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Urban Gardening 101: Wo kann ich in der Stadt gärtnern?

14.08.2019 . Lesezeit: 6 Minuten

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Jonas

Jonas (22) hat Agrarbiologie studiert. Seine Leidenschaft für Pflanzen und das Gärtnern entdeckte er durch ein Praktikum bei einer Permakultur NGO. Seitdem gärtnert er auf seinem Balkon und in Gemeinschaftsgärten.

Urban Gardening ist in letzter Zeit regelrecht zu einem Buzzword geworden. Doch was bedeutet das eigentlich? Und wo kann ich in der Stadt überall gärtnern? In diesem Artikel will ich dir einen Überblick über die verschiedenen Formen des Urban Gardenings geben und ein paar Ideen liefern, wo du selbst anfangen kannst zu gärtnern.

Die offensichtliche Lösung: Der Balkongarten
Unter dem Begriff “Urban Gardening” lassen sich viele Formen des Gärtnerns in der Stadt zusammenfassen. Doch wer über Gärtnern in der Stadt nachdenkt, kommt wahrscheinlich ziemlich schnell auf den klassischen Balkon- oder Dachterrassengarten. Hier wird in Töpfen und Balkonkästen, Bottichen und Hochbeeten gegärtnert. Ich als begeisterter Balkongärtner kann euch sagen: Es hat schon was für sich, vom Bett in zwei Schritten im “Garten” zu sein. Ein großer Vorteil ist, dass der Balkongarten so nah am Wohnort ist wie es nur geht. Somit ist es sehr einfach sich angemessen um die Pflänzchen zu kümmern und ihnen genügend Aufmerksamkeit zu schenken. Außerdem bist du von der Küche super schnell in der “lebendigen Speisekammer”, um die Früchte deiner Arbeit je nach Bedarf zu verkochen. Es ist wirklich erstaunlich wieviel Gemüse sich auch auf kleinem Raum anbauen lässt. Wenn du also einen Balkon oder eine Dachterrasse hast und dort bisher noch nicht gärtnerst, solltest du schleunigst damit anfangen - es lohnt sich!

Für alle ohne Balkon: Die Fensterbank
Einen Haken hat die Sache mit dem Balkongarten: Man braucht einen Balkon. Dieser Segen wird jedoch leider nur einem Bruchteil der Stadtbewohner zu Teil. Doch keine Sorge - auch ohne Balkon kannst du deine botanischen Fantasien in vielfältigen Formen ausleben. Mit einem hellen Fensterbrett lässt sich auch schon einiges machen. Zumindest ein paar Küchenkräuter oder eine kleine Chili Pflanze finden hier auf jeden Fall Platz. Ein heißer Tipp für FensterbankgärtnerInnen sind “Microgreens” oder auf Deutsch Sprossen. Dabei werden Samen von z.B. Radieschen oder Kohlsorten zum Keimen gebracht und dann nach ein paar Tagen geerntet. Die Keimlinge machen sich super als Topping für Salate oder wie Kresse auf einem Butterbrot.

Wenn du auch drinnen im großen Stil gärtnern willst oder deine Schätzchen vom Balkon über die kalte Jahreszeit retten willst, lohnt sich für dich vielleicht die Anschaffung einer Pflanzenleuchte. Inzwischen gibt es schon zu relativ günstigen Preisen LED Lampen, die deinen Pflanzen das Leben schenken und dabei erstaunlich wenig Strom verbrauchen. Dennoch: Draußen an der Sonne ist es immer noch am umweltfreundlichsten, also überleg dir, ob Kunstlicht für deine Zwecke wirklich nötig ist, oder ob es nicht eine andere Alternative gibt.

