blog-article-banner-image

Vorkultur vs. Direktsaat

20.04.2020 . Lesezeit: 8 Minuten

Hinter diesem Artikel

author image
Annabell

Annabell (22) studiert Agrarbiologie an der Uni Hohenheim. Auch privat gärtnert sie gerne, verbringt viel Zeit in der Natur und liebt es kreativ zu sein.

Im Frühjahr haben wir Hobbygärtner/Innen alle Hände voll zu tun: Beetvorbereitungen, Pflegearbeiten und die ersten Aussaaten stehen an. Um das Gartenjahr optimal zu nutzen ist es entscheidend, dass die Jungpflanzen zum richtigen Zeitpunkt bereit stehen. Bei der Jungpflanzenanzucht hast du wieder die Qual der Wahl: Willst du direkt ins Beet säen oder deine Pflanzen doch lieber im Haus vorziehen? Um dir die Entscheidung etwas zu erleichtern, habe ich die Vorzüge der Vorkultur und der Direktsaat hier für dich zusammengetragen. Außerdem gebe ich noch ein paar wertvolle Tipps, damit deine Pflanzen garantiert gut gedeihen!

Auf einen Blick:

Vorkultur

  • Frühere Aussaat möglich
  • Schutz der Jungpflanzen vor Schnecken, Wildkräutern & Co.
  • Sparsamere Verwendung von Saatgut
  • Die Wachstumsbedingungen sind leichter zu beeinflussen

Welche Pflanzen sollte man vorziehen?
v.a. langsam wachsende und wärmeliebende Pflanzen - z.B. Kürbis- und Nachtschattengewächse

Direktsaat

  • Pflanzen werden robuster
  • Die Wurzeln werden nicht durchs Umpflanzen beschädigt
  • Die Verbindung zwischen Jungpflanze und Boden bleibt bestehen

Welche Pflanzen sollte man direkt säen?
v.a. Pflanzen mit empfindlichen Wurzeln - z.B. Wurzelgemüse wie Möhren, Rote Bete, Radieschen

Saatgut von Linsen, Reis, Bohnen, etc.

Vorkultur: Das spricht dafür

  • Wenn du deine Pflanzen im warmen Haus vorziehst, kannst du mit der Aussaat noch vor den letzten Frösten beginnen. An einem warmen Plätzchen sind deine zarten Jungpflanzen vor der tödlichen Kälte geschützt und können so keinen Schaden davontragen. Durch die frühere Aussaat kannst du außerdem schon früher mit der Ernte beginnen.
  • Die schützenden vier Wände bewahren deine Keimlinge nicht nur vor Kälte, sondern auch vor Schädlingen und Wildkräutern. Im schutzlosen Gemüsebeet wäre deine Jungpflanze nämlich ein leckeres Häppchen für Schnecken & Co. und könnte außerdem schnell von der natürlichen Vegetation überwuchert werden. Sobald deine Pflanze größer ist, kann sie sich auch besser gegen andere Pflanzen behaupten und so besser im Gemüsebeet etablieren.
  • Bei der Vorkultur kannst du dein Saatgut viel sparsamer einsetzen. Zum einen kann es nicht verweht, weggeschwemmt oder von Vögeln stibitzt werden. Außerdem sähst du es nicht großzügig in Reihen aus, sondern gezielt in Anzuchtschalen oder Töpfe.
  • Bei der Vorkultur im Haus kannst du die unterschiedlichen Wachstumsbedingungen beeinflussen. So verwendest du beispielsweise spezielle Anzuchterde, die relativ mager ist. Das fördert die Wurzelbildung der Jungpflanzen, da sie auf der Suche nach Nährstoffen mehr Raum erschließen müssen. Außerdem herrscht im Haus eine relativ konstante Temperatur, das ist vor allem für Pflanzen mit einer hohen Keimtemperatur von großer Bedeutung!
Keimlinge
Pflanzen mit hoher Keimtemperatur genießen eine warme Vorkultur im Haus.

