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Isabell

Isabell (24) studiert Agrarbiologie und liebt es von der Natur und ihrer Komplexität immer wieder auf's Neue überrascht zu werden. Kräuter - egal ob wild gesammelt oder im Garten - sind ihre Leidenschaft.

Die schlanke Variante des Weißkohls bietet viele Vorteile: Spitzkohl ist besonders zart und gut verträglich. Außerdem eignet er sich prima für kleinere Gärten, denn er nimmt nicht so viel Platz wie andere Kohlarten ein. Außerdem kannst du mit Spitzkohl leckeres Sauerkraut herstellen. Wieso Spitzkohl nicht in deinem Garten fehlen sollte, erfährst du in diesem Artikel.

Auf einen Blick:

  • Licht: sonnig bis halbschattig
  • Wasserbedarf: gleichmäßige Wasserversorgung ist wichtig für gesundes Wachstum und zarte Blätter
  • Nährstoffbedarf: hoch (Starkzehrer)
  • Boden: lehmig bis sandig, humusreich
  • Keimtemperatur: 16 - 20 °C
  • Pflanztiefe: 1 - 2 cm
  • Pflanzabstand: Frühkohl 40 x 40 cm, Spätkohl 50 x 50 cm
  • gute Nachbarn: Erbsen, Kartoffeln, Lauch, Salate, Sellerie, Spinat, Tomaten, Kamille, Koriander, Kümmel (Kräuter für Aroma)
  • schlechte Nachbarn: Senf, andere Kohlarten, Zwiebeln, Knoblauch, Rüben, Meerrettich, Knollenfenchel

Die Spitzkohl-Pflanze

Normale Kohlarten sind oft sehr große Gewächse, wodurch wenig Platz im Beet für andere Kulturen bleibt. Genau hier liegt der Vorteil des Spitzkohls: Als schlankere Variante des Weißkohls benötigt der Kohlkopf nicht so viel Fläche und kann gut mit anderen Kulturen kombiniert werden. Eine tolle Alternative auch für kleinere Gärten. Durch seine geringere Größe benötigt Spitzkohl weniger Zeit für sein Wachstum, wodurch er schon relativ früh (Mai) geerntet werden kann. Zudem sind seine Blätter zarter als die des großen Weißkohls und dadurch besonders schmackhaft und besser verträglich. Deshalb ist allerdings die Lagerfähigkeit des Spitzkohls nicht ganz so gut, wie die von anderen Kohlarten.

Standorte für Spitzkohl

Spitzkohl mag es am liebsten vollsonnig, kommt aber auch gut mit halbschattigen Verhältnissen zurecht. Dein Beet sollte vorher gut gedüngt und gemulcht sein, denn als Starkzehrer benötigt der Spitzkohl reichlich Nährstoffe. Außerdem sollte der Boden humusreich und lehmig sein. Eine gleichmäßige Bewässerung sorgt für gutes, gesundes Wachstum und besonders zarte Blätter.

Vorziehen von Spitzkohl

Das Vorgehen beim Anbau ist ähnlich wie bei Rotkohl, Weißkohl und Wirsing. Wer bereits im Mai ernten will, sollte im Januar mit der Vorzucht starten. Auch im Februar und März kann noch vorgezogen werden. Hierfür wählst du am besten passende frühe Sorten. Die Samen werden 1-2 cm tief in mit Anzuchterde gefüllte Töpfchen oder Multiplatten gelegt. Für die Keimung benötigen Kohlpflanzen eine Keimtemperatur von ca. 16-20 °C sowie ausreichend Licht und Feuchtigkeit. Stelle die Töpfchen daher am besten auf eine Fensterbank oder in ein beheiztes Gewächshaus. Ab März kannst du sie mit einem Pflanzabstand von ca. 40 x 40 cm auspflanzen. Decke die empfindliche Jungpflanzen nachts unbedingt mit einem Vlies ab, damit sie nicht erfrieren.

Neben weiß-grünen gibt es auch rote Spitzkohl-Sorten. Bild von Capri23auto auf Pixabay 

Direktsaat von Spitzkohl

Spätere Sommer-Sorten kannst du von April bis Anfang Mai direkt ins Beet säen. Bei späten Aussaaten kann ab Juni geerntet werden. Es gibt auch robuste Sorten, z.B. 'Duncan', die du im August aussäen kannst. Bei Aussaaten im Hochsommer muss jedoch unbedingt auf eine regelmäßige Bewässerung geachtet werden, damit die Samen zuverlässig keimen und sich die Jungpflanzen gesund entwickeln können. Schütze die Kohlpflanzen im Herbst mit einem Vlies, damit du sie im Winter ernten kannst. Etwa einen Monat nach der Aussaat solltest du die Jungpflanzen pikieren. Diese späteren Sorten benötigen etwas mehr Platz als frühere. Achte daher auf einen Pflanzabstand von 50 x 50 cm. Erntereif ist dein Spitzkohl nach ca. 100 Tagen.

