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Obstgehölze pflanzen leicht gemacht

05.11.2020 . Lesezeit: 13 Minuten

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Isabell

Isabell (24) studiert Agrarbiologie und liebt es von der Natur und ihrer Komplexität immer wieder auf's Neue überrascht zu werden. Kräuter - egal ob wild gesammelt oder im Garten - sind ihre Leidenschaft.

Der Herbst ist die beste Zeit, um winterharte Obstgehölze wie Apfel, Birne, Pflaume oder Kirsche zu pflanzen. Über die kalte Jahreszeit haben die Bäume genügend Zeit, Wurzeln auszubilden. Je nachdem wie gut das klappt, treiben die Gehölze im Frühjahr dann schon aus, sodass sie am Ende des ersten Jahres viel kräftiger aussehen, als im Frühjahr gepflanzte Artgenossen. Wie du bei der Pflanzung von Obstgehölzen im Spätjahr vorgehen solltest und was es zu beachten gibt, erfährst du in diesem Artikel.

Auf einen Blick:

Obstgehölze für Pflanzung im Herbst:

Apfel, Birne, Mirabelle, Zwetschge/Pflaume, Kirsche

Gehölze für Pflanzung im Frühling:

Nektarine, Pfirsich, Aprikose, Walnuss

So gehst du vor:

- Hebe ein Pflanzloch aus (ca. 1.5 mal so tief/breit wie Wurzel(-ballen)

- Wurzelnackte Bäume: Platziere den Baum auf einem von dir erstellten Hügel im Pflanzloch, sodass die Wurzeln wie Haare seitlich herunterhängen

- Topfballen: Breche die Wurzeln seitlich vorsichtig auf und stelle den Wurzelballen in dein Pflanzloch

- ACHTUNG: Die Veredelungsstelle sollte nicht mit eingepflanzt werden!

- Gebe Kompost, Humus oder Pflanzerde beim Verschließen mit ins Pflanzloch

- Gesteinsmehl sorgt für eine gröbere Struktur und langfristige Nährsalzfreisetzung

- Trete den Boden um den Baum an

- Verteile etwas Mulch um die Pflanzstelle um Beikräuter zu unterdrücken

Die beste Pflanzzeit für Obstgehölze

Noch bis Ende November lassen sich diverse Obstgehölze pflanzen. Da es so kalt ist, stecken die Bäume und Sträucher kaum noch Energie in ihren oberirdischen Anteil, also Triebe oder Blätter. Vielmehr liegt ihr Fokus auf der Ausbildung von kräftigen Wurzeln unter der Erde. Daher kann der Baum über den Winter erst einmal anwachsen und dann im Frühjahr leichter austreiben.

Welche Sorten eignen sich für die Winterpflanzung?

Im Handel gibt es zum einen wurzelnackte Obstbäume, die so heißen, weil die Wurzeln ohne Erde angeboten werden. Diese "nackten" Wurzeln sind preiswerter und leichter zu transportieren, jedoch viel empfindlicher. Um nicht abzusterben, sollten sie vor Austrocknung durch Sonne oder Wind geschützt werden.

Gehölze in Topfballen wurden in (Kunststoff-)Behältern kultiviert. Ihre Wurzeln sind durch die umliegende Erde geschützt, wodurch sie besser anwachsen. Allerdings sollte darauf geachtet werden, dass die Gehölze nicht schon zu lange im Behälter gewachsen sind. Ist dies der Fall, haben die Wurzeln irgendwann Platzmangel und beginnen, sich um sich selbst zu wickeln. Dadurch wird das Anwachsen erschwert und im schlimmsten Fall "schnüren" sich die Wurzeln selbst ab. Dann wächst der Baum viel schlechter oder stirbt sogar. Mehr dazu im Kapitel Pflanzung.

Nicht nur Äpfel und Birnen, sondern auch Zwetschgen, Pflaumen, Kirschen oder Mirabellen können im Herbst gepflanzt werden.

Egal ob in Topfballen oder wurzelnacktes Gehölz, es gibt zwei Jahreszeiten zu denen bestimmte Gehölze gepflanzt werden sollten: Herbst oder Frühling. Winterfeste Obstsorten eigenen sich am besten für Herbstpflanzungen. Dazu gehören:

  • Apfel
  • Birne
  • Mirabelle
  • Zwetschge/Pflaume
  • Süß- oder Sauerkirsche

Empfindlichere Gehölze sollten lieber im Frühling gepflanzt werden. Dazu gehören:

  • Nektarine
  • Pfirsich
  • Aprikose
  • Walnuss (zwar kein Obst, dennoch eine lohnenswerte Pflanzung)
Pfirsiche gehören zu den empfindlicheren Gehölzen und sollten daher im Frühjahr gepflanzt werden.

