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Ann Sophie

Ann Sophie (21) studiert Agrarwissenschaften an der Uni Hohenheim. Dort baut sie auf ihrem Balkon Gemüse an. Auch sonst verbringt sie ihre Freizeit gerne in der Natur, am liebsten mit Freunden beim Wandern.

Rotkohl ist ein beliebtes Wintergemüse, das gekocht oder als Rohkost in vielen Gerichten Verwendung findet. Der violette Kopf überzeugt mit seinem süßlich-milden Kohlgeschmack und enthält auch noch viele Vitamine und Mineralstoffe. Hier erfährst du, wie man diesen Kohl im eigenen Garten anbaut und was es dabei zu beachten gibt.

Auf einen Blick:

  • Lichtbedarf sonnig bis halbschattig
  • Nährstoffbedarf hoch
  • Wasserbedarf hoch
  • Boden locker, tiefgründig und humos
  • Keimtemperatur 16-20 °C
  • Aussaat: Vorziehen ab Februar / Direktsaat ab April
  • Pflanztiefe 1 cm
  • Pflanzabstand 50 x 50 cm
  • Nachbarn/Fruchtfolge: positive Nachbarn: Salate, Erdbeeren, Kräuter, Sellerie; kein Kohl als Vorkultur oder als Nachbar

Allgemeines

Der Rotkohl (Brassica oleracea convar. capitata var. rubra) gehört zur Familie der Kreuzblütler (Brassicaceae). Der Kopfkohl wird im Volksmund auch Rotkraut oder Blaukraut genannt. Zum ersten Mal wurde der Rotkohl im 12. Jahrhundert von Hildegard von Bingen erwähnt, die ihn „rubaceae caules“ nannte. Schon damals wurde er als beliebtes Wintergemüse angebaut, da er leicht anzubauen und gut lagerfähig ist. Von der Beschaffenheit ist er dem Weißkohl sehr ähnlich, unterscheidet sich vor allem aber in der bläulich–violetten Färbung seiner Blätter. Diese ist auf die enthaltenen Anthocyane, sekundäre Pflanzenstoffe, zurückzuführen. Anthocyane wirken für uns als Antioxidantien. Des Weiteren ist er reich an Vitamin B und C und enthält wichtige Mineralstoffe wie Kalium, Calcium und Chlorid

Standort

Am wohlsten fühlt sich der Rotkohl an einem vollsonnigen Ort. Wird es im Sommer sehr heiß, pflanze ihn aber lieber in den Halbschatten, da er hitzeempfindlich ist. Als Starkzehrer bevorzugt der Kohl einen lockeren, humosen Boden. Dieser bietet ihm genügend Nährstoffe und gleichmäßige Feuchte. Gerne darf der Boden auch leicht kalkhaltig sein. Falls dein Boden eher sandig ist, mische am besten bereits im Herbst davor Kompost oder Dünger unter die Erde. Der Rotkohl verrät dir übrigens den pH-Wert deines Bodens. Wächst er auf leicht saurem Boden, färbt er sich eher blau. Wächst er auf leicht basischem Boden, färben sich seine Blätter stärker violett-rot.

Mischkultur mit Rotkohl

Rotkohl gedeiht gut neben Salaten, Sellerie, Hülsenfrüchten und Kräutern. Auch Tomaten zeichnen sich als gute Nachbarn aus. Sie vertreiben durch ihren Duft Kohlweißlinge und Kohlfliegen. Schlechte Nachbarn sind hauptsächlich andere Kohlgewächse. Hier ist es sehr wichtig zu beachten, dass zwischen dem Anbau von Kohlarten im selben Beet mindestens 2 Jahre liegen sollten. So kann Kohlhernie und vielen anderen Schädlingen vorgebeugt werden. Außerdem kann sich der Boden wieder regenerieren und den Nährstoffspeicher auffüllen.

Auch Sellerie kann durch seinen Geruch Kohlschädlinge irritieren.

Die passende Rotkohlsorte

Auch wenn alle Sorten den gleichen Standort bevorzugen und die gleiche Pflege brauchen, gibt es viele Züchtungen, die sich durch Wachstum, Form und Farbe unterscheiden. Vor allem aber variiert die Erntezeit und das Gewicht zwischen den verschiedenen Sorten. Während frühe Sorten eine kürzere Vegetationszeit haben und daher meist kleinere Köpfe bilden, haben späte genug Zeit, um einen großen festen Kopf zu bilden. Diese großen Köpfe kann man besser einlagern.