Diese Kulturen eignen sich zur Vorkultur

Es lohnt sich vor allem bei langsam wachsenden und wärme-liebenden Pflanzen die Vorkultur im Haus in Betracht zu ziehen. Die beliebten Gemüsepflanzen aus der Familie der Nachtschattengewächse (Tomate, Paprika, Aubergine, etc.) eignen sich also sehr gut für die Vorkultur! Sie benötigen eine relativ hohe Keimtemperatur und können die verlängerte Wachstumsphase gut gebrauchen. Auch verschiedene Kohlarten, sowie die Kürbisgewächse (z.B. Zucchini, Gurken & Co.) profitieren von einer warmen Vorzucht, dann können sie sobald es draußen warm wird richtig loslegen und so den Sommer voll ausnutzen!

Das solltest du beachten

  • Bei der Vorkultur in einem geschützten Raum kann es sein, dass die Pflanzen wegen fehlender Reize sehr schwach werden. Bekommen sie beispielsweise nicht genug Licht, wachsen sie unnötig in die Höhe und können dann später mit dem labilen Spross ihre Blätter nicht tragen. Also unbedingt auf ausreichend Licht achten! Hast du nur wenig helle Plätze zur Verfügung, kannst du auch spezielle UV-Lampen zur Unterstützung verwenden.
  • Bei der Standortwahl solltest du außerdem darauf achten, dass es auch nicht zu warm ist. In diesem Fall gilt nicht die Devise “viel hilft viel”. Die Pflanze sollte nicht auf der Heizung stehen, das würde unter anderem die Erde zu schnell austrocknen. Ein helles Plätzchen auf der Fensterbank bei gemäßigter Raumtemperatur reicht für die Anzucht also völlig aus!
  • Das bringt uns direkt zum nächsten und sehr wichtigen Punkt: Ausreichend Feuchtigkeit. Speziell in der Keim- und frühen Entwicklungsphase solltest du immer für genügend Feuchtigkeit sorgen. Trocknet die Erde immer wieder aus, wird der Same nicht auskeimen. Außerdem kann Wassermangel eine zarte Jungpflanze sehr schnell das Leben kosten!
  • Auf den meisten Saatgutpäckchen steht die optimale Zeit zur Aussaat ins Freiland bzw. zur Vorkultur. Bei den meisten Kulturen kannst du Anfang bis Mitte März mit der Anzucht im Haus beginnen, sodass die Pflanzen nach den Eisheiligen (Mitte Mai) ins Freiland gepflanzt werden können. Falls du dieses Jahr keine Zeit mehr hast deine Gemüsepflanzen selbst vorzuziehen, kannst du natürlich jederzeit Jungpflanzen vom Markt, beim Gärtner oder im Gartencenter zukaufen.
Gemüsebeet mit Salaten und Kräutern
Sobald die letzten Fröste vorbei sind, können auch wärmebedürftige Pflanzen wie Basilikum ins Beet.

Direktsaat: Das spricht dafür

  • Direkt gesäte Pflanzen sind in der Regel robuster, sie werden von den unterschiedlichsten Umwelteinflüssen abgehärtet. Der Wind sorgt beispielsweise dafür, dass die Pflanzen durch den ständigen Reiz stabiler wachsen. Die robusten Jungpflanzen sind so im Vergleich weniger anfällig für Schädlinge (z.B. Blattläuse), sie dürfen nur nicht den Schnecken zum Opfer fallen.
  • Was außerdem für die Direktsaat spricht ist der Stressfaktor, der beim Umpflanzen entsteht. Umpflanzen bedeutet für Pflanzen nämlich immer Stress! Ein Standortwechseln ist in der Natur eigentlich nur für den Samen vorgesehen. Er wird durch Tiere oder Wind davongetragen, um an einem anderen Ort zu keimen. Treibt der Same einmal aus und schlägt wurzeln, hat er keinen Grund mehr sich von der Stelle zu bewegen, denn die Wachstumsbedingungen scheinen passend. Der Standortwechsel erfolgt also nur durch das Eingreifen des Menschen und beschädigt nicht nur die Wurzeln, sondern reißt die Jungpflanze auch aus ihrer gewohnten Umgebung.
  • Im Boden lebt nämlich eine vielfältige Bakterienflora, die die Keimung des Samens unterstützen kann. Treibt der Same aus, verknüpft er sich automatisch mit dem komplexen Netzwerk. Will man die Pflanze nun an einen anderen Ort pflanzen, werden diese Verbindungen gekappt. Die Pflanze muss an ihrem neuen Standort dann wieder derartige Verbindungen knüpfen, um gut wachsen zu können. Manchen Pflanzen gelingt es neue Verbindungen zu knüpfen, andere sind jedoch zu geschwächt und gehen ein. Das hast du bestimmt schonmal beim einsetzen von Jungpflanzen beobachtet. Zuerst wirken die Pflanzen wie fehl am Platz, doch nach ein paar Tagen bemerkt man, wie sie sich scheinbar mit ihrer Umgebung verknüpfen und kräftiger werden.
Rote Bete, Photo by Nick Collins on Unsplash
Rote Bete hat sehr empfindliche Wurzeln und sollte immer direkt gesät werden. - Photo by Nick Collins

