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Annabell

Annabell (22) studiert Agrarbiologie an der Uni Hohenheim. Auch privat gärtnert sie gerne, verbringt viel Zeit in der Natur und liebt es kreativ zu sein.

Ohne zusätzlichen Dünger würden viele Kulturpflanzen eher schlecht als recht wachsen. Doch die Volksweisheit "viel hilft viel" trifft hier nur bedingt zu. Einerseits schadet ein Zuviel an Dünger deinen Kulturpflanzen, doch noch viel wichtiger: Ein unbedachter Umgang mit Dünger schadet der Biodiversität, der Grundwasserqualität und dem Klima. Worauf du achten solltest, wenn du deine Gemüsebeete düngst, erfährst du in diesem Artikel.

Auf einen Blick:

Ökologisch düngen, so einfach geht's:

  • Mineraldünger vermeiden, stattdessen organisch düngen
  • Langzeitdünger wie Kompost, Mist oder Hornspäne verwenden
  • Nährstoffkreisläufe kurz halten: Dünger möglichst selbst herstellen
  • Nicht zu viel düngen

Was ist mineralischer Dünger?

Pflanzen brauchen bestimmte chemische Elemente, um wachsen zu können. Diese können sie nur in bestimmten Formen aufnehmen. In mineralischen Düngern sind die Nährelemente in genau der Form enthalten, in der Pflanzen sie aufnehmen können. Das sorgt dafür, dass mineralische Düngung meistens sofort anschlägt und Pflanzen, die an Nährstoffmangel leiden, sich schnell wieder erholen können. Dieser Vorteil des mineralischen Düngers ist jedoch gleichzeitig auch sein größter Nachteil. Pflanzen können die Nährstoffe so gut aufnehmen, weil sie im Boden sehr gut beweglich sind. Sie lösen sich gut in Wasser und sind nicht an Bodenpartikel gebunden. Das sorgt jedoch nicht nur dafür, dass sie von Pflanzen leicht aufgenommen werden können, sie sind auch sehr auswaschungsgefährdet. Außerdem haben sie aufgrund ihrer hohen Mobilität nur eine sehr kurzfristige Düngewirkung. Ein weiteres Manko mineralischer Dünger ist ihr Herstellungsprozess. Die drei großen Pflanzennährstoffe Stickstoff, Phosphor und Kalium, sowie viele Mikronährstoffe werden auf sehr energieintensive Weise gewonnen - entweder aus der Atmosphäre oder in Bergwerken. Diese Herstellungsprozesse sind alles andere als umweltfreundlich. Wer also aus Umweltbewusstsein heraus gärtnert, sollte wenn möglich ganz auf Mineraldünger verzichten. Denn es gibt genügend natürliche Alternativen.

Der Abbau von mineralischen Nährstoffen für Dünger ist nicht sehr ökologisch. Foto: Jason Parker-Burlingham [CC BY 2.0]

Was ist organischer Dünger?

Organische Dünger bestehen, wie ihr Name schon sagt, aus organischem Material. Organisches Material ist alles, was vorher einmal gelebt hat. Die Nährelemente sind also teilweise in komplexeren Verbindungen festgesetzt und werden so mit der Zeit freigesetzt, wenn der Dünger im Boden von Mikroorganismen verarbeitet wird. Dadurch erhalten viele organische Dünger eine langfristige Düngewirkung. Je nach Ausgangsmaterial entspricht die Zusammensetzung des Düngers außerdem nicht nur den Bedürfnissen der Pflanzen, sondern stellt gleichzeitig eine Nahrungsquelle für Bodenorganismen dar. In einem ökologisch gepflegten Garten ernährst du in erster Linie das Bodenleben und dieses ernährt wiederum deine Pflanzen. Ein weiterer Vorteil organischer Düngemittel ist, dass du sie oft selbst herstellen kannst - ob Kompost, Pflanzenjauche oder Gründüngung: Sobald dir ein Garten zur Verfügung steht, hast du im Normalfall alles was du brauchst, um diese Formen organischen Düngers selbst herzustellen.

Organische Dünger wie z.B. reifer Kompost dienen auch dem Bodenleben als Nahrung. Foto: Manfred Antranias Zimmer auf Pixabay

Was sind die Gefahren von zu viel oder dem falschen Dünger?

