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Isabell

Isabell (24) studiert Agrarbiologie und liebt es von der Natur und ihrer Komplexität immer wieder auf's Neue überrascht zu werden. Kräuter - egal ob wild gesammelt oder im Garten - sind ihre Leidenschaft.

Mulchen ist das Auftragen einer bodenbedeckenden Schicht auf den Acker oder das Beet. Das kann in Form von totem Pflanzenmaterial (Stroh, Grasschnitt, Holzhäcksel, Rindenmulch,…) oder durch lebendende Pflanzen erfolgen, was dann als Lebendmulch bezeichnet wird. Auch Folien aus Kunststoff können als Mulchmaterial dienen. Alles was du zum Thema Mulchen wissen musst, erfährst du hier.

Auf einen Blick:

Vorteile von Mulch:

  • Erosionsschutz
  • Beikräuterunterdrückung
  • Nährstofflieferant (Humus)
  • Verdunstungsschutz = weniger Wasserverbauch
  • Bodenstrukturverbesserung = lockerer Boden
  • Schutz der Kulturen vor Schimmel oder Verdreckung

Was ist Mulch?

Als Mulch bezeichnet man eine Schicht mit der ein Beet abgedeckt wird. Diese Schicht kann aus organischem Material wie Heu, Grasschnitt, Stroh, Laub oder Holzchips bestehen, aber auch aus Kunststoff. Dieser Folien- oder Gewebemulch findet jedoch hauptsächlich im kommerziellen Gemüsebau Verwendung. Auch Lebendmulch/Untersaat ist möglich, wobei meist niedrig wachsende Pflanzen unter den höher wachsenden gepflanzt werden und dadurch den Boden wie lebende Pflanzenteppiche bedecken. Mulchen wird von vielen kundigen (Permakultur-) Gärtner*innen angewandt, denn es kann viele Vorteile bringen.

Wieso mulchen?

Als nächstes ist es wichtig zu verstehen, welche Funktionen Mulch im Garten übernimmt. Da wäre zum einen der Schutz des Bodens. Zwischen den Reihen oder zwischen Einzelpflanzen mit großem Abstand liegt der Boden oft frei wie eine offene Wunde und ist somit anfällig für Erosion. Durch eine Mulchschicht ist der Boden vor Erosion geschützt, wenn es stark regnet oder windet. Verwendest du organischen Mulch, stellst du gleichzeitig den “Futternachschub” für die Bodenorganismen sicher, die den Mulch nach und nach in Humus umwandeln und somit die Bodenqualität verbessern, den Boden auflockern und Nährstoffe für die Pflanzen verfügbar machen. Viele Bodenorganismen sind außerdem lichtempfindlich und freuen sich über das dunkle und feuchte Milieu, das durch Mulch an der Bodenoberfläche geschaffen wird. Und hier sind wir auch schon beim nächsten Plus für den Mulch: Wenn du dein Beet gut mulchst, musst du deutlich weniger gießen. Mulchen schützt den Boden vor Austrocknung, wenn er Sonne und Wind nicht direkt ausgesetzt ist. Doch reduziertes Gießen ist nicht der einzige Effekt, der dir Arbeit spart. Mulch verhindert auch, dass sich Beikräuter in deinem Beet niederlassen oder aufgehen und deinen Kulturen wichtige Nährstoffe und Licht "klauen". Und wie jeder Gärtner weiß: weniger Beikräuter bedeutet auch weniger Rückenschmerzen. Zu guter Letzt bietet Mulch für bestimmte Pflanzen, z.B. Erdbeeren, ein weiches trockenes Bett, auf dem sie ihre Früchte ablegen können. So sind sie besser vor Schmutz und Schimmel geschützt. Wie du sehen kannst, bietet Mulchen viele Vorteile für uns als Gärtner*innen.

Mulchen bietet viele Vorteile, wie dass Beikräuter unterdrückt werden. Bild von Andreas Göllner auf Pixabay 

Wahl des Mulch-Materials

Der wichtigste Faktor wenn es ums Mulchen geht ist die Wahl des richtigen Materials, denn nicht jedes Material eignet sich gleich gut für die verschiedenen Anwendungen des Mulchs.

