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Annabell

Annabell (22) studiert Agrarbiologie an der Uni Hohenheim. Auch privat gärtnert sie gerne, verbringt viel Zeit in der Natur und liebt es kreativ zu sein.

Die bunten Früchte von Paprika und Chili sind wahre Schmuckstücke im Garten. Erfahre jetzt, wie du die sonnenliebenden Pflanzen erfolgreich selbst anbauen kannst.

Auf einen Blick:

Vorkultur

  • Ab März in Anzuchterde
  • Optimale Keimtemperatur: 25 °C
  • Bedecke die Anzuchtschale mit einer durchsichtigen Haube, so keimen die Samen zuverlässiger
  • Pikiere die Keimlinge nach ca. 4 Wochen

Pflanzung

  • Ab Ende April ins Gewächshaus bzw. ab Mitte Mai ins Freiland
  • Wähle im Freiland einen möglichst sonnigen, geschützten Standort
  • Pflanze mit 40-50 cm Abstand & 60 cm zwischen den Reihen

Ernte

  • Die ersten halbreifen, grünen Paprika sind ab Mitte Juli erntebereit - vollreife Früchte ab Ende Juli
  • Im Freiland beginnt die Ernte ca. 3-4 Wochen später

Allgemeines

Paprika (capsicum annuum) oder auch spanischer Pfeffer genannt, gehört zur Familie der Nachschattengewächse (Solanaceae) und ist daher nah mit der Tomate verwandt. Innerhalb der Art gibt es unzählige Sorten in allen Formen, Farben und Schärfegraden. Botanisch unterschiedet man nämlich nicht zwischen Paprika und Chili, sie sind verschiedene Züchtungen innerhalb derselben Art. Chilis enthalten im Gegensatz zum milden Gemüsepaprika das scharfe Capsaicin. Allesamt stammen sie ursprünglich aus Mittel- und Südamerika. Die meisten Paprikafrüchte sind zunächst grün und verfärben sich während der Reife gelb, rot oder orange. Reife Paprika enthalten mehr Vitamin C als alle anderen Gemüsesorten! Auch die grünen, unreifen Früchte sind essbar, sie schmecken jedoch leicht bitter und sind nicht so reich an Vitamin C.

Paprika-Sorten

Innerhalb der Art Capsicum annuum gibt es vielfältige Sorten in diversen Formen und Farben. Die wohl bekanntesten sind die klassischen Blockpaprika, sie gibt es in rot, gelb, orange oder braun. Unreif können sie auch grün, violett oder schwarz geerntet werden. Sorten sind hier z.B. 'Mavras' (dunkelviolett - später rot), ‘Bontempi’ (grün - später rot), ‘Goldflame’ (grün - später gelb), ‘Neusiedler Ideal’ (grün - später rot), ‘Brownie F1’ (grün - später schokobraun). Spitzpaprika sind, wie der Name schon sagt, spitzer und länger als die gewöhnlichen Blockpaprika. Zu ihnen zählen mild schmeckende Freilandsorten wie ‘Zlata’ (gelb - rot), ‘Toscana’ (grün - rot), ‘Feher’ (gelb, weiß - orangerot) oder ‘Roter Augsburger’ (grün - orange - rot). Unter ihnen gibt es auch ein paar Sorten mit leichter Schärfe, z.B. der ‘Leutschauer Schotenpfeffer’ (grün - rot).

Darüber hinaus gibt es weitere Gruppierungen, die sich vor allem im Wuchs und der Verwendung unterscheiden. Bei dieser großen Vielfalt lohnt es sich für wahre Paprikaliebhaber:innen sich über diesen Artikel hinaus mit den verschiedenen Gruppierungen und Sorten vertraut zu machen. Zu ihnen gehören Hornpaprika, Bratpaprika, Tomatenpaprika, Snackpaprika, Kirschpaprika, von den scharfen Vertretern ganz zu schweigen. Aus samenfesten Sorten können einige Samen für die Aussaat im nächsten Jahr getrocknet werden.

