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Gemüse im Winter anbauen: So wird`s gemacht

16.09.2020 . Lesezeit: 14 Minuten

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Isabell

Isabell (23) studiert Agrarbiologie und liebt es von der Natur und ihrer Komplexität immer wieder auf's Neue überrascht zu werden. Kräuter - egal ob wild gesammelt oder im Garten - sind ihre Leidenschaft.

Was, man kann auch im Winter gärtnern? Man glaubt es zwar kaum, aber auch in der kalten Jahreszeit lässt sich einiges an Gemüse pflanzen und ernten. Gerade wenn du dich selbst versorgen möchtest, empfiehlt es sich auch den Winter für deinen Gemüseanbau zu nutzen. Welche Sorten du anbauen kannst und was es im Freiland, auf dem Balkon oder Hochbeet im Winter zu beachten gibt, erfährst du in diesem Artikel.

Auf einen Blick:

langsam wachsendes Wintergemüse (ca. 100 Tage):

  • Rosen-, Chinakohl, Wirsing, Topinambur, Rote Bete, Pastinaken und Schwarzwurzeln
  • Aussaat: April - Juni

mittelschnell wachsendes Wintergemüse (ca. 55-70 Tage):

  • Butter-, Grün- und Chinakohl, sowie Zuckerhut
  • Aussaat: Juli - August

schnellwachsendes Wintergemüse (ca. 40-50 Tage):

  • Spinat, Feldsalat, Winterportulak, Winterkresse oder Mangold
  • Aussaat: September - Oktober

Im Herbst gepflanztes Gemüse, das im Frühjahr geerntet werden kann:

  • Ackerbohne, Zwiebeln oder Knoblauch
  • Stecken/Aussaat: September, Anfang Oktober

Winteranbau: Der richtige Aussaatzeitpunkt

Einige winterharte Gemüsesorten brauchen genügend Zeit, damit sie groß genug sind, um mit den ersten Frösten klarzukommen. Zu diesen langsam wachsenden Sorten gehören viele Kohlvariationen wie Rosen-, Chinakohl und Wirsing. Auch Wurzelgemüse wie Topinambur, Rote Bete, Pastinaken und Schwarzwurzeln brauchen ausreichend Zeit (ca. 100 Tage) für ihr Wachstum.

Zu den mittelschnellen Gemüsesorten gehören Butter-, Grün- und Chinakohl, sowie der Zuckerhut. Sie brauchen durchschnittlich 55 - 70 Tage für ihre Entwicklung.

Die schnellen Gemüsesorten brauchen hingegen nur durchschnittlich 40 - 50 Tage, bis sie groß genug sind die ersten Fröste zu ertragen. Zu ihnen zählen Spinat, Feldsalat, Winterportulak, Winterkresse oder Mangold. Diese kannst du auch noch im September, manche sogar bis Oktober ausäen.

Manche Kulturen beginnen schon auszutreiben, wenn du sie im Spätjahr pflanzt. Sie stoppen ihr Wachstum sobald die ersten Fröste beginnen und wachsen dann im Frühling weiter. Dadurch haben sie einen zeitlichen Vorsprung gegenüber im Frühling gesäten Pflanzen und können schon sehr früh geerntet werden. Das ist zum Beispiel bei manchen Ackerbohnensorten der Fall. Auch Winterzwiebeln oder Knoblauch können im Spätjahr gesetzt und dementsprechend früh im Jahr geerntet werden.

Im Herbst gesät, kannst du Spinat den ganzen Winter über ernten.

Winteranbau: Diese Möglichkeiten gibt es

Geschützter Anbau

Geschützter Anbau bedeutet nichts anderes, als dass du deine Kulturen vor Umwelteinflüssen wie Kälte "schützen" möchtest. Das gelingt dir zum Beispiel durch Folientunnel, Vlies oder im Gewächshaus. Dadurch lässt sich die Erntesaison in die Länge ziehen, wodurch du auch noch im Winter ernten kannst. Kulturen wie beispielsweise Tomaten, werden in Mitteleuropa fast ausschließlich im geschützten Anbau produziert. Im Freiland wäre das Krankheitsrisiko viel zu groß, sodass man sie ganzjährig in Gewächshäusern anbaut.