Lieber gemeinsam als einsam: Der Gemeinschaftsgarten
Die bisher beschriebenen Formen des Urban Gardening funktionieren gut bei dir zu Hause. Doch wie mit so vielen Dingen ist es auch mit dem Gärtnern: Es macht viel mehr Spaß wenn man es gemeinsam tut. Deshalb gibt es inzwischen in den meisten Städten eine rasant wachsende Zahl an urbanen Gemeinschaftsgärten. Viele dieser Projekte besetzen Brachflächen und andernfalls ungenutzten Boden und verwandeln diese Orte in Oasen des Grüns mitten in all dem Grau.
In einem Gemeinschaftsgarten kannst du nicht nur nette Leute kennenlernen, die dein Hobby teilen, sondern auch von der Erfahrung der Anderen profitieren und sehr viel schneller lernen, als wenn du versuchst, alles allein herauszufinden. Um einen Gemeinschaftsgarten in deiner Nähe zu finden ist das Internet dein Freund: Viele der Projekte sind auf Facebook oder Instagram zu finden oder haben sogar eine eigene Website.

Der Klassiker: der Schrebergarten
Müsste man die verschiedenen Formen des Gärtnerns auf einer Zeitachse sortieren, so wäre der moderne Gemeinschaftsgarten wahrscheinlich der Nachfolger des klassischen Schrebergartens. Doch auch heute noch gibt es eine Vielzahl an Kleingartenvereinen, bei denen man sich ein kleines Grundstück, für oft sehr wenig Geld, pachten kann. In vielen Städten gibt es Kleingartenanlagen, die viel zentraler gelegen sind, als man denkt. Und ein Schrebergarten ist das ultimative Ticket um so richtig in’s Gartengeschäft einzusteigen. Dabei geht man allerdings auch eine große Verpflichtung ein. Denn gerade im Sommer fordert der Garten dann, je nach Bepflanzung, unter Umständen tägliche Pflege. Ob du bereit bist diese Bindung einzugehen solltest du dir vorher überlegen.

Gärtnern als Aktionsform: Guerilla Gardening
Zu guter Letzt kommen wir noch zu einer etwas “radikaleren” Form des Gärtnerns. Jetzt fragst du dich vielleicht: radikal Gärtnern, wie soll das denn gehen? Doch das sogenannte “Guerilla Gardening” hat genau diesen Anspruch: Überall Gärtnern, wo der Boden nicht durch Asphalt oder Beton versiegelt ist. Das klassische Beispiel für Guerilla Gardening sind Samenbomben. Hier wird Saatgut mit Erde und Lehm vermischt und zu Kugeln geformt, die dann auf Grünstreifen und Baumscheiben verteilt werden können. Noch etwas weiter gehen einige Guerilla GärtnerInnen zum Beispiel in Berlin. Dort kann man in manchen Vierteln ganze Gemüsegärten am Gehwegrand unter Bäumen finden.
Wir finden: Guerilla Gardening ist eine tolle Sache. Wieso schließlich sollten alle Grünflächen nur aus Rasen bestehen, wenn dort auch nützliche Pflanzen wachsen könnten? Einen Haken hat die Sache jedoch: Einige Stadtverwaltungen sehen es gar nicht gern, wenn man ihre akkurat angelegten Grünflächen in wilde Permakultur Experimente verwandelt. Da kann im Zweifel auch mal das Ordnungsamt einschreiten. Überlege dir also vorher, wie weit du mit deinem Aktionismus gehen willst und frag vielleicht einfach mal bei der Stadt- oder Bezirksverwaltung, ob es Flächen gibt auf denen Guerilla Gardening okay ist. In Stuttgart gibt es zum Beispiel inzwischen eine extra Stelle für urbane Gartenprojekte bei der Stadt, an die man sich mit solchen Anliegen wenden kann.

Auch wenn das Gärtnern heutzutage längst in den Innenstädten angekommen ist, finden wir: Es könnte alles noch viel grüner sein. Denn nichts ist so deprimierend wie die triste Umgebung einer grauen Betonwüste. Wenn du also nicht sowieso schon längst dabei bist: Such dir deine Spielform aus und fang an zu gärtnern! Du kannst dabei nicht verlieren. Und wenn du Hilfe brauchst gibt es ja immer noch alphabeet.

Das war der erste Artikel in einer Reihe aus Urban Gardening Artikeln, die in nächster Zeit erscheinen werden. Dabei werden wir eine Vielzahl verschiedener Themen behandeln: Von der Frage welcher Topf für welche Pflanze passt, bis hin zu Kulturempfehlungen für schattige Ecken.
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