Pflege von Spitzkohl

Damit die Blätter schön zart bleiben, solltest du deine Kohlpflanzen regelmäßig Gießen. Jäte dein Beet regelmäßig, damit die Beikräuter nicht Überhand nehmen. Eine Mulchschicht ist hier von Vorteil, denn sie verhindert nicht nur das Wachstum von Beikräutern, sondern hilft auch den Boden feucht zu halten. Wichtig ist es außerdem, genügend Abstand zwischen den Pflanzen zu halten, sonst werden die Köpfe klein und die Pflanzen krankheitsanfälliger. Hier noch ein paar Tipps, um Kohl-Krankheiten zu vermeiden:

  • Algenkalk ins Pflanzloch gegen Kohlhernie
  • Mischkultur mit Tomaten und Sellerie vorbeugend gegen Kohlweißling-Beflug

gute Nachbarn: Erbsen, Kartoffeln, Lauch, Salate, Sellerie, Spinat, Tomaten, Kamille, Koriander, Kümmel (Kräuter für Aroma)

schlechte Nachbarn: Senf, andere Kohlarten, Zwiebeln, Knoblauch, Rüben, Meerrettich, Knollenfenchel

Fruchtwechsel: Anbaupause von mind. 4 Jahren im selben Beet

Spitzkohl düngen

Vor der Pflanzung solltest du dein Beet mit organischem Dünger vorbereiten. Hierfür kannst du verrotteten Mist und Hornmehl verwenden. Kompost reicht oft nicht allein als Nährstoffquelle für Kohl aus, weshalb du diesen mit Hornspänen mischen kannst. Auch eine dickere Mulchschicht (z.B. aus angetrocknetem Rasenschnitt) sorgt für Nährstoff-Nachschub. Während der Wachstumsphase kannst du mit Brennesseljauche und Gesteinsmehl nachdüngen. Auch organischer Flüssigdünger unterstützt das Wachstum deiner Pflanzen. Hierfür kannst du zum Beispiel den Meisterdünger aus unserem alphabeet-Shop ausprobieren.

Spitzkohl-Sorten

Frühe Sorten (Ernte ab Mai):

  • 'Erstling': besonders frühe und schnellwachsende Sorte, die schon im Januar vorgezogen werden kann
  • 'Berns': mittelfrühe Sorte mit grau-grünem Blatt

Späte Sorten (Ernte ab September):

  • 'Filderkraut': mittelspäte, sehr zuckerhaltige Sorte, gut für Sauerkrautherstellung geeignet
  • 'Duncan': kann ganzjährig angebaut werden, besonders robust
  • 'Kalibos': Kreuzung aus Spitz- und Rotkohl, dadurch rot-violette und lockere Köpfe

Ernten und lagern von Spitzkohl

Zwischen Mai und Dezember ist Erntesaison des Spitzkohls. Sobald der Kopf die gewünschte Größe erreicht hat, kannst du ihn mit einem scharfen Messer knapp unterhalb des Strunks abschneiden. Die Wurzel solltest du später entfernen, damit sich keine Krankheiten im Boden halten. Alternativ dazu kannst du auch den Kopf mitsamt der Wurzel aus dem Boden ziehen. Spitzkohl ist aufgrund seiner zarten Blätter nicht lange lagerfähig. In einem feuchten Tuch eingepackt und kühl gestellt, lässt sich ein Kohlkopf ca. 1- 2 Wochen aufbewahren. Allerdings kannst du deinen Kohl sehr einfach durch Fermentieren haltbar machen und ihn zu Sauerkraut verarbeiten. Einfrieren ist bei rohen Blättern nicht zu empfehlen, sie sollten vorher kurz blanchiert werden. Dadurch bleiben Geschmack, Festigkeit und Vitamine besser erhalten.

Spitzkohl wird gerne als Sauerkraut haltbar gemacht. Bild von kaarenhaywood auf Pixabay 