Pflanzung des Obstgehölzes

Damit dein Baum kräftig gedeiht, hier alles Wichtige. Du benötigst:

  • Humus, Kompost oder Pflanzerde
  • Gesteinsmehl oder feiner Sand (für lockere Körnung und Mineralienfreisetzung durch Mikroorgasnismen)
  • deinen Baum
  • Spaten

Das Pflanzloch sollte ca. anderthalb mal so tief wie die Wurzel/der Wurzelballen des Baumes sein. Dasselbe gilt für die Breite des Loches. Als Orientierungshilfe kannst du eine Breite von ca. 50-70 cm einplanen. Beachte jedoch, dass der Baum nicht tiefer gepflanzt werden sollte, als er in der Baumschule gestanden hat. Auch die Veredelungsstelle sollte nicht mit eingepflanzt werden, sondern aus dem Pflanzloch herausragen. Der untere Teil eines veredelten Baumen (Unterlage), besteht bei den meisten Kulturbäumen aus einer schwachwüchsigen Sorte. Diese sorgt dafür, dass der Baum im Garten nicht zu groß und dadurch schwer erreichbar wird. Pflanzt du den Baum bis über die Veredelungsstelle ein, können sich Wurzeln aus dem starkwüchsigen oberen Teil (Auflage) bilden. Dann kann es passieren, dass der Baum schnell nach oben wächst und sehr groß wird.

Achte darauf, das Pflanzloch groß genug auszuheben. Es sollte ca. anderthalb mal so tief wie der Wurzelballen sein.

Die Wurzeln des Bäumchens bilden meist eine Art "Frisur". Die Wurzelarme treiben eher seitlich aus und sollten daher auch seitlich platziert werden. Damit das einfacher funktioniert, bilde im Pflanzloch einen kleinen Haufen mit der ausgehobenen Erde und klopfe ihn fest. Auf diesem Hügelchen kannst du nun deinen Baum platzieren, sodass seine Wurzeln wie lange Haare von einem Kopf herunterhängen. So wachsen die Wurzeln leicht nach unten und kommen sich nicht so schnell in die Quere. Gebe nun etwas Gesteinsmehl auf die Wurzeln und das restliche Pflanzloch. Meist reichen dafür 2 große Handvoll (es kommt natürlich auf die Größe des Baumes/Pflanzloches an). Gebe anschließend eine großzügige Schicht Humus, Kompost oder Pflanzerde auf die Wurzeln. Aus dieser Schicht werden kontinuierlich wichtige Nährstoffe für den jungen Baum freigesetzt. Fülle das Pflanzloch danach mit der restlichen ausgehobenen Erde auf und trete sie fest, sodass der Baum stabil im Boden steht. Es ist nicht schlimm, wenn ein kleiner Hügel um den Baum herum entsteht, da du ja mehr Masse ins Pflanzloch hinzugegeben hast. Dieser Hügel liefert dem Baum mehr Stabilität. Zusätzlich kannst du einen sogenannten Gießwall errichten, denn du hast ja sowieso noch Erde übrig zum Anhäufeln. Dieser kleine, ca. 5 cm hohe Erdwall kann um die Pflanze herum gebaut werden, sodass das Gießwasser nicht verloren geht.

Gebe großzügig Kompost in das Pflanzloch deines Baumes, um ihn mit Nährstoffen zu versorgen.

Tipp: Um den Baum senkrecht hinzustellen, hole dir am besten eine zweite Person zum Festhalten hinzu.

Bei Topfballen kannst du ähnlich vorgehen, wenn du die Wurzeln vor der Pflanzung freilegst. Das solltest du vor allem tun, wenn der Baum schon lange in dem Gefäß gewachsen ist (aus oben genannten Gründen). Falls die Wurzeln allerdings noch ausreichend Platz im Topf hatten, kannst du den Ballen auch direkt ins Pflanzloch setzen. Breche den Ballen dann lediglich seitlich etwas auf, sodass die Wurzeln einfacher in den neuen Boden dringen können. Gebe um den Ballen etwas Gesteinsmehl. Fülle das Loch mit etwas Humus, Kompost oder Pflanzerde, sowie dem Bodenaushub auf und trete die Erde um den Baum an.

