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Isabell

Isabell studiert Agrarbiologie und liebt es von der Natur und ihrer Komplexität immer wieder auf's Neue überrascht zu werden. Kräuter - egal ob wild gesammelt oder im Garten - sind ihre Leidenschaft.

Kohl hat in Deutschland das ganze Jahr über Saison und spielte schon bei den Germanen und Römern eine wichtige Rolle in der Ernährung. Sein hoher Vitamin C- und Mineralstoffgehalt machen ihn zu einem gesunden Lebensmittel, das vielseitig einsetzbar ist. Erfahre hier, wie man die verschieden Kohlarten im eigenen Garten am besten pflanzt, pflegt und erntet.

Auf einen Blick:

  • Lichtbedarf: sonnig bis halbschattig
  • Boden: humusreich, locker und lehmig
  • Nährstoffbedarf: Starkzehrer (hoch)
  • Wasserbedarf: mittel, gleichmäßig
  • Vorzucht: Januar - März (frühe Sorten)
  • Pflanzung: März/April
  • Direktsaat:
    • Kopfkohl: April - Mai (einzelne Sorten auch später)
    • Grünkohl: Mai - Juni
    • Pak Choi: Juli
  • Pflanzabstand: 40 x 40 cm (kleinere Sorten) bzw. 50 x 50 cm (größere Sorten)
  • Pflanztiefe: 3 cm

Alle Kohlgemüse stammen ursprünglich von kleineren Wildformen ab. Diese Wildkohl-Arten wachsen noch heute an Küstengebieten am Mittelmeer oder sogar auf Helgoland. Wie Rettich, Radieschen, Mairüben, Senf oder Raps zählt Kohl zur Familie der Kreuzblütler (Brassicaceae). Der Gemüsekohl (Brassica oleracea) war schon bei den Germanen und Römern eine geschätzte Nutz- und sogar Heilpflanze. Im Mittelalter galt Kohl als "Medizin der Armen", denn wie man heute weiß, enthält Kohl reichlich Vitamin C, Mineralstoffe und antibakterielle Senfölglykoside. Ob gekocht, fermentiert oder roh: Kohl ist ein Gemüse, das du in Deutschland das ganze Jahr über genießen kannst!

Formenreichtum des Kohls

Auch in seiner Vielfalt scheut Kohl keine Kosten und Mühen: Durch verschiedene Züchtungen liegt der Fokus immer auf unterschiedlichen Pflanzenteilen. Beim Kopfkohl wie Weißkohl, Spitzkohl, Rotkohl oder Wirsing formen sich die Blätter zu einem mehr oder weniger kompakten Kopf zusammen. Rosenkohl bildet diese Köpfe immer an den Blattachseln der großen Blätter. Auch beim Schwarzkohl und Grünkohl werden die Blätter genutzt, sie bilden im Gegensatz zum Kopfkohl ein palmenförmiges Blätterdach. Bei Brokkoli oder Blumenkohl wird der Blütenstand verzehrt. Kohlrabi bildet hingegen eine verdickte Sprossachse aus, die dann wie eine Knolle aussieht.

Kohl ist sehr formenreich. Foto: publimode auf Pixabay.

Standorte für Kohl

Kohl wächst am besten an vollsonnigen Standorten, kommt aber auch mit Halbschatten zurecht. Fast alle Kohlarten sind Starkzehrer und benötigen daher reichlich Nährstoffe für ein gesundes Wachstum. Die einzige Ausnahme bildet Kohlrabi als Mittelzehrer. Steckrüben bevorzugen eher nährstoffarme Böden. Am besten gedeiht Kohl auf humusreichen, lockeren und lehmigen Böden. Eine gleichmäßige Bewässerung sorgt für starkes und gesundes Wachstum.