Diese Kulturen eignen sich zur Direktsaat

  • Es gibt Pflanzen, die unbedingt direkt gesät werden sollten, da sie sehr empfindliche Wurzeln haben. Das Umpflanzen würde die Wurzeln beschädigen und so die Pflanze extrem schwächen! Dazu gehören vor allem verschiedene Wurzelgemüse wie z.B. Möhren, Rote Bete und Radieschen. Aber auch Bohnen und Erbsen gedeihen bei der Direktsaat ins Freiland viel besser als nach einer Vorzucht! Bei Salat ist zwar eine Vorkultur möglich, direkt gesäter Salat neigt jedoch nicht so sehr zum Schießen. Generell eignen sich aber die meisten Kulturen für eine Direktsaat. Nur bei langsam wachsenden Kulturen und solchen mit einer hohen Keimtemperatur sollte eine Vorkultur in Erwägung gezogen werden.

Das solltest du beachten

  • Auch bei der Direktsaat ist ausreichend Feuchtigkeit während der Keimphase unentbehrlich! Achte also darauf, dass deine frisch angelegten Gemüsebeete nie austrocknen.
  • Wenn du trotz kühleren Temperaturen schon direkt ins Freiland säen willst, kannst du auch spezielles Gartenvlies zu Hilfe nehmen. Das Vlies hat eine isolierende Funktion und kann so deine Pflanzen vor Kälte schützen. Es eignet sich sehr gut für frühe Aussaaten, da es die Temperatur im Boden relativ konstant hält. Dadurch kann dein Saatgut schon keimen, auch wenn die sommerlichen Temperaturen noch auf sich warten lassen. Hierbei solltest du regelmäßig überprüfen, ob die Keimung schon begonnen hat und dann rechtzeitig das Vlies entfernen.
  • Um den Saatgut-Verlust möglichst zu minimieren, solltest du die Samen ordentlich andrücken. Das ist vor allem bei Lichtkeimern wichtig, da die Samen nicht mit Erde bedeckt, sondern offen auf die Erde gelegt werden. Hier können zusätzliche Vogelnetze hilfreich sein, damit dein Saatgut überhaupt bis zur Keimung überlebt und nicht genascht wird.
Saatreihe
Die Direktsaat ist immer mit einem gewissen Saatgut-Verlust verbunden.

Ob Vorkultur oder Direktsaat, jede der beiden Methoden hat ihre Vor- und Nachteile. Im Endeffekt hängt es von der gewählten Pflanze ab, ob eine Vorkultur im Haus sich lohnt oder nicht. Wenn du nochmal checken willst, ob du auch alles für die kommende Gartensaison vorbereitet hast, dann schau doch mal bei unserer Übersicht zur Saisonplanung und -vorbereitung vorbei. Um keinen Artikel mehr zu verpassen, folge uns auf Instagram und Facebook oder melde dich direkt zu unserem Newsletter an.

alphabeet - Mit uns brauchst du keinen grünen Daumen!

Verpasse keine Updates!

Mit dem alphabeet Newsletter bekommst du alle wichtigen Updates und Magazin-Artikel direkt in dein Postfach.