Krankheiten bei Spitzkohl

Wie bei allen Kohlsorten kann Spitzkohl von den Raupen des Kohlweißlings befallen werden. Der Falter legt die Eier unter den Blättern des Kohls ab. Sobald die Raupen schlüpfen, beginnen sie systematisch die Blätter abzufressen, wodurch die Pflanze im Extremfall stirbt. Vor allem dann, wenn du zur Stärkung deiner Pflanzen Brennesseljauche in deinem Garten ausbringst, wird der weiße Falter angelockt. Dem Befall kannst du vorbeugen, indem du Tomaten und Sellerie neben deinen Kohl pflanzt. Der intensive Geruch der Nachbarn überdeckt nämlich den des Kohls und die Schmetterlinge finden ihren Eiablageplatz nicht mehr. Kontrolliere zudem regelmäßig die Blattunterseiten der jungen Pflanzen, denn dort heftet der Falter seine Eier an. Wenn du erst später in der Saison pflanzt, kannst du mit Rainfarn oder Pfefferminze mulchen, falls vorhanden - beide Pflanzen vertreiben die Falter. Doch nicht nur auf biologischer Ebene kannst du Befall vorbeugen, auch mechanisch durch Kulturschutznetze können die Schädlinge ferngehalten werden.
Wenn es allerdings schon zu spät ist und die Raupen erstmal da sind, lohnt es sich diese frühzeitig händisch abzusammeln. Auch Schlupfwespen kannst du als Nützlinge in deinem Garten ansiedeln, da sie natürliche Feinde des Kohlweißlings sind. Diese biologischen Schädlingsbekämpfer lassen sich in diversen Onlineshops bestellen.

Die Raupen des Kohlweißlings sind gefräßige Kohl-Liebhaber.

Wenn deine Kohlpflanzen von Mehltau befallen sind, kannst du sie mit Schachtelhalmjauche gießen. Diese lässt sich ganz einfach herstellen. Du brauchst Ackerschachtelhalm, Wasser und einen Eimer. Dann kannst du nach dem selben Prinzip wie bei der Brennesseljauche vorgehen. Um dem Pilz vorzubeugen, kann sich zudem eine Mischkultur mit Knoblauch lohnen.

Auch Kohlhernie ist ein typisches Krankheitsbild aller Kreuzblütengewächse (Brassicaceae). Die Pilzkrankheit lässt den Kohl schlechter wachsen und später, auch bei ausreichender Bewässerung, die Blätter hängen und vergilben. Das kannst du vermeiden, indem du deine Kohlpflanzen rotierst, also nicht wieder auf einer Stelle pflanzt, auf der schon einmal Kohl gewachsen ist. Nach ca. 4 Jahren hat sich der Boden regeneriert und du kannst dort wieder deine Kohlpflanzen ausbringen. Falls du trotz eingehaltenem Fruchtwechsel symptomatisch welke Kohlpflanzen im Garten stehen hast, grabe sie aus und prüfe die Wurzeln. Ein typisches Erkennungsmerkmal sind dort nämlich knollige Verdickungen. Um ganz sicher zu gehen, dass es sich auch wirklich um den Pilz handelt, musst du die dicken Wurzeln anschneiden. Sind diese hohl, handelt es sich vermutlich um den Kohlgallenrüssler. Wenn die Wurzeln weiß und nicht hohl sind, ist es höchst wahrscheinlich der Kohlhernie-Pilz. In beiden Fällen solltest du deine Pflanzen leider schnellstmöglich entsorgen, da sonst weitere Pflanzen befallen werden können. Aber Achtung: auch im Kompost kann der Kohlhernie-Pilz überleben und später erneut deine Pflanzen befallen. Entsorge befallene Pflanzen deshalb lieber im Haushaltsmüll.

Kohl vermehren

Normalerweise sind Kopfkohl-Arten wie der Spitzkohl zweijährige Pflanzen. Das bedeutet sie bilden im ersten Jahr den Kopf aus, mit dem die Pflanze überwintert. Im zweiten Jahr entsteht dann der Samenträger, der nach der Blüte geerntet werden kann. Heutige Züchtungen sind allerdings nur schlecht auf dem Feld überwinterungsfähig, weshalb die meisten Gärtner:innen Kohlsamen lieber zukaufen. Zwei Methoden haben sich im Hobbybereich etabliert: Zum einen kann man die komplette Pflanze ausgraben und sie in einem Keller in Töpfe, Kübel oder Kisten pflanzen. Allerdings muss hier ab und zu nachgegossen werden. Außerdem beginnen die Köpfe vor allem bei Wirsing schnell zu faulen, wodurch alte Blätter regelmäßig abgeputzt werden müssen. Als zweite Option können die Köpfe beim Umpflanzen im Herbst geerntet und nur die Strünke zum Überwintern in Kübeln eingelagert werden. Hierbei sollten die Schnittstellen zusätzlich mit Asche oder Holzkohle bestäubt werden, um Krankheitsbefall an den Strünken vorzubeugen. Als Substrat eignet sich ein wenig Erde mit Holzspänen vermischt. Die Hobelspäne halten das Wasser gut, weshalb nur selten nachgegossen werden muss. Einen größeren Überwinterungserfolg erzielst du, wenn du an hellen und frostfreien Tagen deine Pflanzen nach draußen trägst, oder sie an einem hellen Kellerfenster platzierst.

Ich hoffe du hast einen guten Überblick zum Thema Spitzkohl erhalten. Bei Fragen und Anmerkungen schreibe uns gerne an magazin@alphabeet.org.

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Titelbild von Alexander Vollmer auf Pixabay 

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