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Karotten pflanzen: So gelingt der Anbau

13.01.2021 . Lesezeit: 12 Minuten

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Isabell

Isabell (24) studiert Agrarbiologie und liebt es von der Natur und ihrer Komplexität immer wieder auf's Neue überrascht zu werden. Kräuter - egal ob wild gesammelt oder im Garten - sind ihre Leidenschaft.

So manch einer nennt sie Möhren, der Andere lieber Karotten. Ganz egal was du zu dem gesunden und leckeren Wurzelgemüse sagst, hier erfährst du alles Wichtige über die Aussaat, den Anbau, die Ernte oder Mischkulturen von Karotten/Möhren.

Auf einen Blick:

  • Lichtbedarf: sonnig
  • Nährstoffbedarf: mittel
  • Wasserbedarf: mittel
  • Boden: locker, sandig, steinfrei und tiefgründig, hoher Humusanteil
  • Keimtemperatur: 18-22 °C
  • Pflanztiefe: ca. 0,5 cm (Lichtkeimer)
  • Pflanzabstand: 3 cm
  • Reihenabstand: 30 cm

Gute Nachbarn: Dill, Erbsen, Knoblauch, Kohlarten, Lauch, Mangold, Radieschen, Rettich, Rosmarin, Salbei, Schnittlauch, Schwarzwurzeln, Tomaten, Zwiebeln, Thymian

Schlechte Nachbarn: Minze, Rote Bete, Sojabohne, (Wurzel-)Petersilie

Allgemeines über die Möhre/Karotte

Gärtner/Innen und Landwirte verwenden die von der Wilden Möhre (Daucus carota subsp. carota) abstammende Kulturmöhre (Daucus carota subsp. sativus). Beide gehören zur Familie der Doldenblütler (Apiaceae). Die Wildform ist in West-Asien, Europa und Nordafrika weit verbreitet und stammt vermutlich aus den Wiesen- und Steppenlandschaften Vorderasiens. Sie dient auch als Zeigerpflanze für trockene, stickstoffarme Böden.

Tatsächlich bezeichnet man normalerweise nur die langen und größeren Sorten als Möhren, während die kurzen und rundlicheren Sorten Karotten genannt werden. Die meisten verwenden den Begriff allerdings als Synonym und so wollen wir das auch in diesem Artikel tun. Möhren sind eigentlich zweijährige Gewächse, werden jedoch, außer zur Samengewinnung, nur einjährig kultiviert. Im ersten Jahr bildet die Pflanze eine gefiederte Blattrosette, sowie eine Pfahlwurzel aus. In dieser werden von der Pflanze alle wichtigen Mineralien und Inhaltsstoffe gespeichert. Der Carotingehalt ist in den Möhren im Vergleich zu allen anderen Gemüsesarten am höchsten. Das Pigment gibt den Karotten ihre typisch orangene Farbe. Auch Vitamin A, Biotin und Kalium sind im Speicherorgan vertreten.

Die Kulturmöhre stammt von der Wilden Möhre ab. Diese findet man an Wegesrändern oder auf trockenen, kalkreichen Wiesen. Bild von Manfred Richter auf Pixabay 

Sorten

Die meisten Karotten- oder Möhrensorten sind rot-orange gefärbt. Allerdings gibt es auch violette Vertreter, welche die farbgebenden Anthocyane enthalten. Sie gelten als ursprünglichere Form der Kulturmöhre und wurden auch schon in der Antike verwendet.

"Rodelika" ist eine aromatische, orange-rote Sorte und besonders gut lagerfähig. Sie bildet zudem viel Laub aus und eignet sich auch für schwere Böden.

"Purple Haze" ist eine F1-Hybride. Sie bildet lange, glatte Wurzeln aus, wobei der Kern klassisch orange und die äußere Schale lila ist. Sie ist lagerfähig und weitgehend tolerant gegen die Möhrenfliege.

"Milan" eignet sich gut für den Frühanbau, kann aber auch später angebaut und als Lagermöhre verwendet werden. Sie ist frisch geerntet besonders saftig und süß.

"Pariser Markt" ist eine kurze, kugelförmige, frühe Sorte mit süßem Geschmack und kräftig-orangener Färbung.

Die violette Färbung mancher Möhrensorten entsteht durch das Pigment Anthocyan. Bild von jacqueline macou auf Pixabay.