Geht es um die Verbesserung der Bodenqualität, solltest du darauf achten, dass das Kohlenstoff-zu-Stickstoff-Verhältnis (C/N-Verhältnis) des Mulchs nicht zu hoch ist. Bei einem hohen C/N-Verhältnis, also wenn der Mulch viel mehr Kohlenstoff als Stickstoff enthält, entziehen die Bodenorganismen dem Boden Stickstoff, wenn sie den Mulch zu Humus umwandeln. Dieser Stickstoff steht deinen Pflanzen dann nicht mehr zu Verfügung. Materialien mit einem hohen C/N-Verhältnis sind zum Beispiel Stroh oder Holz. Diese Materialien sollten auf nährstoffreichen Böden höchstens für eine Saison eingesetzt werden, auf nährstoffarmen Böden solltest du wenn möglich ganz auf ihre Verwendung verzichten. Verwende hier lieber Heu, Laub oder frischen Grasschnitt, die verhältnismäßig mehr Stickstoff enthalten und zur Verbesserung der Bodenqualität beitragen. Vor allem bei feuchter Witterung können diese frischeren Mulch-Materialien allerdings die Gefahr von Pilzkrankheiten, z.B. Schimmel oder Mehltau, erhöhen. Falls du also in Regionen mit hohem Niederschlag lebst oder Gemüse anbaust, das besonders pilzanfällig ist, solltest du lieber auf Stroh zurückgreifen. Eine Anwendung für die sich Stroh auch sehr gut eignet, ist der Schutz von Früchten, die auf der Bodenoberfläche liegen, wie z.B. Erdbeeren oder Kürbisse. Gerade wegen des hohen C/N-Verhältnisses bleibt Stroh als Mulch lange stabil und schafft so eine relativ saubere Oberfläche für deine Früchte.

In jedem Fall solltest du darauf achten, dass dein Mulch keine Samen von Beikräutern enthält. Grasschnitt ist daher nur geeignet, wenn keine blühenden Pflanzen in der Wiese wachsen. Auch ausgerissene Beikräuter sollten nur gemulcht werden, wenn sie keine Samen tragen. Ansonsten ist der unkrautunterdrückende Effekt hinfällig und du wirst für viele Jahre keinen Spaß mehr mit dem Beet haben, auf dem du gerade die Unkrautsamen verteilt hast.

Auch Rindenmulch kann als Mulchschicht unter Sträuchern oder Blütengehölz eingesetzt werden. Bild von Monsterkoi auf Pixabay.

Übersicht zu Mulch-Materialien

Damit du weißt, wann du welche Materialien am besten verwendest und welche Pflanzen Rindenmulch vertragen, hier eine kleine Übersicht:

  • Grasschnitt: Vor dem Blühen der Gräser, für fast alle Beete geeignet. Bringe nur eine dünne Schicht aus, denn sonst kann keine Luft mehr an den Boden gelangen. Im feuchten Frühjahr oder Herbst kann Grasschnitt allerdings die Ausbreitung von Pilzkrankheiten begünstigen.
  • Stroh: Dient hauptsächlich der Unkrautunterdrückung oder als Schutz vor Feuchtigkeit bei Erdbeeren. Stroh als Mulch düngt nicht, sondern verrottet nur sehr langsam und setzt so nur nach und nach Nährstoffe frei. Vor allem auf feuchten Böden kann Stroh eingesetzt werden.
  • Beikräuter: Vor dem Blühen können die Wildkräuter an Ort und Stelle ausgerissen und zerkleinert werden. Die Wurzel sollte frei liegen oder entfernt werden, sodass sie nicht erneut anwachsen kann.
  • Brennnesseln: Oft werden Brennnesseln nur als Beikräuter betrachtet, doch sie können als Jauche zur Düngung oder als Zeigerpflanzen für stickstoffreiche Böden sehr hilfreich sein. Ihre Blätter enthalten viel Stickstoff, weshalb sie als Mulch eingesetzt den Boden mit zusätzlichen Nährstoffen versorgen. Sie eignen sich daher hervorragend als Mulch für nährstoffarme Böden.
  • Beinwellblätter: Sie enthalten viel Kalium, was deinen Gemüsepflanzen als Nährstoff dient. Daher eignet sich dieser Spezialmulch vor allem für Kulturen wie Tomaten, die besonders viel Kalium benötigen.
  • Laub: Kann vor allem unter Bäumen und Sträuchern als Mulchschicht dienen. Auch Erdbeeren lassen sich mit Laub als Mulch kultivieren. Laubblätter säuern den Boden oft leicht an, was für Erdbeeren optimal ist.
  • Rindenmulch/Holzspäne: Eignen sich gut für Blütengehölze oder Beerensträucher. Auf Beeten eher ungeeignet, da das Material sich nur sehr langsam zersetzt und dadurch weniger Nährstoffe freisetzt. Allerdings können aus Rindenmulch und Holzspänen kleine Wege in deinem Beet ausgelegt werden.
  • Karton/Pappe: Kann in fast allen Beeten eingesetzt werden. Achte darauf, dass die Materialien unbedruckt sind, um keine in der Druckerschwärze enthaltenen Schwermetalle in den Boden einzubringen. Feuchte Karton/Pappe am Anfang an und bedecke sie am Rand mit Steinen, damit nichts durch den Wind wegfliegt. Auch bei Sheet-Mulching werden Kartons als Mulchmaterial verwendet.