  • Amarant” ist eine frühe Rotkohlsorte. Sie bildet runde mittelgroße Köpfe aus und hat einen kurzen Strunk. (Ernte: Mitte Juni - Ende August)
  • Granat” ist eine schnellwachsende Rotkohlsorte und kann daher auch bei kürzerer Vegetationszeit noch gute Erträge bilden. Diese Sorte ist lagerfähig. (Ernte: August - Ende Oktober)
  • Rodynda”  ist eine späte Rotkohlsorte, die lagerfähig ist. Sie hat einen festen, ovalen Kopf und einen kurzen Strunk. Die Köpfe sind süß und aromatisch und eignen sich daher auch als Rohkost, z.B. in Salaten. (Ernte: Mitte September - Ende Oktober)

Überlege dir also am besten, wann du den Rotkohl ernten willst, ob du lieber kleinere oder große Köpfe haben willst und wofür du ihn verwenden möchtest. Für eine durchgehende Ernte von Juni bis November, kannst du auch frühe und späte Sorten kombinieren.

Aussaat und Pflanzung

Am einfachsten ist es Setzlinge vorzuziehen und sie später auszupflanzen.

Aussaat

Rotkohl wird meist vorgezogen und dann ausgepflanzt. Bei einer Direktsaat kann es leichter passieren, dass der Kohl bei zu niedrigen Anzuchttemperaturen schießt, also frühzeitig Blüten bildet. Mit dem Vorziehen kannst du bei Rotkohl im Januar bis März beginnen. Bis das Saatgut gekeimt ist, braucht es Temperaturen von ca. 16-20 °C. Den jungen Pflänzchen reichen dann 12 °C. Kälter sollte es aber nicht sein, da die Pflanzen sonst zum Schießen neigen.

Pflanzung

Die Setzlinge kannst du dann je nach Sorte zwischen Anfang April und Ende Juni ins Freiland setzen. Beim Auspflanzen sollte zwischen den Reihen 50 cm und zwischen den Pflanzen 40 cm Abstand sein. Setze den Kohl möglichst tief, achte aber darauf, dass der Vegetationspunkt trotzdem über der Erde liegt. Dabei sollten die Keimblätter knapp über der Erde sein.

Pflegen und Düngen

Solange die Pflanzen jung und klein sind, können sie leicht von Unkräutern unterdrückt werden. Daher solltest du den Rotkohl regelmäßig hacken und mulchen. Das hilft außerdem das Wurzelwachstum anzuregen und die Wasserversorgung zu fördern. Damit der Kohl einen schönen großen Kopf bildet, braucht er nämlich stets genügend Wasser und Nährstoffe. Als Düngergabe kannst du alle zwei bis drei Wochen etwas Kompost mit unter die Erde mischen. Dabei kannst du dann auch die Erde um die Pflanze etwas anhäufeln. Das verleiht dem Kohl mehr Stabilität und schützt vor Schädlingen. Wenn du keinen Kompost hast, kannst du im gleichen Abstand auch mit Jauche düngen. Bei Kohl eignet sich dazu Brennnesseljauche. Diese kann allerdings Kohlweißlinge anlocken. Da der Rotkohl ein Starkzehrer ist, solltest du den Boden schon im Herbst vorbereiten und etwas Kompost einarbeiten.

Krankheiten und Schädlinge

Kohlweißling: Dieser weiße Falter legt seine Eier unten an die Kohlblätter. Wenn die Raupen schlüpfen, ernähren sie sich von den Blättern.

Kohlmottenschildläuse: Auch als weiße Fliege bekannt, können die Blattunterseite mit Wachs- und Honigtauausscheidung belegen. Sie gelten aber eher als mindere Schädlinge.

Blattläuse: Kohlblattläuse sind grau-grün und saugen Zucker und Nährstoffe aus den Blättern.

Schwarzfäule: Eine bakterielle Krankheit, bei der sich schwarz-braune Flecken auf der Blattoberseite ausbreiten.

Falscher Mehltau: Verursacht nekrotische Flecken, die Stellen sehen abgestorben und grau aus.

Dürreflecken: Eine Pilzkrankheit, bei der dunkle, braune Flecken auf Stängel und Blättern auftreten. Die infizierten Blätter verfärben sich gelb und fallen ab.

