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Kohlrabi pflanzen leichtgemacht - von der Aussaat bis zur Ernte

21.05.2020 . Lesezeit: 10 Minuten

Hinter diesem Artikel

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Isabell

Isabell (24) studiert Agrarbiologie und liebt es von der Natur und ihrer Komplexität immer wieder auf's Neue überrascht zu werden. Kräuter - egal ob wild gesammelt oder im Garten - sind ihre Leidenschaft.

Kohlrabi sind die unkompliziertesten Kohlpflanzen und können bestens als Zwischenfrucht genutzt werden. Auch Lücken im Beet lassen sich hervorragend mit kleineren Sorten füllen, da sie sich mit den meisten Garten-Gemüsen vertragen. Ob roh oder gekocht - in der Küche lassen sie sich vielseitig verarbeiten. Wie du Kohlrabi in deinen Garten integrierst und eine erfolgreiche Ernte erhältst, erfährst du hier.

Auf einen Blick:

  • Licht: Kohlrabis haben keinen sonderlich großen Lichtbedarf und fühlen sich auch im Halbschatten wohl.
  • Wasser: ausreichende und gleichmäßige Wasserversorgung ist wichtig, da die Knollen sonst verholzen!
  • Temperatur: Der früheste Zeitpunkt zum Aussetzen ist Ende März, denn für zarte, schmackhafte Knollen sollte es tagsüber min. 12 Grad warm werden.
  • Nährstoffe: Als Mittelzehrer brauchen Kohlrabis nicht so viel Düngung wie andere Kohlsorten.
  • Boden: Die Knollen haben keine besonderen Bodenansprüche, auf feuchtem, humusreichen Böden gedeihen sie aber am besten
  • Pflanzabstand: 30 cm
  • Pflanztiefe: 3 cm
  • Ernte: nach 6-8 Wochen, Mai - Oktober

Allgemeines

Das zweijährige Kohlgemüse gehört zur Familie der Kreuzblütler (Brassicaceae) und stammt ursprünglich vom Wildkohl ab. Im ersten Jahr wird die Sprossknolle gebildet, die wir gerne zum Kochen verwenden. Erst das zweite Jahr wird zur Fortpflanzung genutzt. Dabei entsteht ein verzweigter Blütenstand, an dem sich Schoten mit Samen bilden. Das erste mal erwähnt wurde der Kohlrabi im 16. Jahrhundert, wobei man das Herkunftsgebiet in Nordosteuropa vermutet. Gegessen wird nicht die Blüte, wie bei Brokkoli oder Blumenkohl, sondern die Sprossachse. Doch auch die jungen Blätter sind aufgrund ihres hohen Eisengehalts sehr gesund und begeistern in Gerichten wie Suppen, Salaten oder Gemüsepfannen. Neben der bekanntesten weißen Sorte, gibt es auch lila und grüne Züchtungen. Auch die Sorte "Superschmelz" erhält immer mehr Beliebtheit, da ein einziger Kohlrabi bis zu 8 kg wiegen und trotzdem zart und geschmackvoll bleiben kann.

Kohlrabi pflanzen: Standort

Der Kohlrabi gibt sich mit einer großen Spanne an Standortbedingungen zufrieden. Als genügsamer Mittelzehrer braucht er nicht so viele Nährstoffe wie andere Kohlsorten. Trotzdem bevorzugt er einen humusreichen und gleichmäßig feuchten Boden. Die Knolle kommt mit Lichtverhältnissen von sonnig bis halbschattig zurecht. Die meisten Sorten benötigen nicht sonderlich viel Platz und können daher als "Lückenbüßer" eingesetzt werden. Doch es gibt auch größere Züchtungen, wie den schon erwähnten "Superschmelz". Da Kohlrabis schnellwüchsig sind, werden sie von kundigen Gärtnern oft als Zwischen- und Nachfrucht verwendet. Auch als Vorfrucht können Kohlrabis verwendet werden, da ihre Vegetationsperiode relativ früh beginnt. Einen besonderen Mehrwert für die Fruchtfolge liefern sie allerdings nicht, da die gesamte obere Pflanzenmasse abgeerntet wird, wodurch die ganzen Nährstoffe, welche der Kohlrabi aus dem Boden aufgenommen hat, abgetragen werden.
Auch in Mischkulturen lassen sich die Pflanzen hervorragend integrieren. Falls du mehr zu diesem Thema erfahren möchtest, lese dir doch gerne unseren Mischkultur-Artikel durch. Wir haben dir hier gute und schlechte Nachbarschaften mit anderem Gemüse zusammengefasst:

Gute Nachbarn: Bohnen, Erbsen, Kartoffeln, Kopfsalat, Lauch, Radieschen, Schwarzwurzeln, Sellerie, Spargel, Spinat, Tomaten

Schlechte Nachbarn: Fenchel, Gurken

Die richtigen Zeitpunkte

Damit du einen Überblick bekommst, wann du am besten was machen sollst, haben wir dir alle wichtigen Zeitpunkte zusammengetragen. Damit steht einer erfolgreichen Ernte nichts mehr im Wege.