Fruchtfolge und Mischkultur

In einer klassischen Fruchtfolge solltest du Kohl als Starkzehrer immer als erstes auf deinem Beet anbauen. Anschließend kannst du als Folgekultur Mittelzehrer wie Salat, Mangold, Karotten, Zwiebeln, Rote Bete oder Bohnen pflanzen. Gute Mischkultur-Partner sind Spinat, Mangold, Karotten, Kartoffeln, Auberginen, Tomaten, Paprika, Erbsen, Bohnen, Gurken oder Lauch. Schlechte Nachbarn sind andere Kreuzblütler, sowie Zwiebeln, Knoblauch und Erdbeeren.

Vorzucht & Pflanzung

Bei allen Kopfkohlarten wie Rotkohl, Weißkohl, Spitzkohl und Wirsing kannst du ähnlich vorgehen. Wer bereits im Mai ernten will, sollte im Januar mit der Vorzucht starten. Auch im Februar und März können noch Kopfkohl, Kohlrabi, Blumenkohl, Brokkoli und Rosenkohl vorgezogen werden. Hierfür wählst du am besten passende frühe Sorten. Die Samen werden 3 cm tief in mit Anzuchterde gefüllte Töpfchen oder Multiplatten gelegt. Für die Keimung benötigen Kohlpflanzen eine Keimtemperatur von ca. 16-20 °C sowie ausreichend Licht und Feuchtigkeit. Stelle die Töpfchen daher am besten auf eine Fensterbank oder in ein beheiztes Gewächshaus. Ab März kannst du Kopfkohlarten mit einem Pflanzabstand von ca. 40 x 40 cm auspflanzen. Ab April können auch Brokkoli, Blumenkohl, Kohlrabi und Rosenkohl raus. Decke die empfindliche Jungpflanzen nachts unbedingt mit einem Vlies ab, damit sie nicht erfrieren.

Ab März/April kann Kohl ins Beet gepflanzt werden. Foto: alexey_huslov auf Pixabay.

Direktsaat

Spätere Sommer-Sorten von Kopfkohl kannst du von April bis Anfang Mai direkt ins Beet säen. Grünkohl kann von Mai bis Juni ausgesät werden. Chinakohl wird ab Mitte Juni gesät, während die Aussaat bei Pak Choi erst ab Juli erfolgt. Einzelne Sorten von Spitzkohl können auch bis Ende August gesät werden. Bei Aussaaten im Hochsommer muss jedoch unbedingt auf eine regelmäßige Bewässerung geachtet werden, damit die Samen zuverlässig keimen und sich die Jungpflanzen gesund entwickeln können. Schütze die Kohlpflanzen im Herbst mit einem Vlies, damit du sie im Winter ernten kannst. Etwa einen Monat nach der Aussaat solltest du die Jungpflanzen pikieren. Diese späteren Sorten benötigen etwas mehr Platz als frühere. Achte daher auf einen Pflanzabstand von 50 x 50 cm.

Pflege & Düngung

Als Starkzehrer benötigen die meisten Kohlarten viele Nährstoffe für ein gesundes und kräftiges Wachstum. Vor der Pflanzung solltestest du deine Beete mit reifem Mist oder einer Kompost-Mist-Mischung vorbereitet haben. Auch eine zusätzliche Kompostgabe ins Pflanzloch stärkt das Wachstum. Weiterhin kannst du auch mit Hornspänen oder Schafwolle(-pellets) für eine langfristige Düngung im Beet sorgen. Eine Mulchschicht liefert Humus nach und hält Feuchtigkeit und Wärme in Beet. Pflanzenjauchen fördern die Kopfbildung. Verwende hierbei am besten keine Brennesseljauche, da diese den Kohlweißling anlocken kann! Achte zusätzlich auf eine gleichmäßige Bewässerung deiner Pflanzen.

Eine Mulchschicht schützt den Kohl vor Austrocknung und Kälte und liefert gleichzeitig organische Substanz für die Humus-Bildung im Boden. Foto: stocksnap auf Pixabay.