Reifende Paprikafrüchte ergeben ein herrliches Farbenspiel. Bild von Couleur auf Pixabay 

Der richtige Standort

Paprikapflanzen sind extrem wärmebedürftig und wachsen am besten bei Temperaturen zwischen 25 bis 28 °C. An einem warmen, geschützten Standort (z.B. vor einer Südwand) können sie in einem sonnenreichen Sommer auch im Freiland wachsen. Meist genügen ihnen die moderaten Temperaturen in unseren Breiten allerdings nicht. Um Enttäuschungen vorzubeugen, ist der Anbau im Gewächshaus zu empfehlen. Hier ist darauf zu achten, das Gewächshaus bei Temperaturen über 28 °C regelmäßig zu lüften, um Überhitzung zu vermeiden. In ihren Ansprüchen gleicht die Paprika der Tomate, sie mag es lediglich etwas wärmer.

Mischkultur, Fruchtfolge & Fruchtwechsel

Mischkultur: Als gute Nachbarn gelten Kohlarten, Karotten, Tomaten, Borretsch, Basilikum, Lavendel, Tagetes, Ringelblume, Thymian, Dill, Bohnenkraut, Petersilie, Knoblauch, Zwiebeln und Salat. Schlechte Nachbarn sind hingegen Auberginen, Erbsen, Fenchel, Rote Bete, Kartoffeln und Sellerie.

Fruchtfolge: Als Vorkultur eignen sich schnellwachsende Kulturen, die ein wenig Kälte aushalten (z.B. Salate und Radieschen). Im Herbst, wenn es deinen Paprikapflanzen zu kalt wird, kannst du Spinat oder Gründüngung (z.B. Senf und Kleegras) als Nachkultur säen.

Fruchtwechsel: Bei Paprikapflanzen solltest du eine Anbaupause von 3-4 Jahren auf demselben Beet einhalten. Diese Pause empfiehlt sich auch für andere Nachtschattengewächse. Stehen nur vereinzelte Paprikapflanzen im Beet, kann je nach Gesundheitszustand der Pflanzen auch eine kürzere Pause gewählt werden.

Bohnenkraut ist ein guter Nachbar für deine Paprikapflanzen, es hält durch seinen Geruch Läuse fern. Bild von Alejandro Piñero Amerio auf Pixabay 

Paprika säen

Da die Vegetationsperiode in unseren Breiten sehr begrenzt ist, sollten Paprika ab März vorgezogen werden. Die Anzucht sollte stets an einem hellen Ort passieren, da die Keimlinge sonst auf der Suche nach Licht lange, dünne Triebe bilden und vergeilen. Verwende beim Vorziehen von Paprikapflanzen spezielle Anzuchterde. Sie ist nährstoffarmer als normale Blumenerde und regt so das Wurzelwachstum der kleinen Pflanzen an. Streue die Samen gleichmäßig in einer Aussaatschale aus und bedecke sie dünn mit Erde. Noch besser geeignet sind Multitopfplatten, bei denen pro Töpfchen nur ein Same gelegt wird. Die Samen werden i.d.R. doppelt so dick mit Erde bedeckt, wie sie groß sind. Manche Sorten sind reine Lichtkeimer, sie sollten nicht mit Erde bedeckt werden. Achte hierfür auf die Infos auf der Saatgutverpackung. Anschließend kannst du die Erde leicht andrücken und sie ordentlich befeuchten. Paprikasamen keimen am besten bei einer Temperatur von ca. 25 °C, es lohnt sich also die Anzuchtschale mit einer durchsichtigen Haube zu bedecken (z.B. Plastikschalen von Möhren, Pilzen, etc.). Nach vier Wochen kannst du die kleinen Keimlinge in Einzeltöpfe pikieren, damit die Wurzeln nicht miteinander verwachsen. Beim Pikieren kannst du dann sehen, ob die Wurzeln sich schon ordentlichen entwickelt haben. Falls nicht, lasse die Jungpflanzen lieber noch etwas in der nährstoffarmen Erde wachsen und pflanze sie erst später in gedüngte Blumenerde. Falls du die Setzlinge in den Boden pflanzen willst, tue das erst, wenn die Pflanzen etwa handhoch gewachsen sind und schön kräftig aussehen.

