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Isabell

Isabell (24) studiert Agrarbiologie und liebt es von der Natur und ihrer Komplexität immer wieder auf's Neue überrascht zu werden. Kräuter - egal ob wild gesammelt oder im Garten - sind ihre Leidenschaft.

Säen und Gießen - zwei gärtnerische Tätigkeiten, die eigentlich so einfach klingen. Wenn du es aber geschickt anstellst, kannst du eine Menge Wasser und Arbeit sparen! Erfahre hier, was es beim Gießen und Säen zu beachten gibt.

Auf einen Blick:

  • Aussäen vorzugsweise nach einer Regenperiode oder für ausreichende und gleichmäßige Bewässerung sorgen
  • Innerhalb der ersten zwei Wochen nach der Keimung alle paar Tage ausgiebig gießen, danach möglichst wenig, damit Trockenstress entsteht und tiefe Wurzeln ausgebildet werden
  • nur abends oder frühmorgens gießen: In der Mittagshitze kann das Wasser nicht richtig aufgenommen werden und verdunstet
  • lieber seltener, aber ausgiebiger gießen
  • nach kurzen Regenschauern zusätzlich gießen, um den Boden ausreichend zu durchfeuchten
  • Mulchen, um Verdunstung vorzubeugen

Der optimale Aussaatzeitpunkt

Witterung und Bodenfeuchte spielen eine wichtige Rolle beim Aussaatzeitpunkt, wenn du möglichst effizient und wassersparend im Garten arbeiten möchtest. So musst du nicht nur weniger Wasser schleppen, sondern schützt auch gleichzeitig den Grundwasserspiegel, der immer öfter im Sommer sehr niedrig liegt. Der optimale Aussaatzeitpunkt ist entweder kurz vor oder innerhalb einer mehrtägigen Regenperiode. Dann ist der Boden bis in die tiefen Schichten durchfeuchtet. Diese Bedingung ist wichtig für den Keimling, denn gerade ganz am Anfang seiner Gartenkarriere ist er besonders anfällig. Wenn der Keimling nach der Keimung austrocknet, wird er nicht mehr weiter austreiben und absterben. Auch sehr junge Pflanzen haben noch keine tiefen Wurzeln ausgebildet, wodurch sie schnell vertrocknen können. Eine mehrtägige Regenperiode liefert daher optimale Startvorraussetzungen für Keimung und Jungpflanze. Natürlich sind längere Regenperioden nicht immer vorzufinden. Achte dann darauf, bis zur Keimung den Boden um deine Aussaat gleichmäßig und ausgiebig zu durchfeuchten.

Jungpflanzen richtig gießen

Ist der Samen gekeimt und hat die Bodendecke durchbrochen, beginnt der Keimling nicht nur oberhalb des Bodens zu wachsen, auch im Boden werden Wurzeln ausgebildet, welche die Pflanze mit Wasser und Nährstoffen versorgen. Damit eine Pflanze auch längere Trockenperioden übersteht, ist es wichtig, dass sie möglichst kräftige und lange Wurzeln ausbildet, um in tiefere Bodenschichten zu gelangen, in denen auch bei längerer Trockenheit noch Wasserreserven gespeichert sind. Nach einer längeren Regenperiode keimt also nicht nur der Samen, auch das Wasser wird sich mit der Zeit in tiefere Schichten zurückziehen. Wurzeln werden aus Effizienzgründen nur dorthin ausgebildet, wo auch Wasser vorliegt. Die Wurzeln der Keimlinge und Jungpflanzen folgen dem Wasser daher in die Tiefe.

Zudem solltest du während der ersten zwei Wochen nach der Keimung den Boden alle paar Tage möglichst kräftig und gleichmäßig durchwässern, sodass das Gießwasser auch tiefere Bodenschichten durchfeuchtet. Dadurch wird die junge Pflanze ihre Wurzeln auch in diese feuchten Schichten wachsen lassen. Nach dieser Zeit solltest du möglichst wenig gießen, denn es befindet sich zwar wenig Wasser im Oberboden, doch der Unterboden sollte noch ausreichend feucht sein; hier kann das Wasser nicht so leicht verdunsten. Diese Phase sorgt für einen sogenannten "Trockenstress", der die junge Pflanze dazu anregt, möglichst viele, tiefe Wurzeln auszubilden. So gelangt die Pflanze effizienter an das Wasser, das sie benötigt und auch im Hochsommer muss nicht täglich gegossen werden. Gleiches gilt auch für Setzlinge.

