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Permakultur - Gärtnern im Einklang mit der Natur

03.04.2020 . Lesezeit: 8 Minuten

Hinter diesem Artikel

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Isabell

Isabell (23) studiert Agrarbiologie und liebt es von der Natur und ihrer Komplexität immer wieder auf's Neue überrascht zu werden. Kräuter - egal ob wild gesammelt oder im Garten - sind ihre Leidenschaft.

Was bedeutet eigentlich dieses Permakultur von dem alle reden? Genau diese Frage wollen wir dir in diesem Artikel beantworten. Dabei geht es vor allem um den nachhaltigen Umgang mit der Natur beim Gärtnern. Durch eine sinnvolle Planung des Gartens können enorme Erfolge und Ernten erzielt werden. Gärtnern mit Köpfchen ist gefragt. Wieso Mulch und Mistgabel als praktische Hilfsmittel jedem Gärtner das Leben erleichtern können, erfährst du hier.

Hier einmal die wichtigsten Ziele die Permakultur verfolgt:

  • Planung statt Chaos = Sinnvoller Einsatz von Pflanzen an den Orten zu denen sie passen
  • Herstellung von Standorten, die bestimmte Pflanzen bevorzugen (durch Teiche, Terrassen, Steinwälle)
  • Aufbau eines natürlichen Ökosystems, das vom Menschen genutzt werden kann
  • Planung nach natürlichem Vorbild = langfristige Erleichterung der Gärtnerarbeit
  • Stabilität durch Diversität
Permakultur, Teich
Teiche und Hügelbeete sehen nicht nur schön aus, sondern haben auch eine Funktion im Permakulturgarten

Was ist Permakultur?

Permakultur leitet sich aus den beiden englischen Worten „permanent agriculture“ ab, hat also nichts mit Permafrost oder dergleichen zu tun. Übersetzt bedeutet das ganze dauerhaft Landwirtschaft betreiben zu können. Als Vater des Prinzips gilt der Australier Bill Mollison zusammen mit seinem Schüler David Holmgren.
Bei der Permakultur geht es vor allem darum, nachhaltig und sinnvoll Lebensmittel zu produzieren, wobei sich das ganze Prinzip an natürlichen Systemen orientiert. Natürliche Ökosysteme werden deshalb genau beobachtet und nachgeahmt.
Die drei Grundprinzipien der Permakultur lauten „Earthcare“, „Peoplecare“ und „Fairshare“. „Earthcare“ bedeutet hierbei, für das Wohl der Erde und der Lebewesen darauf zu sorgen. „Peoplecare“ deckt den sozialen Aspekt der Permakultur ab, nämlich den gerechten Zugang zu Lebensgrundlagen. Fairtrade ist sozusagen inbegriffen. „Fairshare“ bezieht sich auf den gerechten Umgang mit Ressourcen und Endprodukten. Hierbei soll also Überschüssiges, wie Kompostreste, zur Natur zurückgeführt werden. Nähere Informationen werden dazu später beim Thema "Nährstoffkreislauf" erwähnt. Aber auch das Teilen von überschüssigen Lebensmitteln mit Mitmenschen ist damit gemeint. Permakultur ist also schon eine Lebenseinstellung.

Sinnvolle Planung mit der Natur

Hügelbeete oder Kräuterschnecken schaffen dabei spezielle Nischen, die auf einzelne Obst- oder Gemüsesorten passen. Auf der Südseite des Hügelbeets erhält eine sonnenliebende Pflanze beispielsweise deutlich mehr Licht und Wärme und kann zudem durch die Hügelform vor Wind geschützt werden. Windschutz können auch Hecken oder Sträucher liefern. Diese spenden im Sommer zudem Schatten für Pflanzen, denen direkte Sonneneinstrahlung nicht guttut. Teiche können als Wasserquelle und Wärmespeicher genutzt werden, wodurch sogar manchmal Standorte für exotischere Pflanzensorten geschaffen werden. Es ist hierbei wichtig zu erkennen welche gegebenen Eigenschaften ein Garten hat. Ist der Boden sehr feucht, würde ein Teich Sinn ergeben. Wenn er sehr trocken ist, wählt man vielleicht erst einmal Pflanzen aus, welche besser mit wenig Wasser zurecht kommen. Es ist aber auch möglich die Umgebung so zu verändern, dass sie mehr den gewünschten Bedingungen entspricht. In sehr trockenen, sonnigen Gebieten lohnt sich der Einsatz von Hügelbeeten oder beschattenden Pflanzen. Wenn organisches Material wie Kompost oder Schnittreste in den Boden eingebracht wird, kann der Boden zudem mehr Wasser aufnehmen und speichern.
In kühleren, feuchteren Gebieten können Steinwälle als Wärmespeicher dienen. Sinnvolle Planung spielt deshalb eine zentrale Rolle beim Anlegen eines Permakulturgartens. Sie erleichtert nicht nur den Pflanzen das Wachstum, sondern senkt auch den Arbeitsaufwand des Gärtners. Dieser Aufwand entsteht nämlich vor allem, wenn entgegen den natürlichen Bedingungen gewirtschaftet wird. Wenn also ein natürlich stabiles System erstellt wird, erledigt die Natur die meiste Arbeit von selbst.