Anzucht

Wenn du schon eine frühe Ernte haben möchtest, bietet sich eine Vorkultur an.
Ab Mitte Februar bis Anfang März können die Kohlrabis in Saatkästen auf der Fensterbank vorgezogen werden. Die Keimung erfolgt erst ab ca. 18-20 Grad Celsius, deshalb solltest du keinen zu kalten Ort wählen. Sind die Pflänzchen erstmal gekeimt, mögen sie es eher kühl (jedoch nicht unter 12 Grad Celsius). Wenn die Pflänzchen zu eng stehen, solltest du sie pikieren. Falls du eine spätere Ernte anstrebst, kannst du bis Anfang Juli säen und vorziehen.

Tipp: Säe immer wieder versetzt aus, um die ganze Saison frischen Kohlrabi ernten zu können. Denn wenn die Knollen zu lange stehen, beginnen sie holzig zu werden.

Auspflanzen

Ab Ende März kannst du die ersten Pflänzchen in dein Beet pflanzen. Wenn du auf Nummer sicher gehen möchtest, warte eher bis Anfang April. Achte darauf, die Pflanzen nicht zu tief zu setzten, da die Kohlrabiknollen sonst auf dem Boden aufliegen und schneller zu faulen beginnen. Bei später Ernte kann bis Anfang August ausgepflanzt werden.

Die richtige Pflege: Gießen und Düngen von Kohlrabi

Der Kohlrabi ist ein Mittelzehrer und benötigt daher keine zusätzliche Düngung. Trotzdem bietet es sich bei mageren Sandböden an, eine kleine Menge Kompost beim Auspflanzen mit ins Loch zu geben. Diese Gabe hält nicht nur den Boden feuchter, sondern erleichtert zudem der Pflanze den Start im Freiland. Auch Hornspäne wirken sich positiv auf das Wachstum des Kohlrabis aus.
Bei Trockenheit solltest du darauf achten, dass deine Kohlrabis ausreichend Feuchtigkeit bekommen. Ist dies nicht der Fall, werden die Knollen schnell holzig und zäh.

Wichtig: Kombiniere die Knolle nicht mit anderen Kohlsorten.

Krankheiten des Kohlrabi

Wie bei allen Kohlsorten kann der Kohlrabi von den Raupen des Kohlweißlings befallen werden. Der Falter legt die Eier unter den Blättern des Kohls ab. Sobald die Raupen schlüpfen beginnen sie systematisch die Blätter abzufressen, wodurch die Pflanze im Extremfall stirbt. Vor allem wenn du zur Stärkung deiner Pflanzen Brennesseljauche in deinem Garten ausbringst, wird der weiße Falter angelockt. Dem Befall kannst du vorbeugen, indem du Tomaten und Sellerie neben deinen Kohl(rabi) pflanzt. Der intensive Geruch der Nachbarn überdeckt nämlich den des Kohls und so finden die Schmetterlinge ihren Eiablageplatz nicht mehr. Kontrolliere zudem regelmäßig die Blattunterseiten deiner Kohlrabipflanzen, denn dort heftet der Falter seine Eier an. Wenn du erst später in der Saison pflanzt, kannst du mit Rainfarn oder Pfefferminze mulchen, falls vorhanden. Beide Pflanzen vertreiben die Falter. Doch nicht nur auf biologischer Ebene kannst du Befall vorbeugen, auch mechanisch durch Kulturschutznetze können die Schädlinge ferngehalten werden.
Wenn es allerdings schon zu spät ist und die Raupen erst mal da sind, lohnt es sich diese frühzeitig händisch abzusammeln. Auch Schlupfwespen kannst du als Nützlinge in deinem Garten ansiedeln, da sie natürliche Feinde des Kohlweißlings sind. Diese biologischen Schädlingsbekämpfer lassen sich in diversen Onlineshops bestellen.

Wenn deine Kohlrabis von Mehltau befallen sind, kannst du sie mit Schachtelhalmjauche gießen. Diese lässt sich ganz einfach herstellen. Du brauchst Ackerschachtelhalm, Wasser und einen Eimer. Dann kannst du nach dem selben Prinzip wie bei Brennesseljauche vorgehen. Wie genau das funktioniert findest du hier.
Um dem Pilz vorzubeugen, kann sich zudem eine Mischkultur mit Knoblauch lohnen.