Als Gegenbeispiel: gießt du deine Pflanzen zwar täglich, doch nur sparsam, gelangt das Gießwasser nur in oberflächliche Schichten. Der Unterboden ist nun im Gegensatz zum Oberboden kurzfristig weniger feucht, wodurch die Pflanzen keinen Reiz entwickeln tiefe Wurzeln auszubilden. Die flachwurzelnden Pflänzchen gelangen in den trockenen Sommermonaten nicht an die Wasserspeicher der tiefen Bodenschichten. Dir bleibt nur noch eine Möglichkeit, um die Pflanzen zu versorgen: Viel gießen!

In den ersten zwei Wochen solltest du den Boden um die Keimlinge alle paar Tage kräftig durchwässern, damit tiefe Wurzeln gebildet werden. Bild von Сергей Корчанов auf Pixabay.

Allgemeine Gießregeln

  • Der richtige Zeitpunkt ist besonders an sonnigen Tagen entscheidend. Auch wenn deine Pflanzen mittags ihre Blätter hängen lassen, solltest du der Versuchung widerstehen sie jetzt sofort zu gießen. Aufgrund der Mittagshitze fahren viele Pflanzen ihren Stoffwechsel auf ein Minimum herunter, bis es am Nachmittag wieder etwas kühler wird. Daher werden sie das Wasser nicht aufnehmen können, wenn du sie in voller Hitze gießt. Zudem ist der Boden zu dieser Tageszeit am stärksten aufgeheizt und ein Großteil des kostbaren und mühsam herbeigebrachten Gießwassers verdunstet einfach wieder, bis die Pflanzen gegen Abend wieder in der Lage sind es aufzunehmen. Am Besten ist es, du gießt entweder früh morgens, bevor die Sonne das Beet erwärmt, oder abends nach Sonnenuntergang. So haben deine Pflanzen eine Chance das Wasser aufzunehmen bevor es verdunstet und können sich so schonmal für die Hitze des (nächsten) Tages wappnen.
  • Wenn du eine automatische Bewässerungsanlage besitzt lohnt es sich sogar sie auf 3 Uhr Nachts einzustellen, denn dann ist der Boden durchschnittlich am kühlsten.
  • Wenn du von Hand gießt, solltest du darauf achten, dass du gezielt an die Sprossbasis gießt und die Blätter nicht nass werden. Wenn die Sonne scheint, wirken Wassertröpfchen auf den Blättern wie Linsen, die das Licht bündeln und die Blätter so verbrennen können.
  • Die Pflanzen in deinem Beet solltest du lieber seltener und dafür sehr ausgiebig gießen. Am effizientesten ist das Gießen nach kurzen Regenschauern. Diese befeuchten nämlich oft nur die Oberfläche deines Beetes. Wenn du jetzt nochmal ordentlich nachgießt, zieht das Gießwasser deutlich besser in tiefere Schichten ein, wo es besser vor dem Verdunsten geschützt ist. Zudem wird so das Tiefenwachstum der Wurzeln angeregt.
  • Eine Mulchschicht schützt den Boden zusätzlich vor Wasserverlust durch Verdunstung.
  • Topfpflanzen musst du im Sommer je nach Standort und Wetter bis zu zweimal am Tag gießen. Die Erde in den Töpfen trocknet sehr viel schneller aus, wodurch es schnell gefährlich für deine Pflanzen werden kann.

Ich hoffe, ich konnte dir beim Wasser- und Zeitsparen im Garten helfen! Bei Fragen und Anmerkungen zum Thema, schreibe uns unter magazin@alphabeet.org. Folge uns gerne auf Facebook oder Instagram. Zudem kannst du unser Magazin abonnieren, um keinen Artikel mehr zu verpassen.

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