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Familienportrait: Hülsenfrüchtler

27.03.2020 . Lesezeit: 7 Minuten

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Annabell

Annabell (22) studiert Agrarbiologie an der Uni Hohenheim. Auch privat gärtnert sie gerne, verbringt viel Zeit in der Natur und liebt es kreativ zu sein.

Die Hülsenfrüchtler/Leguminosen sind weltweit verbreitet und sind aufgrund ihrer nahrhaften Inhaltsstoffe sehr wichtig für eine ausgewogene Ernährung. Viele Arten werden als Kultur- und Nahrungspflanzen genutzt und auch im eigenen Garten dürfen sie natürlich nicht fehlen. Zu den beliebtesten Vertretern im Gemüsebeet gehören beispielsweise Erbsen und Bohnen.

Auf einen Blick:

  • Hülsenfrüchte enthalten wichtige Eiweiße, Fette und Ballaststoffe.
  • Global gesehen werden vor allem Sojabohnen, Linsen, Kichererbsen und Erdnüsse als Vertreter der Familie angebaut.
  • Im Hobbygarten sind Hülsenfrüchte ebenfalls sehr beliebt: Erbsen, Buschbohnen, Stangenbohnen, Feuerbohnen und Puffbohnen sind gut für den eigenen Anbau geeignet.
  • Leguminosen gehen eine Symbiose mit Stickstoff-fixierenden Bakterien ein und verbessern so die Bodenqualität, deshalb werden sie auch gerne als Gründüngung eingesetzt.

Botanische Merkmale der Hülsenfrüchtler

  • Wissenschaftlicher Name: Fabaceae
  • Leguminosen gehören mit ihren über 15.000 verschiedenen Arten zu den artenreichsten Pflanzenfamilien überhaupt.
  • Die Wuchsformen innerhalb der Familie sind sehr divers und beinhalten sowohl ein- bis zweijährigen krautigen Pflanzen, als auch ausdauernde, verholzte Sträucher, Bäume und Lianen.
  • Die Blätter sind charakteristisch gefiedert und teilweise mit rankenden Triebspitzen versehen.
  • Die Blüte wird wegen ihrer typischen Form oft als Schmetterlingsblüte bezeichnet.
  • Die Bestäubung geschieht durch Insekten, Vögel und Fledertiere.
  • Die Frucht ist eine typische, meist längliche Hülse. Die Hülse ist nicht zu verwechseln mit der Schote; Sie hat im Gegensatz zur Schote keine Scheidewand im Inneren.
  • Die Samen sind für die menschliche und tierische Ernährung von großer Bedeutung, denn sie enthalten wichtige Eiweiße, Fette und Ballaststoffe.
  • Global gesehen gehören Sojabohnen, Linsen, Kichererbsen und Erdnüsse zu den wichtigsten Nahrungspflanzen der Familie.
Fabaceae blooming
Leguminosen haben eine charakteristische "Schmetterlingsblüte". - Photo by Thomas B.

Ihre Symbiose mit Knöllchenbakterien

Leguminosen können eine Symbiose mit Stickstoff-fixierenden Bakterien (Rhizobien) eingehen. Diese bilden knöllchenartige Verdickungen an den Wurzeln, deshalb werden sie auch oft als Knöllchenbakterien bezeichnet. Diese Knöllchenbakterien können den gasförmigen Stickstoff aus der Luft (N2) in Nitrat (NO3-) umwandeln und ihn so für die Pflanzen verfügbar machen. Dank ihrer Symbiose können Leguminosen auch auf stickstoffarmen Böden wachsen, sie verbessern dadurch sogar die Fruchtbarkeit des Bodens. Die Stickstoff-anreichernden Eigenschaften machen sie in der Landwirtschaft und im Garten außerdem zu einer beliebten Gründüngung. Weitere Infos zum Thema Gründüngung findest du in unserem Artikel "4-jähriger Fruchtwechsel im Garten".