Freiland mit frostharten Sorten

Auch im Freiland lassen sich im Winter ein paar Kulturen anbauen. Einige frostharte Sorten können der Kälte trotzen oder werden durch niedrige Temperaturen erst geschmackvoll. Das liegt vor allem an der Stärke in den Pflanzen, die durch Kälte in Zucker umgewandelt wird. Im Freiland kannst du deine Pflanzen zusätzlich durch eine Mulchschicht schützen. Kohlarten, Wurzelgemüse und Wintersalate sind bekannte Vertreter von Wintergemüse. Welche Sorten sich für Freilandanbau im Winter eignen, erfährst du weiter unten.

Lebendlagerung auf dem Feld

Manches Gemüse kannst du einfach auf dem Feld stehen lassen, obwohl es schon kalt wird. Das schadet diesem Gemüse nicht, sondern hält es über den Winter schön frisch. Dadurch kann dich dein Garten auch bei Kälte mit wichtigen Vitaminen und Nährstoffen versorgen.

Unter geschützten Bedingungen, wie in Gewächshäusern oder Frühbeeten, kann die Erntesaison bis in den Winter ausgeweitet werden.

Welches Gemüse kann ich im Winter im Freiland anbauen?

Winterportulak

Das Portulakgewächs lässt sich ab September bis in den Februar auf dem Feld aussäen. Nach ca. 8 Wochen kann dann bis in den Frühling hinein geerntet werden. Lecker schmeckt Portulak in Salaten, Pfannengerichten oder Suppen und liefert gleichzeitig wichtige Mineralstoffe.

Feldsalat

Der Wintersalat ist wohl einer der bekanntesten Winterkulturen, die noch bis in den Oktober hinein gesät werden können. Auch hier kann je nach Witterung bis ins Frühjahr geerntet werden. Hier bietet sich eine Mischkultur mit Kohl oder Winterportulak an. Mehr zum Thema Mischkultur erfährst du hier.

Winterkresse kann noch im September gesät werden.

Winterkresse

Diese Kressesorte kann auch noch im September ausgesät werden. Etwa 8 - 12 Wochen später, kannst du die gefiederten Blätter, sowie die Blüten ernten. Das frostharte Gewächs hält es aber auch bis spät in den Winter auf dem Feld aus. Im Salat oder auf dem Brot schmeckt die Winterkresse besonders gut.

Mangold

Der bunte Klassiker ist ziemlich frostbeständig und lässt sich daher gut bis Weihnachten oder sogar ins neue Jahr hinein ernten. Winterharte Sorten können noch bis in den November gesät werden. Schütze den Mangold mit einer Mulchschicht aus Stroh oder einem Vlies. So sicherst du das Überleben des Blattgemüses auch in sehr kalten Nächten.

Knoblauch und Winterzwiebeln

Beides lässt sich im Herbst (Anfang Oktober) stecken, sodass im nächsten Jahr geerntet werden kann. Winterzwiebeln sind ab Mai erntereif, im Juli kann der Knoblauch geerntet werden.

Ackerbohnen können, wenn im September gepflanzt, schon früh im nächsten Jahr geerntet werden.

Ackerbohne

Diese Bohnenart kannst du schon im Herbst (September) säen, sodass sie schon beginnt auszutreiben. Da sich zu Beginn noch keine Stängel bilden, kann die Dicke Bohne bis - 8 °C ertragen. Zum Frühlingsbeginn wächst die Pflanze dann weiter und liefert schon frühe Ernten. Das Feld kann danach für eine andere Kultur genutzt werden, die von der stickstoffanreichernden Wirkung der Leguminose profitiert. Dafür eignen sich beispielsweise Tomaten oder Sellerie.

Spinat

Auch Spinat kann noch bis Anfang Oktober gesät werden. Mitte November bis Anfang April wird dann geerntet. Wähle dafür robuste, winterharte Sorten wie z.B. ‘Andromeda F1’. In sehr kalten Nächten kann der Spinat zusätzlich mit Vlies oder Reißig abgedeckt werden. Mehr zum Thema Spinatanbau erfährst du hier.

Welches Gemüse kann ich auf dem Feld überwintern?