Die meisten Jungbäume werden in Topfballen-Containern verkauft. Dadurch sind ihre Wurzeln geschützter.

Verteile zusätzlich noch etwas (Rinden-)Mulch um den gepflanzten Baum. Dann wachsen dort vorerst keine unerwünschten Beikräuter, die dem Bäumchen später wichtige Nährstoffe rauben oder wachstumshemmende Stoffe absondern könnten. Auch Karton eignet sich gut für die Beikräuterunterdrückung.

Falls du ein Wühlmausproblem in deinem Garten hast, empfiehlt es sich, ein Kiesbecken um das Pflanzloch zu errichten. Diese Kiesschicht hindert die Wühlmäuse daran, sich über die frischen Baumwurzeln herzumachen. Der Kies ist grob genug, dass die Nager diese Schicht und alles sich darin Befindliche meiden. Die Wurzeln des Baumes können, wenn sie kräftig genug sind, die Kiesschicht durchstoßen. Fülle hierzu Kies auf den Boden des Pflanzlochs. Diese Schicht kann ca. 5-10 cm dick sein. Auch seitlich solltest du eine Kiesschicht anlegen. Stelle hierfür einen Karton 5-10 cm vom Rand des Lochs entfernt auf und fülle den Hohlraum zwischen Karton und Erdwand mit Kies auf. Dadurch umgibt der schützende Kies das Bäumchen. Für den Innenraum des Pflanzlochs gehst du wie bereits erklärt vor. Der Karton verrottet dann mit der Zeit und stört nicht weiter.

Falls dein Bäumchen an einem ungeschützten, windigen Ort steht, kannst du es zusätzlich mit einem Pfahl stabilisieren. Dieser sollte in direkter Nähe zum Baum entgegen der Hauptwindrichtung platziert sein. Um keine Wurzeln zu verletzen, kannst du den Pfahl schon direkt beim Wiederbefüllen des Pflanzlochs platzieren und dann festtreten. Binde den Baum am oberen Viertel des Stammes mit einer stabilen Schnur am Pfahl fest. Achte darauf, dass die Spannung zwischen Schnur und Baum nicht zu groß ist. Sonst wächst sie in die Rinde des Baumes eins.

Wenn du dein Pflanzloch mit Kies umgibst, kannst du dadurch Wühlmäuse von dem jungen Baum fernhalten.

Erstes Jahr: Erschaffung eines Waldgartens

Deinen Baum kannst du nicht nur solitär an einem Ort pflanzen, sondern auch weitere Pflanzungen an und um diesen Baum integrieren. Das Ganze baut auf den Grundprinzipien von Permakultur und Mischkultur auf und wird auch Waldgarten genannt. Im Frühling nach deiner Baumpflanzung kannst du damit beginnen.

Diverse Stangenbohnenarten können den Baum als Rankhilfe nutzen und an dem frisch gepflanzten Partner hochwachsen. Diese Bohnen versorgen den jungen Baum mit wichtigem Stickstoff, denn als Leguminosen können Bohnen den Pflanzennährstoff aus der Luft fixieren. Doch diese Partnerschaft bringt noch weitere Vorteile mit sich. Wenn die Bohnen die unteren Äste des Baumes beranken, werden diese automatisch etwas Richtung Boden gezogen. Dadurch wächst der Baum nicht zu steil nach oben und kann später besser bearbeitet und beerntet werden. Weiterhin tragen vor allem die flachwachsenden Äste Früchte, weshalb das Beschweren durch die Bohnen einen weiteren Vorteil mit sich bringt. Zudem kann ein mit Bohnen berankter Baum sehr ästhetisch wirken, vor allem wenn im Frühling noch keine Blätter am Baum gewachsen sind. Bunte Blüten wie beispielsweise von der Feuerbohne können dabei schon früh im Jahr für schöne Farbakzente sorgen.

Stangenbohnen können an dem Baum hochklettern und versorgen ihn zusätzlich mit Stickstoff.