Die Paprika-Keimlinge müssen rechtzeitig vereinzelt werden, damit die Wurzeln nicht zusammenwachsen.

Paprika pflanzen

Vorgezogene Paprika können ab Ende April in ein unbeheiztes Gewächshaus oder nach den Eisheiligen Mitte Mai ins Freiland gepflanzt werden. Achte bei der Freilandpflanzung auf einen möglichst sonnigen, geschützten Standort (siehe "Der richtige Standort"). Die Erde sollte schön locker und humusreich sein. Bereite den Boden mit ordentlich Kompost und Hornmehl vor. Hier findest du mehr Infos zum ökologisch-organischen Düngen. In der Reihe sollten die Pflanzen 40-50 cm Abstand haben, zwischen den Reihen 60 cm. Mulchen hilft dabei, den Boden gleichmäßig feucht zu halten. Beim Paprikaanbau im Freiland hat es sich bewährt, den Boden zuvor mit schwarzer Mulchfolie zu bedecken und die Setzlinge in kleine Schlitze zu pflanzen. Die dunkle Folie erhält nicht nur die Feuchtigkeit im Boden, sondern sorgt zusätzlich für eine schnellere Erwärmung. Diese Maßnahme kann helfen, den Temperaturansprüchen der Paprikapflanze gerecht zu werden. Falls du keinen Garten, geschweige denn ein Gewächshaus hast, ist das auch kein Problem! Auf der Terrasse oder dem Balkon kannst du Paprika ebenfalls kultivieren. Wähle hierbei möglichst große Pflanzenkübel und verwende handelsübliche Gemüseerde.

Paprika düngen & pflegen

Paprika wachsen langsamer als Tomaten und bleiben auch deutlich kleiner. Trotzdem lohnt es sich, die Pflanzen schon früh mit einem Bambusstab zu stabilisieren, damit sie auch bei starkem Wind nicht umknicken. Speziell bei der Fruchtbildung können die Pflanzen die zusätzliche Stabilität gut gebrauchen, da die Früchte ziemlich groß werden können. Gieße deine Paprika alle 14 Tage mit etwas verdünnter Brennnesseljauche oder einem anderen organischen Flüssigdünger. Der Kompost und das Hornmehl sorgen für eine gute und langfristige Düngewirkung. Paprikapflanzen haben einen sehr hohen Wasserbedarf, achte also auf eine ausreichende Wasserversorgung. Im Hochsommer kann es sogar notwendig sein, die Pflanzen täglich zu gießen. Das Mulchen mit Rasenschnitt reduziert die Verdunstung und hält den Boden gleichmäßig feucht. Bei großfrüchtigen Sorten solltest du die sogenannte Königsblüte ausbrechen, sie kostet die Pflanze sehr viel Energie. Die Königsblüte entsteht in der Gabelung zwischen Haupttrieb und dem ersten Seitentrieb. Das Entfernen regt das Blatt- und Triebwachstum der Pflanze an und sorgt für einen höheren Fruchtertrag.

Paprika sind Mittelzehrer und wachsen gerne auf einem dunklen, humusreichen Boden.

Krankheiten & Schädlinge

Bei zu kühlen Temperaturen können sich Blattläuse an den Pflanzen zu schaffen machen. Achte zur Vorbeugung auf einen luftigen Stand, genügend Licht und dünge deine Pflanzen nicht zu stark - Überdüngung macht die Paprika anfälliger für Schädlinge. Bei einem Befall können die Blätter zunächst mit Wasser abgespült werden, bei hartnäckigeren Läusen kann das Sprühen mit Neemöl helfen. Beim Anbau im Gewächshaus können sich weiße Fliegen oder Grauschimmel einnisten. Verwende handelsübliche Gelbtafeln gegen die weiße Fliege. Schimmel und andere Pilzerkrankungen lassen sich effektiv durch regelmäßiges Lüften vorbeugen.