Karotten pflanzen: Standort

  • Lichtbedarf: sonnig
  • Nährstoffbedarf: mittel
  • Wasserbedarf: mittel
  • Boden: locker, sandig, steinfrei und tiefgründig, hoher Humusanteil
  • Keimtemperatur: 18-22 °C
  • Pflanztiefe: ca. 0,5 cm (Lichtkeimer)
  • Pflanzabstand: 3 cm
  • Reihenabstand: 30 cm

Mischkultur mit Möhren/Karotten

Eine der bekanntesten und erfolgreichsten Mischkulturen ist die zwischen Zwiebeln/Lauch und Möhren/Karotten. Hierbei schützen die Partner sich gegenseitig vor der Zwiebelfliege/Möhrenfliege durch die Abgabe von sekundären Inhaltsstoffe. Der Geruch des Nachbarn wirkt abstoßend auf den jeweiligen Schädling. Porree soll sich am besten für diese Mischkultur eignen, da er einen ähnlichen Wasserbedarf wie die Möhre hat. Auch Rosmarin stößt die Möhrenfliege ab. Ein wenig Dill in der Möhrenreihe soll die Keimung fördern und gleichzeitig durch seinen Geruch Schädlinge fernhalten.

Gute Nachbarn

Dill, Erbsen, Knoblauch, Kohlarten, Lauch, Mangold, Radieschen, Rettich, Rosmarin, Salbei, Schnittlauch, Schwarzwurzeln, Tomaten, Zwiebeln, Thymian

Schlechte Nachbarn

Minze, Rote Bete, Sojabohne, (Wurzel-)Petersilie

Aussaat: Karotten säen

Oft keimen Möhren nur sehr langsam oder schlecht, doch dies lässt sich mit einem Trick umgehen. Fülle die kleinen Samen in ein Schraubglas mit etwas Quarzsand und ein wenig Wasser (der Sand sollte nur leicht feucht sein und nicht im Wasser schwimmen). Schüttle das Gemisch und stelle es für einige Tage auf eine Heizung. Die Heizung sollte dabei nicht zu heiß sein und an einem möglichst hellen Ort (Fensterbank) stehen. Da Karotten Lichtkeimer sind, finden sie so gute Bedingungen für die Keimung vor und sollten mit dieser nach ein paar Tagen beginnen. Ist es soweit, kannst du die Samen mitsamt dem Sand in die Saatrille streuen und vorsichtig andrücken.

Mit der Direktsaat kannst du ab März beginnen. Die Karotte ist ebenso wie die Roten Bete ein Wurzelgemüse und sollte nicht vorgezogen werden, da beim Umsetzen die unterirdischen Organe geschädigt werden können. Falls du einen schweren Boden besitzt, kannst du dir überlegen Bodenverbesserungsmaßnahmen anzuwenden und etwas Sand beim Umgraben unterzumischen. Auch Sand, Algenkalk und Gesteinsmehl in den höchstens 1-2 cm tiefen Saatrillen ist für Keimung und Wachstum förderlich. Drücke die Samen leicht an und bedecke sie mit nicht zu viel Erde. Die Oberfläche des Bodens abschließend etwas festdrücken und regelmäßig gießen. Da die Keimung sehr langsam erfolgt (3-4 Wochen), kannst du als Markiersaat Radieschen untermischen. Sie gehen schneller auf und zeigen dadurch die Möhrenreihe an. Außerdem sind die Markierer schon nach 6 Wochen erntebereit und hindern die Möhren dadurch nicht am Wachstum. Sei bei der Ernte der Radieschen jedoch vorsichtig, damit die Möhrenkeimlinge nicht beschädigt werden.

Sind die Karotten gekeimt und angewachsen, solltest du die Reihen bei Bedarf so ausdünnen, dass ein Pflanzabstand von 3-4 cm eingehalten wird. Sonst haben die Möhren nicht genügend Platz, um gesund zu wachsen. Erledige das Ausdünnen abends, so vermeidest du, dass die Möhrenfliege vom Geruch der ausgerupften Möhren angezogen wird. Ragen die Möhren aus dem Boden, kannst du sie anhäufeln, um grüne Stellen zu vermeiden.

Wenn du ein Glas mit feuchtem Quarzsand an einen warmen, hellen Ort stellst, keimen die Karottensamen besser.