Ernten und Verarbeiten

Meistens eignen sich frühe Kohlsorten für den frischen Verzehr, während späte Sorten eher für die Lagerung geeignet sind. Späte Kopfkohlarten können in luftigen Holzkisten im kühlen, dunklen Keller gelagert werden. Wähle hierfür nur unbeschädigte Köpfe und decke die Kisten mit einem Jute- oder Baumwolltuch ab. Kontrolliere die Kisten regelmäßig auf Fäulnis- oder Schimmelbildung. Außerdem kannst du manche Kohlarten, wie Wirsing, Grün- und Butterkohl, auf dem Feld überwintern. So hast du immer erntefrisches Gemüse im Winter zur Hand. Für die Ernte schneidest du Kopfkohl keilförmig vom Strunk ab. Grün- und Schwarzkohl kannst du nach dem ersten Frost ernten. Rosenkohl ist erntereif, wenn die Röschen etwa walnussgroß sind. Pak Choi und Kohlrabi sind besonders schnell und können schon sechs bis acht Wochen nach Aussaat geerntet werden. So vielfältig wie die Kohlarten sind, so reich an Möglichkeiten ist auch die Verarbeitung von Kohl. Gebraten, Gedämpft, Roh, Gekocht, im Ofen gebacken oder fermentiert als Sauerkraut oder Kimchi: Kohl kann auf die unterschiedlichsten Arten genossen werden.

Krankheiten und Schädlinge

Als Vorbeugung von Schädlingen sollte unbedingt eine Anbaupause von mindestens drei Jahren zwischen Kreuzblütlern eingehalten werden. Bei Krankheitsbefall sollte diese auf fünf bis sechs Jahre verlängert werden.

Kohlhernie: Eine Pilzerkrankung, die die Wurzeln befällt und diese klumpig verdickt. Sie vermindert das Wachstum und kann sogar zum Absterben des Kohls führen. Streue zur Vorbeugung einen Esslöffel Algenkalk ins Pflanzloch und halte die Anbaupause zwischen Kreuzblütlern ein.

Kohlgallenrüssler: Das Krankheitsbild ähnelt dem der Kohlhernie. Zur Unterscheidung musst du ganz einfach die Wurzeln der Pflanze aufschneiden: Wenn die Wurzeln weiß und nicht hohl sind, ist es höchst wahrscheinlich der Kohlherniepilz. Sind die Wurzeln hohl, handelt es sich vermutlich um den Kohlgallenrüssler. In beiden Fällen solltest du deine Pflanzen leider schnellstmöglich entsorgen, da sonst weitere Pflanzen befallen werden können. Aber Achtung: auch im Kompost kann der Kohlhernie-Pilz überleben und später erneut deine Pflanzen befallen.

Weiße Fliegen: Sie sitzen auf der Blattunterseite und saugen am Pflanzensaft, sodass die Blätter klebrig werden. Hier kann das Spritzen mit Neemöl helfen.

Kohlweißling: Die Raupen fressen die Blätter und hinterlassen ihren Kot. Sie sind sehr gefräßig und können ganze Pflanzen kahl fressen. Nach dem Pflanzen sollten die Setzlinge deshalb mit Gemüseschutznetzen abgedeckt werden. Dem Befall kannst du zudem vorbeugen, indem du Tomaten und Sellerie neben deinen Kohl pflanzt.

Erdflöhe: Sie fressen bei trockenem Wetter Löcher in die Blätter. Ein gleichmäßig feuchter Boden (z. B. durch Mulch) kann vorbeugend wirken.

Mehltau: Wenn deine Kohlpflanzen von dem Pilz befallen sind, kannst du sie mit Schachtelhalmjauche gießen. Diese lässt sich ganz einfach herstellen. Du brauchst Ackerschachtelhalm, Wasser und einen Eimer. Dann kannst du nach dem selben Prinzip wie bei Brennnesseljauche vorgehen. Um dem Pilz vorzubeugen, kann sich zudem eine Mischkultur mit Knoblauch lohnen.

Der Kohlhernie-Pilz sorgt für verdickte Wurzeln und schlechtes Wachstum der Kohl-Pflanze.

Ich hoffe, du hast jetzt Lust bekommen, Kohl im Garten anzubauen. Bei Fragen und Anmerkungen schreibe uns gerne an magazin@alphabeet.org.

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Titelbild: congerdesign auf Pixabay

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