Mulch aus Kunststofffolien oder -gewebe sind zur Unkrautunterdrückung und zum Schutz des Bodens vor Erosion und Austrocknung geeignet. Auch bodennahe Früchte schützen sie vor dem Verderben. Jedoch tragen sie nicht direkt zur Humusbildung bei und sehen im Garten auch nicht so schön aus. Weiterhin kommt es durch die Abnutzung von nicht biologisch abbaubaren Folien mit der Zeit auch zum Eintrag von Mikroplastik, weshalb wir im Garten von ihrem Einsatz abraten.

Lupinen und andere Gründüngermischungen können als Lebendmulch verwendet werden. Bild von silviarita auf Pixabay.

Lebendmulch

Als lebenden Pflanzenteppich kannst du beispielsweise Gründüngungs-Mischungen verwenden. Senfsaat oder Leguminosen bedecken hier zuerst als lebende Pflanzen den Boden und können auch nach dem Abmähen als tote organische Bodenabdeckung dienen. Gründüngung schützt den Boden vor Verdunstung und Beikräuterbewuchs. Die Gründüngerpflanzen lockern durch ihre Wurzeln den Boden auf und können als Leguminosen den Boden sogar mit Stickstoff anreichern, der Pflanzen als Nährstoff dient.

Richtig mulchen: so geht's!

Zu guter Letzt bleibt noch zu klären wie du am besten mulchst. Vor allem solltest du darauf achten, dass die Mulchschicht die richtige Dicke hat. Grundsätzlich gilt: Je mächtiger, desto besser die Unkrautunterdrückung und Wasserersparnis. Allerdings sollte saftiges, frisches Pflanzenmaterial wie Grasschnitt oder Beikräuterschnitt nicht zu dick aufgetragen werden, weil sonst kein Sauerstoff mehr an den Boden gelangt. Sowohl Bodenorganismen, als auch Pflanzenwurzeln brauchen Sauerstoff. Wenn dieser fehlt, können sie nicht weiter wachsen und sterben ab. Zudem kann die Mulchschicht nur verrotten, wenn genügend Sauerstoff vorhanden ist. Sonst kann es zu Fäulnis kommen. Daher: Am besten vorgetrocknetes Material nur locker und höchstens 10 cm dick ausbringen. Wässere deinen Mulch einmal nachdem du ihn ausgebracht hast, damit er den Boden sofort optimal schützt und nicht erst Wasser aus dem Boden aufsaugt.

Alles in allem ist Mulch eine der einfachsten aber effektivsten Methoden, um dir im Garten Arbeit zu ersparen: Du musst weniger gießen, weniger jäten, dein Boden wird quasi von selbst fruchtbarer und mal ganz ehrlich, ein ordentlich gemulchtes Beet sieht auch einfach schön aus.

Wir hoffen, du weißt nun alles Wichtige zum Thema Mulchen. Für Fragen und Anmerkungen schreib uns gerne unter magazin@alphabeet.org oder teile deine Erfahrungen auf Social Media mit uns. Um keinen Artikel mehr zu verpassen, folge uns auf Instagram und Facebook oder melde dich direkt zu unserem Newsletter an.

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