Karotten pflegen: Gießen und Düngen

Gießen

Wichtig für ein gesundes Wachstum der Möhren ist es, gleichmäßig zu bewässern. Wenn zu große Feuchtigkeitsschwankungen auftreten, können die Wurzeln aufplatzen. Nach Starkregen sollte der Boden um die Reihen deshalb mit einer Mistgabel gelockert werden. Um eine ausgeglichene Bodenfeuchte zu gewährleisten, kannst du eine dünne Mulchschicht aus Rasenschnitt oder Beinwellblättern um die Möhren auslegen. Ist die Mulchschicht zu dick und strohig, können Schädlinge angezogen werden. Ist dein Boden eher zu feucht, kannst du kleine Dämme errichten, auf denen du die Möhren anbaust (Dammkultur).

Düngen

Karotten gehören zu den Mittelzehrern und mögen zwar humusreichen Boden, allerdings sollte niemals mit frischem Mist gedüngt werden. Dies gilt auch für den Herbst vor der Aussaat. Verwende daher lieber reifen Kompost, den du gründlich ins Beet einarbeitest, bevor du aussäst.

Fruchtwechsel

Um Schädlinge und Bodenmüdigkeit zu vermeiden, halte eine Anbaupause von mindestens 3 Jahren ein, bis du wieder Möhren am gleichen Platz anbaust.

Neben Rasenschnitt können die Blätter des Beinwells als dünne Mulchschicht um die Karottenpflanzen ausgelegt werden und für eine gleichmäßige Bodenfeuchte sorgen. Bild von Nancy Buron auf Pixabay 

Krankheiten von Möhren/Karotten

Möhrenfliege (Chamaepsila rosae)

Die ausgewachsenen Fliegen legen ihre Eier neben die Möhren in den Boden. Die geschlüpften Larven ernähren sich von den Möhren, indem sie sich durch das Wurzelgewebe fressen. Dabei hinterlassen sie Grabgänge, in denen sich ihr Kot ablagert. Die Karotten verfärben sich braun und beginnen zu faulen. Der Schädling erzeugt mehrere Generationen innerhalb eines Jahres, wobei die erste Generation Larven erzeugt, welche im Juni fressen. Die zweite Generation wird ab August aktiv.

Vorbeugend wirken engmaschige Gemüseschutznetze ab Mai, sowie eine Mischkultur mit Lauch oder Zwiebeln. Zudem meiden die Schädlinge windige Standorte. Halte außerdem eine Anbaupause von mindestens 3 Jahren ein!

Die Larven der Möhrenfliege fressen sich durch das Wurzelgewebe der Möhren, weshalb sie zu faulen beginnen. Picture by Rasbak, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=3226408.

Wurzelgallenälchen

Wie alle Nematoden ist das Wurzelgallenälchen ein sehr kleiner (ca. 0,5 mm) aalförmiger Wurm. Es lebt im Boden und befällt Pflanzenwurzeln, indem es in diese eindringt. Innerhalb der Wurzel bildet es Nährzellen aus, wodurch sich das Wurzelgewebe gallenförmigen verformt. Die Gallen sehen dabei wie kleine Geschwüre aus. Sie sollten nicht mit den Wurzelknöllchen der Schmetterlingsblütler (Fabaceaen) verwechselt werden, die symbiotisch fungieren und die Wurzeln nicht beschädigen. Das Wurzelgallenälchen schafft es, die Wurzelzellen so umzuprogrammieren, dass sie den Eindringling optimal mit Nährstoffen versorgen. Dadurch verkümmern oder welken viele Pflanzen, denn sie besitzen für ihr eigenes Wachstum nicht mehr genügend Energie.

Vorbeugend wirkt die Einhaltung des Fruchtwechsels, sowie Beipflanzungen von Calendula und Tagetes. Auch eine Brühe aus den Blumen soll das Wurzelgallenälchen vertreiben. Koche hierfür 400 bis 500 g der Blumen (auch mit Kraut) für 30 min auf und siebe das Pflanzenmaterial ab. Gieße die befallenen Pflanzen mit der Brühe. Verwende die Brühe rasch, damit es nicht zur Gärung kommt.