Auch Kartoffeln lassen sich prima um den Baum herum anpflanzen. Sie entziehen dem Boden überschüssigen Stickstoff, welcher durch zu scharfen Kompost in den Boden eingebracht werden kann. Zu viel Stickstoff kann zu "mastigem" Wachstum des Baumes führen. Dieser bildet dann schnell größere Zellen als unter normalen Bedingungen. Dadurch ist der Baum weniger stabil und es kann schneller zu Krankheitsbefall kommen. Für diese Pflanzung verwendest du am einfachsten einen Pflanzstab, mit dem du Löcher rund um den Gießring des Baumes bohrst. In diese Löcher kannst du anschließend deine Kartoffeln setzen. Haben deine Kartoffeln einmal ihr Kraut ausgebildet, schützt dieses durch Beschattung zusätzlich vor Beikräutern und Austrockung.

Ähnliche Vorteile wie Kartoffeln bringen Kürbisse mit sich. Diese kannst du innerhalb des Gießrings säen. Leite später die Triebe der Kürbispflanze vom Baum weg. Die großen Blätter des Kürbisgewächses schützen auch hier durch Beschattung. Als Starkzehrer entziehen auch Kürbisse überschüssigen Stickstoff aus dem Boden.

Alle drei Pflanzpartner lassen sich auch ohne Probleme in Kombination um den Baum pflanzen. Die Ausläufer der Kürbisse müssen lediglich zwischen den Kartoffeln nach außen geleitet werden.

Kürbisse beschatten den Boden rund um den Baum und unterdrücken dadurch Beikräuter.

Zweites Jahr

Im zweiten Jahr nach der Pflanzung kannst du bereits andere Kulturen in deinem Waldgarten anbauen. Beachte dabei, dass dein Baum gewachsen ist und du den Gießring vermutlich etwas vergrößern kannst. Wenn dir das Prinzip der Mischkultur von Kartoffeln, Kürbis und Bohnen gefallen hat, kannst du auch im zweiten Jahr noch einmal so vorgehen. Allerdings nur, wenn du auch ausreichen Kompost bei der Pflanzung zugegeben hast. Weiterhin kannst du auch andere, mehrjährige Pflanzen um deinen Baum etablieren.

Auf der sonnigen Seite (Südseite) deines Baumes verwendest du dafür lichtliebende Pflanzen. Mediterrane Kräuter wie Rosmarin, Thymian oder Lavendel sind dafür bestens geeignet. Aber auch Gemüse wie Tomaten oder Paprika lieben die Sonne. Ringelblumen und Tagetes fördern zudem die Bodengesundheit. Wenn du Zwiebeln oder Lauch pflanzt, wird zusätzlich durch in den Boden abgegebene Stoffe der Graswuchs gehemmt.

Auch die Schattenseite (Nordseite) des Baumes lässt sich bepflanzen. Verwende hierfür Pflanzen, welche sich sowieso lieber im Schatten aufhalten. Walderdbeeren, Spinat, Waldmeister oder Bärlauch kommen bestens mit schattigen Bedingungen zurecht.

Bärlauch kommt mit wenig Licht zurecht und kann auf der Schattenseite des Baumes angepflanzt werden.

Folgejahre

In den darauffolgenden Jahren kannst du weiter an deinem Waldgarten arbeiten. Nun ist der Baum stark genug, dass er auch mit tiefwurzelnden Pflanzen in seiner Umgebung zurecht kommt. Hinter dem Gießring kannst du Beinwell etablieren. Dieser kann bis zu 5 m tiefe Wurzeln entwickeln, welche Nährstoffe aus tieferen Schichten an die Oberfläche bringen. Diese Nährsalze werden in den ausladenden Blättern der Pflanze gespeichert. Daher lässt sich aus Beinwell hervorragende Jauche herstellen, mit der du deinen Baum oder dein Gemüsebeet düngen kannst. Zudem eignen sich die Blätter auch als Mulchmaterial. Bohnen, Klee oder andere Fabaceaen kannst du als Gründünger rund um den Baum einbringen. Probiere weitere Pflanzkombinationen aus, deiner Kreativität sind keine Grenzen gesetzt. Falls wir nun dein Interesse für das Thema Permakulturgarten geweckt haben, kannst du gerne unseren Artikel dazu lesen oder unsere Podcast-Folge dazu anhören.

Ich freue mich, wenn ich dir bei der Pflanzung von Obstgehölzen weiterhelfen konnte. Weiterhin kannst du selbstverständlich Feedback an magazin@alphabeet.org senden. Um keinen Artikel mehr zu verpassen, folge uns auf Instagram und Facebook oder melde dich direkt zu unserem Newsletter an.

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