Lauch

Wenn du eine winterharte Sorte wählst, kannst du Lauch den ganzen Winter über stehen lassen und bei Bedarf frisch ernten. Das Zwiebelgewächs kommt mit Frost gut zurecht und bleibt auf dem Acker lange haltbar. Gesät wird der Porree schon im April/Mai, dadurch kann er sich den ganzen Sommer über entwickeln.

Schwarzwurzeln

Die Schwarzwurzel ist ein Gemüse, das gerade ziemlich im Trend liegt. Sie wird aufgrund ihres Geschmacks auch Winterspargel genannt. Ab April können die Samen der Wurzel in 2 cm tiefe Rillen gesät werden. Sobald das Laub beginnt zu vergilben, kann geerntet werden. Dies ist meist ab Mitte November der Fall. Um die Wurzeln nicht zu verletzten, hebe einen 30 cm tiefen Graben dicht entlang der Pflanzreihe aus und ziehe die Wurzeln in Richtung des Graben heraus. Die schwarzen Stangen können wie Spargel geschält werden. Leichter lässt sich die Schale abziehen, wenn du sie zuvor in Salzwasser kochst. Der aus den Wurzeln austretende Milchsaft ist klebrig und verursacht dunkle Verfärbungen auf den Händen. Mit Zitronensaft lassen sich diese wieder entfernen. In Eintöpfen, als Cremesuppe oder als Beilage schmecken Schwarzwurzeln hervorragend.

Die Wurzel des Topinambur kann den ganzen Winter über geerntet werden.

Topinambur

Diese aus Nordamerika stammende Sonnenblumenart bildet an ihren Wurzel knollige, braunvioletten Fortsätze, welche geerntet werden können. Ab Mitte April kannst du die Knollen ins Freiland aussetzten. Achte darauf genügend Abstand zu anderem Gemüse einzuplanen, da die starkwachsende Pflanze gerne andere Kulturen verdrängt. Über den Sommer wachsen die bis zu drei Meter hohen Pflanzen heran. Sobald der obere Teil der Pflanze abgestorben ist, können die Wurzeln geerntet werden. Von Oktober bis März kannst du je nach Bedarf Wurzelteile ausgraben, denn die ausgegrabenen Teile können nicht mehr lange gelagert werden.

Rosenkohl

Der Rosenkohl muss schon Mitte Mai ausgesät werden, damit er genug Zeit hat sich zu entwickeln. Die kleinen Röschen lassen sich dann ab November ernten. Auch hier gilt, wie beim Grünkohl, je mehr Fröste der Kohl erträgt, desto milder sein Geschmack.

Chinakohl

Ende Juli gesät, übersteht diese Kohlsorte sogar Temperaturen von - 4 °C. In Gartenvlies oder Reisig eingepackt kann bei milden Klimata bis Ende November geerntet werden.

Auch robuste Wirsingsorten lassen sich den ganzen Winter über ernten.

Wirsing

Die Sorte ‘Winterfürst 2’ kann von Mai bis Juni ausgesät werden. Sie ist sehr kältetolerant und übersteht gut Temperaturen von -10 °C. Je nachdem wie früh gesät wurde, kann die Wintersorte schon Ende Oktober geerntet werden. Doch auch bis ins neue Frühjahr ist die Ernte des robusten Kohls noch möglich.

Grünkohl

Grünkohl ist ein sehr bekanntes Wintergemüse. Er beginnt erst ab kühleren Temperaturen richtig gut zu schmecken. Vorgezogen kann der Klassiker von Juli bis Ende August ausgepflanzt werden. Je früher er gepflanzt wird, desto mehr Zeit hat er, sich kräftig zu entwickeln. Ab den ersten Frösten im Herbst kann er schließlich geerntet werden. Doch Warten lohnt sich: Je länger der Kohl den Frösten ausgesetzt wird, desto süßer und milder sein Geschmack. Für die Ernte kannst du einzelne Blätter der Krone abschneiden.

Butterkohl

Der Kohl kann auch bis Ende Juli gesät werden. Durch die ersten Fröste beginnt er seinen Kohlkopf auszubilden, welcher sich gelb bis orange färbt. Ab November kannst du dann mit der Ernte beginnen: Nehme entweder einzelne Blätter von außen ab oder schneide bei Bedarf ganze Köpfe ab. Ab Februar beginnt der Butterkohl von innen wieder grün zu werden.