Möhrenschwärze (Alternaria dauci)

Der Pilz tritt vor allem bei hoher Feuchtigkeit auf. Er befällt nicht nur Möhren, sondern auch Petersilie, Sellerie, Pastinake, Dill, Kohl und Tomaten. Symptome sind dunkles, verfärbtes Laub, sowie später auch schwarze Flecken auf den Wurzeln (Möhren). Der Befall tritt meist erst gegen Herbst, also zur Ernte hin auf. Daher ist eine Warmwasserbehandlung nach der Ernte empfehlenswert (ca. 30 min bei 50 °C), um die Lagerfähigkeit etwas zu verlängern. Ist schon früher ein Befall festzustellen, kannst du mit Schachtelhalmbrühe gießen und das Kraut besprühen. Verwende hierfür ca. 1 kg frischen Ackerschachtelhalm für 10 l (Regen-)Wasser. Zerschneide das Kraut und lasse es für 24 h im Wasser ziehen. Anschließend 30 min bei niedriger Temperatur köcheln lassen. Die Pflanzenreste mit einem Tuch oder Sieb abseihen. Am besten bei sonnigem Wetter anwenden, da Wärme die Wirkung verstärkt.

Vorbeugend wirken Maßnahmen, welche für eine schnelle Trocknung der Pflanzen sorgen. Dazu gehören: Dammbau, Anbau an eher windigeren Stellen, ausreichender Pflanzabstand. Verwende reifen Kompost (keine zu frischen Pflanzenreste), den du gut in den Boden einarbeitest und halte eine Anbaupause von mind. 3 Jahren ein.

Ernte der Karotten

Ernte deine Möhren sobald das Laub gelbe oder rötliche Blattspitzen bekommt. Warte nicht zu lange, denn dann kann es sein, dass die Wurzeln aufplatzen, Risse bekommen oder Haarwurzeln ausbilden. Lockere die Erde mit einem Spaten und ziehe die Möhren anschließend am Laub aus dem Boden. Entferne die Erde an den Möhren nur grob, das macht sie länger lagerfähig.

Wenn du die Erde bis zur Verwendung an den Wurzeln dranlässt, bleiben sie länger frisch.

Lagerung von Möhren

Verwende für die Lagerung am besten späte und lagerfähige Sorten wie "Rodelika" oder "Milan". Zudem solltest du nur Möhren ohne erkennbare Schäden (Risse, Flecken, Wunden) auswählen. Um die Möhren einzulagern, schichte sie in eine Kiste mit feuchtem Sand. Diese stellst du in einen dunklen Raum mit möglichst niedrigen Temperaturen (ca. 2-5 °C) und hoher Luftfeuchtigkeit (80-90 %). Hierfür eignet sich ein feuchter Keller oder eine Gartenhütte. Wichtig: Der Sand in der Kiste sollte nicht zu nass sein, da es sonst zu Fäulnis kommen kann. Feuchte den Sand durch gießen etwas an, wenn er mit der Zeit an Feuchtigkeit verliert.

Verarbeitung von Karotten

Ob in Salaten oder Suppen: Die Möhre ist vielseitig verwendbar. Auch als Ofengemüse oder in der Pfanne karamellisiert ist sie schmackhaft. Auch zum Backen kannst du sie geraspelt in Brot- oder Kuchenteig untermischen.

Was viele nicht wissen: Auch das Kraut ist essbar. Hieraus lässt sich herrliches Pesto mit nur wenigen Zutaten zaubern. Gebe dafür das Kraut mit Olivenöl, Salz, Knoblauch, wahlweise Parmesan und Pinienkernen in den Mixer. Wer keine Pinienkerne mag, kann auch Sonnenblumenkerne oder Walnüsse verwenden. Um das Pesto länger haltbar zu machen, verwende ausgekochte Schraubgläser und bedecke die grüne Masse zum Schluss mit Olivenöl.

Auch das Laub der Möhren kann beispielsweise zu Möhrengrün-Pesto verarbeitet werden. Bild von Waldrebell auf Pixabay.

Möhrensamen gewinnen

Wenn du selbst Karottensamen gewinnen möchtest, achte beim Kauf auf eine samenfeste Sorte (kein F1-Hybrid). Ernte nach der ersten Saison nicht alle Möhren, sondern lasse ein paar Wurzeln in der Erde. Dort überdauern sie bis zum nächsten Jahr. Im Frühling beginnen sie erneut auszutreiben und bilden später die schönen Blütenstände aus. Aus diesen können im Sommer/Herbst die Samen entnommen werden.

Ich hoffe, dass ich deine Lust am Karotten anbauen geweckt habe. Bei Fragen und Anmerkungen schreibe uns gerne an magazin@alphabeet.org.

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