Auch Kohlhernie ist ein typisches Krankheitsbild aller Kreuzblütengewächse (Brassicaceaen). Die Pilzkrankheit lässt den Kohl schlechter wachsen und später, auch bei ausreichender Bewässerung, die Blätter hängen und vergilben. Das kannst du vermeiden, indem du deine Kohlpflanzen rotierst, also nicht wieder auf eine Stelle pflanzt auf der schon einmal Kohl gewachsen ist. Nach ca. 4 Jahren hat sich der Boden regeneriert und du kannst dort wieder deine Kohlpflanzen ausbringen. Wenn du genauere Infos zu Fruchtwechsel haben möchtest, empfehlen wir dir diesen Artikel. Falls du trotz eingehaltenem Fruchtwechsel symptomatisch welke Kohlpflanzen im Garten stehen hast, grabe sie aus und prüfe die Wurzeln. Ein typisches Symptom sind dort nämlich knollige Verdickungen. Um ganz sicher zu gehen, dass es sich auch wirklich um den Pilz handelt, musst du die dicken Wurzeln anschneiden. Sind diese hohl, handelt es sich vermutlich um den Kohlgallenrüssler. Wenn die Wurzeln weiß und nicht hohl sind, ist es höchst wahrscheinlich der Kohlherniepilz. In beiden Fällen solltest du deine Pflanzen leider schnellstmöglich entsorgen, da sonst weitere Pflanzen befallen werden können. Aber Achtung: auch im Kompost kann der Kohlhernie-Pilz überleben und später erneut deine Pflanzen befallen.

Kohlrabi ernten, lagern und verarbeiten

Ernte

Wenn du deinen Kohlrabi erfolgreich großgezogen und gepflegt hast, kannst du ihn dann nach ca. 6-8 Wochen ernten. Dann sollte deine Knolle ungefähr die Größe eines Tennisballs erreicht haben (natürlich gibt's auch größere Sorten). Nun musst du allerdings einen Kompromiss eingehen: Je jünger du deinen Kohlrabi erntest, desto zarter schmeckt er. Wenn du ihn jedoch länger stehen lässt, wird er zwar größer aber eben auch weniger zart. Ernte die Knolle am besten direkt bevor du sie verarbeitest, da sie auch durch längere Lagerung zäher wird. Schneide dafür einfach mit einem Messer den Stängel direkt unter der Knolle ab und entferne die Blätter. Die zarten Blätter kannst du, wie schon oben erwähnt, auch in deine Gerichte integrieren.

Lagerung

Falls du deinen Kohlrabi doch nicht gleich verspeisen kannst, entferne die Blätter und wickle ein feuchtes Tuch um die Knolle. Im Kühlschrank kannst du sie so bis zu zwei Wochen lagern. Ohne Tuch sollte das Gemüse innerhalb von 2-6 Tagen verarbeitet werden.

Verarbeiten

Kohlrabis lassen sich gekocht oder gedünstet zu vielen Gerichten als Beilage servieren. Doch auch als Star des Gerichts sind die Knollen nicht zu unterschätzen! Wir haben dir deshalb ein Rezept für Kohlrabischnitzel mitgebracht. Dafür benötigst du folgende Zutaten:

  • 2 Kohlrabis (normale Größe)
  • 2 Eier
  • Paniermehl
  • Mehl
  • Parmesan
  • Salz/Pfeffer
  • Öl zum Anbraten

Zuerst schneidest du die Kohlrabis in dünne Scheiben (ca 1 cm), welche von beiden Seiten mit Salz und Pfeffer gewürzt werden. Dann brauchst du 3 Teller. Im ersten verquirlst du die Eier mit etwas Salz und Pfeffer. In die anderen beiden gibst du jeweils Mehl und Paniermehl. Zum Paniermehl kommt noch etwas Parmesan dazu. Dann panierst du deine vegetarischen Schnitzel, indem du die Scheiben nimmst und sie zuerst im Mehl wendest, dann durch das Ei ziehst und zuletzt in der Parmesan-Paniermehl Mischung wendest. Währenddessen kannst du Öl in der Pfanne erhitzen und die Schnitzel dann darin braten. Dabei gilt: nicht zu heiß anbraten, sonst werden die Schnitzel außen schwarz und bleiben innen roh.

Kombinieren lässt sich das Gericht super mit Blattsalat und Kartoffelsalat, aber du kannst deiner Kreativität natürlich auch freien Lauf lassen.

Wir hoffen du fühlst dich jetzt bereit dazu ins Kohlrabi-Business einzusteigen und wünschen dir natürlichen einen guten Ernteerfolg!

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