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Annabell

Annabell (22) studiert Agrarbiologie an der Uni Hohenheim. Auch privat gärtnert sie gerne, verbringt viel Zeit in der Natur und liebt es kreativ zu sein.

Im Frühjahr haben wir Hobbygärtner*innen alle Hände voll zu tun: Beetvorbereitungen, Pflegearbeiten und die ersten Aussaaten stehen an. Um das Gartenjahr optimal zu nutzen ist es entscheidend, dass die Jungpflanzen zum richtigen Zeitpunkt bereitstehen. Bei der Jungpflanzenanzucht hast du die Qual der Wahl: Willst du direkt ins Beet säen oder deine Pflanzen doch lieber im Haus vorziehen? Um dir die Entscheidung zu erleichtern, erfährst du hier alles wichtige zu den beiden Aussaatmethoden und welche Pflanzen jeweils geeignet sind.

Auf einen Blick:

Vorziehen

  • Frühere Aussaat möglich
  • Schutz der Jungpflanzen vor Schnecken & Konkurrenz durch Wildkräuter
  • Sparsamere Verwendung von Saatgut
  • Die Wachstumsbedingungen sind leichter zu beeinflussen

Besonders langsam wachsende und wärmeliebende Pflanzen, z.B. Kürbis- und Nachtschattengewächse.

Direkt säen

  • Pflanzen werden robuster
  • Die Wurzeln werden nicht durchs Umpflanzen beschädigt
  • Die Verbindung zwischen Jungpflanze und Boden bleibt bestehen

Besonders Pflanzen mit empfindlichen Wurzeln, z.B. Wurzelgemüse wie Möhren, Rote Bete und Radieschen. Grundsätzlich kann aber jedes Gemüse direkt in Beet gesät werden.

Vorziehen: Das spricht dafür

  • Wenn du deine Pflanzen im warmen Haus vorziehst, kannst du mit der Aussaat noch vor den letzten Frösten beginnen. An einem warmen Plätzchen sind deine zarten Jungpflanzen vor Kälte geschützt und können so keinen Schaden davontragen. Durch die frühe Aussaat kannst du außerdem schon früher mit der Ernte beginnen.
  • Die schützenden vier Wände bewahren deine Keimlinge nicht nur vor Kälte, sondern auch vor Schädlingen und Wildkräutern. Im schutzlosen Gemüsebeet sind Jungpflanze nämlich oft ein leckeres Häppchen für Schnecken & Co. und könnte außerdem schnell von Wildkräutern überwuchert werden. Sobald deine Pflanzen größer sind, können sie sich auch besser gegen andere Pflanzen behaupten und sich im Gemüsebeet etablieren.
  • Beim Vorziehen kannst du dein Saatgut viel sparsamer einsetzen. Es kann nicht verweht, weggeschwemmt oder von Vögeln stibitzt werden. Außerdem säst du nicht großzügig in Reihen aus, sondern gezielt in Anzuchtschalen oder Töpfe.
  • Bei der Vorkultur im Haus kannst du die unterschiedlichen Wachstumsbedingungen beeinflussen. So verwendest du beispielsweise spezielle Anzuchterde, die relativ mager ist. Das fördert die Wurzelbildung der Jungpflanzen, da sie auf der Suche nach Nährstoffen mehr Raum erschließen müssen. Außerdem herrscht im Haus eine relativ konstante Temperatur, das ist vor allem bei Pflanzen mit hoher Keimtemperatur entscheidend.
Kürbisgewächse genießen eine warme Anzucht im Haus.

Diese Pflanzen eignen sich zum Vorziehen

Besonders bei langsam wachsenden und wärme-liebenden Pflanzen lohnt es sich, sie im Haus vorzuziehen. Sie benötigen eine relativ hohe Keimtemperatur und können die verlängerte Wachstumsphase gut gebrauchen. Hierzu zählen beispielsweise die Nachtschatten- (Tomate, Aubergine, Paprika, etc.) und Kürbisgewächse (Zucchini, Gurke, Melone, etc.). Auch verschiedene Kohlarten (Kopfkohl, Rosenkohl, Kohlrabi, etc.) profitieren von einer früheren Aussaat im Haus, da sie relativ langsam wachsen. Sobald es draußen warm genug ist, können sie ins Beet gepflanzt werden und so den Sommer voll ausnutzen!

Das solltest du beachten

  • Bei der Vorkultur in einem geschützten Raum kann es sein, dass die Pflanzen wegen fehlender Reize sehr schwach werden. Bekommen sie beispielsweise nicht genug Licht, wachsen sie unnötig in die Höhe und können dann später mit dem labilen Spross ihre Blätter nicht tragen. Also unbedingt auf ausreichend Licht achten! Falls du nur wenig helle Plätze zur Verfügung hast, kannst du auch spezielle UV-Lampen zur Unterstützung verwenden.
  • Bei der Standortwahl solltest du außerdem darauf achten, dass es auch nicht zu warm ist. In diesem Fall gilt nicht die Devise “viel hilft viel”. Die Pflanzen sollten nicht auf der Heizung stehen, hier würde die Erde zu schnell austrocknen. Ein helles Plätzchen auf der Fensterbank bei gemäßigter Raumtemperatur reicht für die Anzucht völlig aus!
  • Das bringt uns direkt zum nächsten und sehr wichtigen Punkt: Ausreichend Feuchtigkeit. Speziell in der Keim- und frühen Entwicklungsphase solltest du immer für genügend Feuchtigkeit sorgen. Trocknet die Erde immer wieder aus, können die Samen nicht richtig auskeimen. Außerdem kann Wassermangel eine zarte Jungpflanze sehr schnell das Leben kosten.
  • Auf den meisten Saatgutpäckchen steht die optimale Zeit für die Aussaat im Haus und im Freiland. Bei den meisten Pflanzen kannst du Anfang bis Mitte März mit der Anzucht im Haus beginnen, sodass die Pflanzen nach den Eisheiligen Mitte Mai ins Freiland gepflanzt werden können. Falls du dieses Jahr keine Zeit mehr hast deine Gemüsepflanzen selbst vorzuziehen, kannst du natürlich jederzeit Jungpflanzen vom Markt, beim Gärtner oder im Gartencenter zukaufen.
Gemüsebeet mit Salaten und Kräutern
Sobald die letzten Fröste vorbei sind, können auch wärmebedürftige Pflanzen wie Basilikum ins Beet.

