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Winterportulak anbauen

11.11.2020 . Lesezeit: 9 Minuten

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Annabell

Annabell (22) studiert Agrarbiologie an der Uni Hohenheim. Auch privat gärtnert sie gerne, verbringt viel Zeit in der Natur und liebt es kreativ zu sein.

Winterportulak ist ein vitaminreicher Blattsalat, der sich ausgezeichnet als Überwinterungskultur eignet. Er kann den ganzen Winter über beerntet werden und bringt so stets frisches Grün in die Küche. Trotz seiner wertvollen Inhaltsstoffe ist er ein wenig in Vergessenheit geraten, doch das kann sich ändern! Was du beim Anbau und der Pflege alles beachten solltest, erfährst du in diesem Artikel.

Auf einen Blick:

  • Standort: halbschattig - schattig, lockerer Boden, niedriger Nährstoffgehalt
  • Temperatur: winterhart, optimal sind 4 - 8 °C, Keimung nur unter 12 °C
  • Mischkultur/Fruchtfolge: kompatibel mit jedem beliebigen Gemüse
  • Aussaat: September-März, Saattiefe 0,5-1 cm, Abstand 10-20 cm
  • Pflege: gleichmäßige Feuchtigkeit, bei zu enger Saat Pflanzen vereinzeln, mulchen
  • Krankheiten und Schädlinge: keine, evtl. Schnecken
  • Ernte: November - April, 6-8 Wochen nach Aussaat

Botanik & Herkunft

Der Winterportulak (Claytonia perfoliata) ist ein einjähriges, winterhartes Kraut aus der Familie der Quellkrautgewächse (Montiaceae). Manche kennen ihn auch unter den Namen Winterpostelein, gewöhnliches Tellerkraut oder Kubaspinat. Er ist sehr reich an Omega-3-Fettsäuren und Mineralstoffen wie Magnesium, Calcium und Eisen. Außerdem enthält er mit 72mg/100g mehr Vitamin-C als Zitronen.

Du kannst ihn leicht an seinen charakteristisch tellerrunden bis leicht zugespitzten Blättern erkennen. Im Frühjahr trägt er außerdem kleine weiße bis hellrosa Blüten, diese sind ebenfalls essbar. Mit der Zeit bildet er eine buschige Rosette, deshalb solltest du beim Pflanzen auf genügend Abstand achten. Insgesamt wird er etwa 15-30 cm hoch.

Ursprünglich stammt der Winterportulak aus dem pazifischen Raum Nordamerikas. Mit der Zeit verbreitete er sich bis nach Mexico und Kuba und fand schließlich seinen Weg zu uns nach Europa. Trotz des ähnlichen Namens ist er nicht zu verwechseln mit dem Sommerportulak, dieser ist nicht winterhart und benötigt viel Sonne und Wärme.

Die fleischigen Blätter des Winterportulaks sind leicht wiederzuerkennen. /Photo by Mick E. Talbot, CC BY-SA 3.0

Standort

Licht

In der Kultur ist der Winterportulak sehr anspruchslos und eignet sich ebenfalls für den Anbau in Balkonkästen und kleineren Gefäßen. Er hat keine besonderen Lichtansprüche, ein schattiger bis halbschattiger Platz genügt ihm vollkommen. Durch sein geringes Lichtbedürfnis und die guten Eigenschaften als Bodendecker eignet er sich ausgezeichnet für die Begrünung unter Bäumen. Seine buschige Wuchsform hilft nebenbei bei der Unterdrückung von Wildkräutern im Winter.