Pastinaken lassen sich aufgrund ihrer dicken Schale super überwintern.

Pastinake

Das Wurzelgemüse lässt sich prima überwintern. Gesät wird im April in Reihenabständen von 40 cm. Die Wurzeln verbleiben im Boden und können ab Oktober bis spät in den Winter bei Bedarf ausgegraben werden. Erst wenn die Minusgrade dauerhaft anhalten, solltest du die Wurzeln nicht mehr anrühren und warten, bis dieser wieder auftaut. Wenn dir das zu lange dauert, grabe alle Pastinaken aus und lagere sie an einem dunklen, trockenen, kühlen Ort (Keller). Wähle für den Winteranbau eine winterharte Sorte.

Zuckerhut

Das Zichoriengewächs kannst du wie Chicoree oder Radicchio zu leckeren und gesunden Wintersalaten verarbeiten. Säe dafür mit einem Pflanzabstand von 30 cm bis Mitte Juli aus. Die Samen sollten ca. 2 cm tief in der Erde liegen. Schon nach 8 - 12 Wochen kannst du den Zuckerhut ernten. Wenn du ihn aber auch im Winter nutzen möchtest, ist das kein Problem: Die Pflanze ist sehr robust und kann den ganzen Winter über beerntet werden.

Wintergemüse auf dem Balkon anbauen

Möchtest du Wintergemüse auf deinem Balkon kultivieren, solltest du deine Töpfe und Kübel richtig gut isolieren. Diese kühlen viel schneller aus als der Gartenboden, weshalb oft auch das härteste Wintergemüse kapituliert. Denn selbst wenn die Pflanze von sich aus mit dem Frost zurechtkommt, kann sie kein gefrorenes Bodenwasser aufnehmen. Dadurch verdurstet sie bei langanhaltenden Frösten letztendlich. Als Isolationsmaterial kannst du Styroporplatten um deine Gefäße anbringen oder sie in mit Laubblättern gefüllte Jutesäcke stellen. Auch Kokosmatten eignen sich gut als Kälteschutz. Bedecke die Erde des Gefäßes zusätzlich mit Vlies oder Reisig. Stelle deine Kübel am besten nahe der Hauswand auf, denn dort ist es im Winter viel geschützter und wärmer als an der Brüstung des Balkons.

Wintergemüse das sich für den Balkon eignet:

Mangold, Feldsalat, Grünkohl, Butterkohl, Wirsing, Rote Bete, Spinat

Im Winter solltest du dein Hochbeet mit Gartenvlies, Kokosmatte oder Luftpolsterfolie ausreichend vor der Kälte schützen.

Hochbeet im Winter

Im Sommer haben Hochbeete zwar den Vorteil, dass sie sich durch die erhöhte Position viel schneller erwärmen als der normale Boden, doch im Herbst kühlen sie auch schneller ab. Deshalb solltest du auch hier für ausreichenden Kälteschutz sorgen:

  • Umwickele das Beet mit Gartenvlies, Luftpolsterfolie oder einer Kokosmatte. Das Schützt nicht nur das Material, sondern auch die Wurzeln der Winterkulturen im Hochbeet.
  • Als schützende Auflageschicht eignet sich eine Mulchschicht aus Stroh oder Schnittresten. Zusätzlich kannst du empfindlichere Kulturen mit Vlies oder Reisig abdecken.
  • Frühbeetaufsätze können deine Gartensaison nicht nur im Frühjahr verfrühen, sondern auch im Spätjahr verlängern. Sie halten durch das lichtdurchlässige Plastik oder Glas Feuchtigkeit und Wärme bei den Pflanzen.

Erfahre hier mehr zum Thema Hochbeete befüllen und bepflanzen.

Ich hoffe du hast nun einen guten Überblick über den Anbau von Wintergemüse erhalten. Ich wünsche dir auch in den kalten Wintermonaten viel Ernteerfolg! Falls du noch Fragen oder Anregungen hast, schreibe uns einfach eine Mail unter magazin@alphabeet.org. Um keinen Artikel mehr zu verpassen folge uns auf Social Media oder melde dich zu unserem Newsletter an.

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