Kräuterschnecke, Permakultur
Kräuterschnecken schaffen passende Mikroklimata für die verschiedenen Bedürfnisse der Kräutersorten

Nährstoffkreislauf

Da man durch die Ernte dem System ständig Nährstoffe entzieht, ist es wichtig diese auch wieder zurückzuführen. Das geschieht beispielsweise über mehrjährige Pflanzen, welche durch ihr Laub oder ihre Schnittreste Mulch liefern. Durch zersetzende Bodenorganismen wie Bakterien oder Pilze kann das Pflanzenmaterial abgebaut werden und steht den lebenden Pflanzen wieder in Form von Nährstoffen zur Verfügung (Mineralisierung). Dieser natürliche Mulch, aber auch zusätzlich aufgetragenes Material wie Stroh, dient neben der Mineralisierung auch zur Unkrautunterdrückung. Unkräuter können nämlich gar nicht erst wachsen, wenn ihnen die Mulchschicht den Zugang zu Licht erschwert. Man kann sich unbedeckten Boden wie eine offene Wunde vorstellen; wenn kein abdeckender Schutz vorhanden ist, können sich unerwünschte Eindringlinge niederlassen. Bei der Wunde sind das Pathogene, die zu Entzündungen führen können. Im Garten sind es Samen von Beikräutern, die den kultivierten Pflanzen Licht und Nährstoffe klauen. Mulch bietet also viele Vorteile für Kulturpflanzen: Mehr verfügbares Wasser und Nährstoffe und weniger Konkurrenz durch Unkräuter. Auch der Gärtner hat weniger Arbeit beim Unkrautjäten. Dieses erleichternde Prinzip macht Permakultur gerade so populär. Sie ahmt natürliche Systeme nach, arbeitet also mit den gegebenen Bedingungen, anstatt gegen sie anzugehen. Es kann nicht alles überall wachsen, jedoch kann man die natürliche Umgebung gezielt so verändern, dass vieles möglich wird.

Mulch, Stroh
Stroh kann als Mulchschicht verwendet werden - Photo by Mitch Fox

Mistgabel statt Schaufel

Der Boden besitzt durch seinen natürlichen Aufbau verschiedene Nischen. Diese bieten perfekt angepasste Lebensräume für darin lebende Organismen wie Bakterien und Pilze. Manche mögen eben mehr Licht und Sauerstoff, andere bevorzugen eher sauerstoffarme (anaerobe) Bedingungen. Um diese Lebensräume nicht zu stark zu stören, wird der Boden mit einer Mistgabel aufgelockert. Durch Schaufel oder Spaten würde es nämlich zu einer Umverteilung der Bodenschichten kommen. Als Folge würden die Kleinklimazonen und Habitate der Organismen zerstört. Die Organismen würden verloren gehen und mit ihnen auch ihre positiven Eigenschaften für das Pflanzenwachstum.
Im besten Falle wird der Boden so gut wie überhaupt nicht umgegraben oder gestört. Abgestorbene Pflanzenteile werden also nicht einfach nach der Ernte ausgerissen, sondern an der Oberfläche abgeschnitten. Daraufhin stirbt die Wurzel ab und das tote Wurzelgewebe kann von Bodenorganismen zu Biodünger zersetzt werden. Außerdem bilden sich dort wo die Wurzeln waren kleine Luftkanäle, wodurch auch tiefere Bodenschichten mit genügend Sauerstoff versorgt werden.

Einteilung nach Priorität

Zudem wird der Garten in verschiedene Zonen eingeteilt. Dadurch soll dem Gärtner bzw. Produzenten die regelmäßige Pflege von besonders arbeitsintensiven Pflanzen erleichtert werden. Die pflegebedürftigen Pflanzen sollten sich in unmittelbarer Nähe zu den täglichen Aufenthaltsorten (beispielsweise dem Wohnhaus) befinden und damit eher ins Auge des Verantwortlichen fallen. Weniger anspruchsvolle Pflanzen/Kulturen finden ihren Platz weiter abseits der alltäglichen Wege. Der Gärtner hat somit das Wichtigste im Blick.

Permakultur, Hügelbeete
Ein Permakulturgarten dient nicht nur zum Ernten, sondern auch zum Wohlfühlen

Vielfalt statt Einfalt

Zu guter Letzt bedient sich die Permakultur dem Prinzip der Mischkultur. Vielfalt statt Einfalt ist hierbei die Leitthese. Ein breites Arten- und Sortenspektrum soll eine stabile Versorgung garantieren, auch im Falle von Krankheitsbefall oder ungünstiger Wetterlage. Permakultur bezieht sich also nicht auf Ertragsmaximierung, sondern Optimierung. Pflanzen die sich positiv beeinflussen werden nebeneinander gepflanzt, ungünstige Kombinationen werden hingegen vermieden. Zudem dienen natürliche Schichtsysteme wie Wälder als Inspiration. Große Bäume beschatten kleinere Büsche, wobei diese wiederum Schatten für kriechende Pflanzen wie Erdbeeren oder Melisse liefern. So entstehen immer neue kleine Ökosysteme, auch Kleinklimazonen genannt. Diese Lebensräume liefern neue Nischen für die speziellen Ansprüche verschiedener Pflanzen und Tiere. Durch die große Artenvielfalt werden auch verschiedene Insekten angelockt, welche vor Krankheiten und Schädlingen schützen können. Artenvielfalt sorgt damit für ein stabileres Gesamtsystem.

Klingt doch ganz gut oder? Wir hoffen wir konnten dich für das Thema Permakultur begeistern. Um keinen Artikel mehr zu verpassen, folge uns auf Instagram und Facebook oder melde dich direkt zu unserem Newsletter an.

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