Temperatur

Auch mit niedrigen Temperaturen gibt er sich leicht zufrieden, er braucht sogar einen gewissen Kältereiz zur Keimung. Optimal wächst er bei Temperaturen zwischen 4 - 8 °C. Sinken die Temperaturen dauerhaft unter 5 °C, stellt er sein Wachstum ein. Sobald es wieder wärmer wird, beginnt er jedoch fleißig auszutreiben. Bei zu niedrigen Temperaturen stellt der Portulak zwar sein Wachstum ein, überleben kann er aber bei bis zu -20 °C. Wenn du jedoch möchtest, dass er auch im Winter weiterwächst, solltest du ihn vor Kälte schützen. Hierfür kannst du das Beet z.B. mit Fichtenreisig oder atmungsaktiven Folien abdecken. Für den Anbau im Frühbeet oder (Mini-)Gewächshaus eignet er sich ebenfalls sehr gut.

Boden

Am besten wächst der Winterportulak in lockerer, humoser Erde. Bei gleichmäßiger Wasserversorgung eignet er sich aber auch für sandige Böden. Als Schwachzehrer benötigt er nur wenige Nährstoffe, du musst also nicht zusätzlich düngen. Im Gegenteil, das Substrat sollte sogar nicht zu nährstoffreich sein, ähnlich wie beim Spinat.

Der Winterportulak überlebt Temperaturen bis zu -20 °C.

Mischkultur & Fruchtfolge

Die Pflanzenfamilie Montiaceae spielt im Nutzgarten sonst keine wirkliche Rolle, deshalb ist der Winterportulak ausgezeichnet für eine gesunde Fruchtfolge geeignet. Er ist eine optimale Nachkultur für alle Sommergemüse und lässt sich sehr gut zum Füllen von Lücken im Beet verwenden. Der Boden kann sich über den Winter erholen, während er von dem frischen Kraut geschützt wird. Aufgrund seiner niedrigen Ansprüche kann man ihn außerdem gut mit Starkzehrern wie Kohl kombinieren. Es sind keine schlechten Pflanznachbarn bekannt, du kannst also einfach mal mit verschiedenen Mischkulturen experimentieren. Gute Nachbarn sind Spinat, Feldsalat, Pastinake und Grünkohl.

Aussaat

Du kannst Winterportulak entweder direkt ins Beet säen oder ihn in Töpfen vorziehen. Verwende bei der Anzucht in Töpfen 1-3 Samen pro Topf, so entstehen besonders buschige Setzlinge. Der Topf muss dabei nicht besonders groß sein, Töpfe in Standardgröße oder kleiner sind bestens geeignet. Damit die winterharten Pflanzen auch keimen, sollten die Temperaturen allerdings nicht über 12 °C liegen. Die optimale Zeit für die Aussaat ist von September bis März, je nach Temperatur. Bedecke die Samen nur dünn mit Erde, 0,5-1 cm reichen hier aus. Nach etwa zwei Wochen sollten die ersten Samen zu keimen beginnen. Bei der Aussaat im Beet kannst du die Samen entweder breitwürfig streuen oder Reihen mit 10-20 cm Abstand ziehen.

Tipp: Mische die feinen Samen mit trockenem Sand, das erleichtert durch eine homogene Verteilung die Aussaat im Beet.

Mit der Zeit bildet der Winterportulak eine buschige Blattrosette, die Pflanzen sollten also nicht zu eng stehen. /Photo by Frank Vincentz, CC BY-SA 3.0

Pflege

Wenn die einzelnen Pflanzen nach der Aussaat zu dicht stehen, solltest du sie auf 10-20 cm vereinzeln. Ziehe dafür bei der ersten Ernte die kleinsten Pflanzen heraus, damit die restlichen sich besser ausbreiten können. Die einzelnen Pflanzen wachsen schnell in die Breite, nutzen so den vorhandenen Platz und bedecken den Boden.

Ansonsten ist der Winterportulak sehr pflegeleicht. Er benötigt keine zusätzlichen Düngegaben und wächst quasi von alleine. Achte lediglich darauf, dass das Substrat gleichmäßig feucht bleibt. Eine Mulchschicht kann dabei helfen den Boden feucht zu halten und kann außerdem das Aroma verbessern.