Die beste Krankheitsbekämpfung bei Kohl ist die Vorsorge. Hat der Kohl genügend Nährstoffe und einen durchlüfteten Standort, ist er gut gewappnet. Wichtig ist auch, dass nach der Ernte alle Erntereste vom Kohl beseitigt werden und bis zum nächsten Anbau von Kohlarten mindestens 2 Jahre dazwischen liegen. Dann kann sich der Boden nach dem Starkzehrer regenerieren. Außerdem werden so „typischen“ Kohlkrankheiten und Schädlingen die Lebensgrundlage genommen.

Als Falter ist der Kohlweißling ein Nützlicher Bestäuber. Seine Raupen können allerdings großen Schaden an allerlei Kohlgewächsen verursachen. /Photo by Neslihan Gunaydin on Unsplash

Ernte und Lagerung

Wie schon in dem Abschnitt über Rotkohlsorten erwähnt, kommt es ganz auf die Sorte und den Zweck an, wann du die Köpfe am besten erntest. Bei frühen Sorten kann die Ernte bereits ab Mitte Juli beginnen. Sie bilden eher kleine zarte Köpfe aus, die sehr gut als Rohkost schmecken und auch schnell verarbeitet werden sollten. Späte Sorten hingegen werden von August bis in den November geerntet. Sobald der Rotkohl die gewünschte Größe hat, entfernst du die äußeren Blätter und schneidest den Kopf am Strunk ab. Möchtest du den Kohl lagern, lasse ihn so lange wie möglich stehen. Er sollte allerdings vor den ersten Tagen um 0 °C geerntet werden, da er durch Frost aufspringen kann. Ziehe ihn dazu ganz aus der Erde und klopfe die Erde grob vom Strunk. Wenn der Strunk beschädigt oder abgeschnitten worden ist, ist er an dieser Stelle anfällig für Fäulnis. Die äußeren Blätter kannst du, sofern sie gesund sind, dranlassen. Diese schützen den Kohl vor dem Austrocknen. Lege den Kohl in luftige Holzkisten und decke diese mit Jutesäcken oder einem alten Handtuch ab. Kontrolliere die Kisten regelmäßig auf Fäulnis- oder Schimmelbildung. Der richtige Lagerort ist kühl und dunkel.

Verarbeitung

Ob roh oder gekocht, Rotkohl passt zu vielen Gerichten.

Rotkohl findet in der Küche durch seinen süßlichen und milden Kohlgeschmack vielerlei Verwendung. Roh schmeckt er beispielsweise hervorragend in Salaten oder Wraps. Gekocht ist er zu vielen Gerichten eine beliebte Beilage. Hier ein Rezept für dein selber gemachtes Rotkraut:

  • 1 kg Rotkohl
  • 50 g Schmalz oder Butter
  • 1 Zwiebel
  • 2 Äpfel
  • 1 EL Zucker
  • 2 EL Essig
  • ¼ Liter Wasser
  • 4 EL Rotwein
  • 2 TL Mehl, zum Binden
  • 1 Lorbeerblatt
  • 2 Nelken
  • Salz

Putze und wasche den Rotkohl zuerst. Viertele dann den Kopf und entferne den Strunk. Danach kannst du die Viertel entweder hobeln oder fein schneiden. Als Nächstes würfelst du die Zwiebeln und Äpfel und dünstest sie im Fett an. Sobald du das Blaukraut dazu gibst, gieße auch den Essig darüber. Das gibt deinem Rotkraut eine schöne Farbe. Decke den Topf mit einem Deckel zu und lasse das Kraut dünsten. Gieße nach 10 Minuten ca. ¼ Liter Wasser auf und gebe etwas Salz und die Gewürze dazu. Anschließend lässt du das ganze noch einmal für 30 - 45 Minuten dünsten, bis der Rotkohl weich ist. Es kann sein, dass du zwischendurch nochmal etwas Wasser nachgießen musst. Wenn das Rotkraut fertig ist, schmecke es noch mit dem Rotwein ab. Nach Belieben kannst du es dann auch mit Mehl binden. 
Rotkraut ist eine super Beilage zu Braten, Schmorbraten, Wild oder Geflügel. Aber es lässt sich natürlich auch sehr gut zu anderen Gerichten kombinieren.

Wir hoffen, du hast nun alles was du brauchst, um Rotkohl selber anzubauen. Für Fragen und Anmerkungen schreib uns gerne unter magazin@alphabeet.org oder teile deine Erfahrungen auf Social Media mit uns. Um keinen Artikel mehr zu verpassen, folge uns auf Instagram und Facebook oder melde dich direkt zu unserem Newsletter an.

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