Wachstumshemmung

Viel hilft viel. Intuitiv gehen wir oft davon aus, dass viel Dünger den Pflanzen auch hilft besser zu wachsen. Während es richtig ist, dass einige Pflanzen sehr hungrig sind, trifft auch ein anderer Spruch zu: Die Dosis macht das Gift. Denn mit zu viel Dünger kann auch der hungrigste Starkzehrer (z.B. Kohl, Kürbis) eingehen. Schwachzehrer (z.B. Salat, Buschbohne) mit ohnehin schon niedrigem Nährstoffbedarf reagieren auf Überdüngung besonders empfindlich. Sie werden dadurch anfälliger für Krankheiten und Schädlinge. Überlege dir beim Düngen also immer welche Pflanze du gerade vor dir hast und wie viele Nährstoffe sie überhaupt braucht.

Kontamination von Grundwasser

Vor allem mit flüssigen und mineralischen Düngern solltest du sparsam umgehen. Die hier enthaltenen Nährstoffe sind im Boden besonders mobil. Wenn zu viel gedüngt wird und es dazu vermehrt regnet, landet der Dünger gerne mal im Grundwasser, statt in den Pflanzen. Dann hat sich erstens das Düngen überhaupt nicht gelohnt und zweitens ist zu viel Nitrat oder Phosphat im Grundwasser gefährlich für die Trinkwasserqualität vieler Quellen. Außerdem kann es durch Eutrophierung ( = Nährstoffanreicherung) von Gewässern zur Abnahme der Artenvielfalt kommen.

Stickoxid-Emissionen

Eine Gefahr für das Klima geht besonders von Stickstoff in Düngemitteln aus. Wird zu viel Stickstoff gedüngt, kann es passieren, dass dieser im Boden mikrobiell über mehrere Zwischenstufen zu Lachgas (N2O) umgewandelt wird. Das ist ein Treibhausgas, das etwa 300 mal potenter ist als CO2. Wenn du für den Anbau deines eigenen Gemüses also zu viel Stickstoffdünger verwendest, wirst du unter Umständen vom Klimahelden zum Klimasünder.

Die Eutrophierung von Gewässern führt zur Verschlechterung der Wasserqualität zum Verlust von Arten. Foto: Timothy Meinberg auf Unsplash

Welchen Dünger sollte ich verwenden?

Dünge am besten mit organischem Material, Mineraldünger solltest du auf jeden Fall vermeiden. Organisches Material ist alles, was mal gelebt hat. Dazu gehören Klassiker wie Kompost und Mist, aber auch Hornspäne, Schafswolle, Knochen- oder Blutmehl. Aus Gründen der Nachhaltigkeit sind pflanzenbasierte Materialien i.d.R. vorzuziehen. Da Hornspäne und Knochenmehl jedoch sowieso Abfallprodukte der Fleischindustrie sind, ist es sinnvoll sie zurück in den Nährstoffkreislauf zu führen und so ihren Wert zu nutzen.

Aus ökologischer Sicht ist es zudem sinnvoll, Nährstoffkreisläufe so kurz wie möglich zu halten. Kaufe also so wenig wie möglich zu, sondern stelle möglichst viel Dünger selbst her. Die Nährstoffe, die in gekauftem Dünger enthalten sind, wurden an anderer Stelle einem Ökosystem entnommen und müssen dort auch wieder durch Dünger ersetzt werden. Außerdem braucht der Transport Energie, die gespart werden kann, wenn Dünger am Ort des Verbrauches selbst produziert wird. Der bekannteste Dünger zum Selbermachen ist wohl der Kompost. Dabei wird totes Pflanzenmaterial aufgeschichtet und von Würmern, Insekten und Mikroorganismen verarbeitet. Nach ungefähr einem Jahr ist das Pflanzengewebe soweit zersetzt, dass daraus wieder Humus entstanden ist. Kompost hat eher eine langfristig düngende Wirkung und sollte daher, zum Beispiel im Rahmen einer viergliedrigen Fruchtfolge, einmal pro Saison ausgebracht und in den Boden eingearbeitet werden. Andere organische Langzeitdünger sind z.B. Stallmist von Pferden, Schafen, Hühnern und Kühen oder Hornspäne und Schafswolle. Großzügiges Mulchen im Garten bietet den Mikroorganismen ebenfalls Nahrung und trägt daher zur Bodenverbesserung bei. Für Zwischendüngungen während der Saison, bei hungrigen Starkzehrern oder bei starkem Nährstoffmangel der Pflanzen eignen sich auch organische Flüssigdünger wie Pflanzenjauchen oder Komposttee. Verwende flüssige Dünger allerdings eher sparsam, damit sie nicht ins Grundwasser ausgewaschen werden.

Reichhaltiger Kompost gehört zu den besten organischen Düngern, er wird einmal im Jahr in den Boden eingearbeitet.

Wir hoffen, du hast nun einen guten Überblick über das Thema Düngen und weißt, welche Mittelchen du lieber weg lassen solltest. Bei Fragen und Anmerkungen schreibe uns gerne an magazin@alphabeet.org.

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