Krankheiten & Schädlinge

Gegenüber Krankheiten ist der robuste Wintersalat wenig anfällig. Gelegentlich können sich Schnecken aus Mangel an Nahrungsalternativen über ihn hermachen. Bei starken Schneckenproblemen kann ein Schneckenzaun Abhilfe verschaffen. In naturnahen Gärten haben die Schnecken jedoch meist ausreichend Wildkräuter zur Verfügung und verschonen den Portulak.

Gelegentlich können Schnecken von dem frischen Grün naschen. /Photo by MichaelGaida from Pixabay

Ernten

Zwischen Aussaat und Ernte vergehen nur etwa 6-8 Wochen. Schneide die ersten Blätter, sobald die Pflanzen etwa 10 cm groß sind. Ernten kannst du das gesunde Blattgemüse von November bis April. Die Pflanzen werden den Winter über bis zu sechs Mal geschnitten, sie wachsen in der Mitte der Rosette (= Herz) immer wieder nach. Wichtig ist nur, dass das Herz unbeschadet bleibt!

Ab Ende März bzw. Anfang April geht der Winterportulak in die Blüte. Die zierlichen weißen Blüten sind ebenfalls essbar und können als Dekoration für Salate und Suppen genutzt werden. Nach der Blüte solltest du die Pflanzen allerdings nicht mehr schneiden, da sich ein bitteres Aroma entwickeln kann.

Verarbeiten

Winterportulak ist frisch, nussig und leicht säuerlich im Geschmack. Mit seinen milden Aromen verfeinert er Kräuterbutter und Quark. Du kannst ihn außerdem für dekorative Salate, Suppen oder grüne Smoothies verwenden. Abgesehen davon kann das Multitalent als Spinatersatz dienen. In einer abwechslungsreichen Küche findet er vielerlei Verwendung und lädt zum Experimentieren ein. Deiner Kreativität sind keine Grenzen gesetzt! Am besten schmeckt der Winterportulak, wenn er frisch verzehrt wird. In einer Plastikdose hält er sich etwa 5-7 Tage im Kühlschrank.

Frischer Portulak macht sich super in grünen Smoothies.

Samen gewinnen

Der Winterportulak ist ein Selbstbestäuber, er benötigt keine Insekten um fruchtbare Samen zu bilden. Während der Samenbildung hast du mehrere Möglichkeiten:

  • Du lässt ihn an Ort und Stelle, damit er sich dort selbst verbreitetet. So keimen die Samen im Spätherbst bei sinkenden Temperaturen wieder aus und du sparst dir die Aussaat.
  • Falls du den Portulak in der nächsten Saison an einer anderen Stelle im Beet haben möchtest, kannst du wie folgt vorgehen: Wenn schon einige Samen gebildet wurden, zupfst du die ganze Pflanze aus und legst sie an die Stelle, wo er im nächsten Herbst wieder wachsen soll. So musst du ihn später nicht selbst aussäen und hast durch das verrottende Blattgrün gleichzeitig eine Mulchschicht, die den Boden schützt.
  • Zur Samengewinnung solltest du die ganze Pflanze abschneiden, sobald die ersten Samen dunkel und reif werden. Die Pflanzen dann luftig in einem trockenen Raum aufhängen und mit einem feinen Netz die Samen auffangen, sie fallen nach und nach von selbst ab.

Die feinen Samen werden schwarz, sobald sie reif sind.

Der Winterportulak ist ein wahres Multitalent und findet langsam wieder Anklang bei Hobbygärtnerinnen und -gärtnern. Ich hoffe ich konnte auch dich für die kleine Vitaminbombe begeistern! Bei Fragen und Anmerkungen schreibe uns gerne an magazin@alphabeet.org. Um keinen Artikel mehr zu verpassen, folge uns auf Instagram und Facebook oder melde dich direkt zu unserem Newsletter an.

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