus carota)
Auf kargen Böden wachsen diese Zeigerpflanzen bevorzugt. Fotos: Stefan Lefnaer, George Chernilevsky, Juan Carlos, Christian Fischer von wikimedia commons

Stickstoffarme Böden brauchen vermehrt organische Substanz oder andere, am besten organische Düngemaßnahmen. Jede Pflanze benötigt ausreichend Stickstoff, um gedeihen zu können. Die meisten Kulturpflanzen haben oft einen besonders hohen Bedarf. Manche Schwachzehrer können trotzdem auf stickstoffarmen Böden gedeihen, wenn du sie mit Leguminosen kombinierst. Einige mediterrane Kräuter bevorzugen sogar humus- und stickstoffarme Böden.

Kräuter für stickstoffarme Böden: Lavendel, Rosmarin, Salbei

Bodenverbesserungsmaßnahmen:

  • Einbringung organischer Substanz (Mulch, Mist)
  • Mulchschicht
  • Verwendung organischer Dünger (Hornmehl, Hornspäne, Knochenmehl, Holzasche, Kompost, Mist)
  • Pflanzenjauche
  • Gründungung (Klee, Phacelia, Lupine)

Saure Böden

Zeigerpflanzen:

  • Kleiner Ampfer (Rumex acetosella)
  • Adlerfarn (Pteridium aquilinum)
  • Heidekraut (Calluna vulgaris)
  • Heidelbeere (Vaccinium myrtillus)
  • Hundskamille (Anthemis arvensis)
  • Honiggras (Hulcus mollis)
  • Drahtschmiele (Avenella flexuosa)
  • Bürstling (Nardus stricta)
Auf sauren Standorten wachsen diese Zeigerpflanzen. Fotos: Matt Lavin from Bozeman, Wilhelm Zimmerling, Meneerke bloem, Stefan Lefnaer, Petr Filippov von wikimedia commons

Manche Böden sind von Natur aus sauer. Sauer bedeutet, dass der pH-Wert des Bodens niedrig ist, also mehr Protonen (H+) im Bodenwasser gelöst sind. Oft hängt das mit dem Kalkgehalt des Ausgangsgesteins zusammen: ist wenig Kalk im Boden vorhanden wird dieser schneller sauer. Kalk wirkt sich im Umkehrschluss also basisch auf den Boden aus. Allerdings kann der Boden auch durch Umwelteinflüsse versauern. In humiden Klimazonen versauern Böden auf ganz natürliche Weise. Viel Niederschlag löst die natürlich vorkommenden Kalkpartikel und wäscht diese aus. Dadurch kann der Boden weniger Protonen ausgleichen. Saurer Regen, CO2 das aus der Atmung von Bodenlebewesen stammt oder von Pflanzenwurzeln ausgeschiedene Protonen sind weitere Faktoren, die sich auf den pH-Wert des Bodens auswirken. Zudem können aus der Streuschicht natürliche Säuren, welche bei der Zersetzung entstehen, in den Boden sickern.

Auch in der Landwirtschaft kann es öfters mal zu Bodenversauerung kommen. Das kann daran liegen, dass ammonium- oder phosphathaltige Düngemittel eingesetzt werden, die den Boden ansäuern. Zudem wird dem Boden durch die Ernte ständig Biomasse entzogen. In den Pflanzenteilen stecken allerdings basisch-wirkende Kationen, die ursprünglich aus dem Boden stammen. In natürlichen Systemen würden diese der Versauerung entgegenwirkenden Verbindungen wieder in den Boden gelangen, wenn die Pflanze verrottet. Wird dieser Kreislauf unterbrochen, indem zu viel Biomasse entzogen wird, entsteht ein Kationen-Defizit. Der Boden kann die natürliche Versauerung nicht mehr ausgleichen. In Wäldern ist Bodenversauerung ganz normal, denn die aus der Streuschicht stammenden Huminsäuren senken den pH auf natürliche Weise. Infolgedessen sind Waldpflanzen an diese Bedingungen angepasst. Doch wieso beeinflusst der pH-Wert die Pflanzen so enorm? Nährstoffe wie Stickstoff, Phosphor, Kalium, Calcium und Magnesium werden über das Bodenwasser aufgenommen. Gut löslich sind die meisten, wenn der pH zwischen 6 und 8 liegt. In saureren Böden, bei einem pH von etwa 4 - 5.5 lösen sich die Nährsalze weniger gut. Dafür lösen sich Metalle wie Eisen, Kupfer, Zink, Mangan oder Bor besser. Diese werden oft in Pigmentmoleküle eingebaut, die für die Färbung der Blüte verantwortlich sind. Deshalb bevorzugen violette Stiefmütterchen beispielsweise eher leicht saure Böden. Viele Gemüsesorten bevorzugen auch einen leicht sauren pH. Doch falls bei dir die oben genannten Zeigerpflanzen wachsen sollten, ist der Boden etwas zu sauer für eine erfolgreiche Gemüseernte. Trotzdem anbauen kannst du:

Obst für saure Böden: Heidelbeeren, Preiselbeeren, Kiwis, Quitten

Bodenverbesserungsmaßnahmen:

  • Kalkung (nur bei wirklich saurem pH (Testen!), da viele Nährstoffe freigesetzt werden, langfristig wird der Boden dadurch ausgelaugt)
  • Grünkompost mit eingearbeiteten Eierschalen verwenden

Kalkreicher Boden

Zeigerpflanzen:

  • Ackerrittersporn (Consolida regalis)
  • Echter Gamander (Teucrium chamaedrys)
  • Kleiner Wiesenknopf (Sanguisorba minor)
  • Sommeradonisröschen (Adonis aestivalis)
  • Wegwarte (Cichorium intybus)
  • Wiesensalbei (Salvia pratensis)
Auf kalkreichen Böden sind diese Zeigerpflanzen anzutreffen. Fotos: Wilhelm Zimmerling, H. Zell, Muriel Bendel, Violmsyan von wikimedia commons

Kalkreiche Böden haben einen hohen pH-Wert (über 7). Das bedeutet, dass weniger Protonen (H+) im Bodenwasser gelöst sind. Viel Kalk in Böden sorgt dafür, dass die Nährsalze im Wasser gelöst werden, wodurch es schnell zu Auswaschungen kommt. Deshalb sind kalkhaltige Böden eher nährstoffarm. Bei Pflanzen, die auf ihnen wachsen, kann es zu Mangelerscheinungen wie Chlorose oder Stippe kommen, was auf die fehlenden Nährstoffe zurückzuführen ist. Deshalb ist auch ein zu kalkhaltiger Boden für einige Pflanzen problematisch.

Pflanzen für kalkhaltigen Boden:

Gemüse: Karotten, Mangold, Kohl, Rote Bete, Sellerie, Spargel, Schwarzwurzeln, Zwiebeln

Kräuter: Lavendel, Petersilie

Beeren: Brombeeren, Stachelbeeren

Bodenverbesserungsmaßnahmen:

Diese Maßnahmen wirken ansäuernd auf den Boden.

  • Nadelbaumkompost (Zugabe von Baumnadeln in den Kompost oder direkt als Streuschicht auf den Boden)
  • Nadelerde (Untermischen von sauerer Erde unter Nadelbäumen)
  • Eichenlaubkompost (Zugabe von Eichenblättern in den Kompost)
  • Kaffeesatz
  • Torf (nicht sehr umweltfreundlich, da für den Torfabbau Moore trockengelegt werden und Lebensräume verloren gehen)
  • Mulchschicht ( am besten mit Nadelstreu oder Eichenlaub)
  • Traubentrester (Das Abfallprodukt aus Trauben bei der Weinherstellung sorgt aufgrund der natürlichen Säuren für einen niedrigeren pH)

Nun hast du erst einmal einige Informationen zum Thema Zeigerpflanzen. Ich hoffe, ich konnte dir das Thema näher bringen, sodass du das nächste Mal, wenn du in der Natur spazieren gehst vielleicht sogar erkennst, um was für einen Standort es sich handelt. Aber auch in deinem Garten kannst du nun herausfinden, welche Bedingungen vorliegen. Bei Fragen und Anmerkungen schreib uns gerne an magazin@alphabeet.org. Um keinen Artikel mehr zu verpassen, folge uns auf Instagram und Facebook oder melde dich direkt zu unserem Newsletter an.

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