Paprika ernten & lagern

Unter günstigen Bedingungen im Gewächshaus können bereits ab Mitte Juli die ersten halbreifen, grünen Paprika geerntet werden. Bei guter Lichteinstrahlung schaffen es die ersten Früchte bis zum Ende des Monats sich vollständig auszufärben. Beim Anbau im Freiland bzw. im Topf verzögert sich die Ernte i.d.R. um ca. drei bis vier Wochen. Die Erntezeit im Gewächshaus endet je nach Sonnenstunden und Temperatur zwischen Oktober und Anfang November. Bei Temperaturen unter 17 °C können die Früchte kaum noch wachsen. Schneide die Früchte bei der Ernte am besten mit einer Schere oder einem scharfen Messer ab, um die Pflanze nicht zu beschädigen. Frische Paprika halten sich bei guter Lagerung für ca. zwei Wochen, Chilis lassen sich auch gut trocknen. Alternativ dazu kannst du sie roh oder geröstet in Essig oder Öl einlegen. Tipps zum Haltbarmachen findest du hier.

Chilis und Knoblauch lassen sich zum Trocknen zu dekorativen Zöpfen binden. Bild von Free-Photos auf Pixabay 

Chili- & Paprikapflanze überwintern

Grundsätzlich sind alle Paprikasorten mehrjährig, da sie in ihrer Heimat nicht von einem kalten Winter heimgesucht werden. In unseren Breiten werden sie jedoch meist einjährig kultiviert. Für die Überwinterung eignet sich ein beheiztes Gewächshaus, Treppenhaus, Wintergarten oder Wohnräume unter 20 °C. Für Chilipflanzen ist die Überwinterung meist lohnenswerter, als für Paprika.

Welche Sorten eignen sich?

  • Seltene oder gekreuzte Sorten: Das Saatgut verändert sich, sodass eine andere Pflanze aus dem Samen heranwachsen würde.
  • Wildsorten (z.B. Chiltepin, Ulupica, Rocoto)
  • Für schnellwachsende Sorten (z.B. Serrano, Jalapeno, Inferno) lohnt sich die Überwinterung nicht, hier ist die Samengewinnung und Aussaat im Frühjahr effizienter.

Hauptprobleme bei der Überwinterung

  • zu niedrige Temperatur
  • zu dunkel
  • zu feuchte Erde (kann zu Schimmel- oder Trauermückenbefall führen)
  • Schädlinge (z.B. Blattläuse oder weiße Fliege), hier kann Neemöl helfen

So geht's:

  • Ernte alle verbleibenden Früchte ab. Diese kannst du frisch verzehren, trocknen, einlegen oder zu Dips verarbeiten. Entferne außerdem alle vertrockneten Blätter und Triebe.
  • Kürze lange Triebe, sodass die Form etwas kompakter wird und die Pflanze keine weitere Energie ins Triebwachstum steckt. Auch bei einem radikalen Rückschnitt solltest du über der Verzweigung mindestens zwei Knoten belassen. Stark beschnittene Pflanzen mit wenigen Blättern eignen sich besser für eine kalte Überwinterung um die 10 °C. Gieße im Winter nur sparsam und überprüfe deine Pflanzen regelmäßig auf Schädlingsbefall.
  • Sobald die Temperaturen wieder dauerhaft über 10-15 °C liegen, kannst du die Chilipflanzen langsam zum Leben erwecken. Pflanze sie dabei in einen etwas größeren Topf und gib ihnen frische Erde. Ab jetzt kannst du auch wieder mit einer regelmäßigen Düngung beginnen. Es empfiehlt sich jedoch mit geringen Düngegaben zu beginnen und diese schrittweise zu erhöhen.

Bei einer üppigen Chili-Ernte kannst du feurig-scharfe Chilipaste selber machen.

Ich hoffe, du hast nun alle Infos, um deine eigenen Paprikas und Chilis anzubauen. Bei Fragen und Anmerkungen schreibe uns gerne an magazin@alphabeet.org. Du willst das ganze Jahr über hilfreiche Gartentipps bekommen und deine eigenen Beete optimal planen? Dann registriere dich hier oder lade dir die alphabeet-App für Android oder iOS herunter.

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Titelbild von Jill Wellington auf Pixabay 

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