Direkt säen: Das spricht dafür

  • Direkt gesäte Pflanzen sind in der Regel robuster, sie werden von unterschiedlichsten Umwelteinflüssen abgehärtet. Der Wind sorgt beispielsweise dafür, dass die Pflanzen durch den ständigen Reiz stabiler wachsen. Die robusten Jungpflanzen sind außerdem im Vergleich weniger anfällig für Schädlinge (z.B. Blattläuse), sie dürfen nur nicht den Schnecken zum Opfer fallen.
  • Was außerdem für die Direktsaat spricht, ist der Stressfaktor, der beim Umpflanzen entsteht. Umpflanzen bedeutet für Pflanzen nämlich immer Stress! Ein Standortwechseln ist in der Natur eigentlich nur für den Samen vorgesehen. Er wird durch Tiere oder den Wind davongetragen, um an einem anderen Ort zu keimen. Treibt der Same einmal aus und schlägt wurzeln, hat er keinen Grund mehr sich von der Stelle zu bewegen, denn die Wachstumsbedingungen scheinen passend. Der Standortwechsel erfolgt also nur durch das Eingreifen des Menschen und beschädigt nicht nur die Wurzeln, sondern reißt die Jungpflanze auch aus ihrer gewohnten Umgebung.
  • Im Boden lebt eine vielfältige Flora von Bakterien, Pilzen und anderen Mikroorganismen. Diese Flora kann die Keimung von Samen unterstützen. Treibt der Same aus, verknüpft er sich automatisch mit dem komplexen Netzwerk im Boden. Will man die Pflanze nun an einen anderen Ort setzen, werden diese Verbindungen durchtrennt. Die Pflanze muss an ihrem neuen Standort dann wieder derartige Verbindungen aufbauen, um gut wachsen zu können. Das hast du bestimmt schonmal beim einsetzen von Jungpflanzen beobachtet. Zuerst wirken die Pflanzen wie fehl am Platz, doch nach ein paar Tagen bemerkt man, wie sie sich scheinbar mit ihrer Umgebung verbinden und kräftiger werden. Manchen Pflanzen gelingt es neue Verbindungen zu knüpfen, andere sind jedoch zu geschwächt und gehen ein.
Rote Bete hat relativ empfindliche Wurzeln und sollte deshalb immer direkt gesät werden. / Bild von Tracy Lundgren auf Pixabay 

Diese Pflanzen solltest du direkt säen

Es gibt Pflanzen, die unbedingt direkt gesät werden sollten, da sie sehr empfindliche Wurzeln haben. Das Umpflanzen würde die Wurzeln beschädigen und die Pflanze so extrem schwächen. Dazu gehören vor allem verschiedene Wurzelgemüse wie z.B. Möhren, Rote Bete und Radieschen. Aber auch Bohnen und Erbsen gedeihen besser, wenn sie direkt ins Beet gesät werden. Das liegt daran, dass sie im Boden eine Symbiose mit stickstoff-fixierenden Bakterien eingehen. Diese Verbindung können die Leguminosen beim Vorziehen erst später aufbauen. Bei Salat ist das Vorziehen generell möglich, allerdings neigt direkt gesäter Salat nicht so sehr zum Schießen. Generell eignen sich die meisten Kulturen für eine Direktsaat ins Beet. Nur bei langsam wachsenden Pflanzen und solchen mit einer hohen Keimtemperatur lohnt sich das Vorziehen im Haus.

Das solltest du beachten

  • Auch bei der Direktsaat ist ausreichend Feuchtigkeit während der Keimphase unentbehrlich! Achte also darauf, dass deine frischen Aussaaten nie austrocknen.
  • Wenn du trotz kühlerer Temperaturen schon direkt ins Beet säen willst, kannst du spezielles Gartenvlies zu Hilfe nehmen. Das Vlies hat eine isolierende Funktion und kann so ein günstiges Mikroklima für die Keimung schaffen. Nach der Aussaat solltest du regelmäßig überprüfen, ob die Keimung schon begonnen hat und das Vlies rechtzeitig entfernen, damit die Jungpflanzen sich richtig entfalten können.
  • Um den Saatgut-Verlust möglichst zu minimieren, solltest du die Samen ordentlich andrücken. Das ist vor allem bei Lichtkeimern (z.B. Salat) wichtig, da die Samen nicht mit Erde bedeckt, sondern offen auf die Erde gelegt werden. Hier können zusätzliche Vogelnetze hilfreich sein, damit dein Saatgut überhaupt bis zur Keimung überlebt und nicht genascht wird.
Bohnen wachsen am besten, wenn sie direkt ins Beet gesät werden.

Ob vorgezogen oder direkt gesät, jede der beiden Methoden hat ihre Vor- und Nachteile. Im Endeffekt hängt es von der gewählten Pflanze ab, ob das Vorziehen im Haus sich lohnt oder nicht. Für eine Übersicht, ab wann du welche Pflanzen aussäen kannst, schau doch mal in unserem Artikel zur Saisonplanung und -vorbereitung vorbei.

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