Lupinen sind Stickstoff-Sammler und werden deshalb gerne als Gründüngung eingesetzt.
Lupinen sind Stickstoff-Sammler und werden deshalb gerne als Gründüngung eingesetzt. - Photo by Liana Mikah

Die wichtigsten Kulturpflanzen im Gemüsegarten

Natürlich dürfen die Hülsenfrüchte auch im eigenen Gemüsebeet nicht fehlen. Im Folgenden will ich die beliebtesten Vertreter einmal vorstellen und kleine Tipps zum Anbau geben. Generell empfiehlt es sich, von den ersten Früchten immer einige ausreifen lassen, um das Saatgut zu sichern.

Wichtig: Rohe Bohnen enthalten Phasin und sind giftig. Durch das Kochen werden sie ungiftig, deshalb müssen sie vor dem Verzehr immer gekocht werden!

Erbsen

  • Anbau: Aussaat je nach Sorte im März oder April. Die Saatfurchen zusätzlich mit Maschendraht oder Netzen vor Vögeln schützen. Niedrige Sorten brauchen keine Kletterhilfe, sie stützen sich selbst. Hohe Sorten können beispielsweise durch Maschendrahtzäune gestützt werden.
  • Nährstoffversorgung: Erbsen brauchen kein besonders gedüngtes Beet, im Gegenteil: Starke Stickstoffdüngung macht sie anfällig für Krankheiten und Schädlinge. Bei Gelegenheit kann das Beet im Herbst mit Kompost und Mulchabdeckung vorbereitet werden. Bei Bedarf kann im Frühjahr zusätzlich ein bisschen Steinmehl oder Holzasche gestreut werden.
  • Ernte: 60-75 Tage bis zur ersten Ernte, laufende Ernte sobald die Früchte reif sind. Konservierung v.a. durch Einfrieren.
  • Tipps: Ein freier, sonniger Stand beugt Krankheiten vor. Damit die Stickstoffsammler auch ihre volle Wirkung als Gründüngung entfalten können, sollten die Wurzeln mit den Knöllchenbakterien im Boden bleiben. Nach der Ernte kann das übrige Grün als Mulchmaterial verwendet oder kompostiert werden.
Erbsen sind Hülsenfrüchte
Erbsen bilden eine typische Hülsenfrucht aus.

Buschbohnen

  • Anbau: Je nach Sorte erste Aussaat ab Anfang - Mitte Mai, Folgesaat im Juni bis Anfang Juli. Buschbohnen vertragen sowohl Sonne, als auch Halbschatten. Die Düngung mit Kompost und Mulch reicht völlig aus. Die Erde sollte stets locker und krümelig sein.
  • Ernte: Solange Bohnen nachwachsen, laufend frische Ernte. Die Bohnen vorsichtig abknipsen, nicht reißen! Abreißen verletzt die Pflanze und lässt sie weniger Früchte tragen. Konservierung durch einfrieren, einkochen, trocknen oder in Salz einlegen.
  • Tipps: Stickstoffdüngung vermeiden. Die Wurzeln bleiben mit den Knöllchenbakterien als natürliche Stickstoffanreicherung im Boden.

Stangenbohnen

  • Anbau: Aussaat erst ab Mitte Mai, sonst faulen die Samen in der kalten Erde. In der Pflege sind sie etwas anspruchsvoller, als ihre buschigen Verwandten: Sie brauchen mehr Wärme, Wasser, Nährstoffe und vor allem mehr Platz!
    Als Rankhilfe können 2 m hohe Holzstangen verwendet werden. Diese werden entweder senkrecht eingegraben oder in Reihen aneinander gelehnt und mit einer Querstange stabilisiert. Dabei unbedingt auf die Himmelsrichtung achten, damit die Bohnen sich nicht zu sehr selbst beschatten. Alternativ dazu kann aus den Stangen auch ein "Bohnentipi" (=Zelt) gebaut werden, das vor allem bei unseren Nachwuchs-Gärtnern sehr beliebt ist.
  • Nährstoffversorgung mit Kompost und organischem Dünger mit geringem Stickstoffanteil wie z.B. Holzasche oder Knochenmehl.
  • Ernte: Die Reifezeit bis zur ersten Ernte beträgt je nach Sorte ca. 75-100 Tage. Laufend frische Ernte über den Sommer verteilt. Junge, zarte Bohnen schmecken am feinsten. Die Stangenbohnen also früh ernten und nicht hängen lassen, bis sie hart werden. Konservierung durch einfrieren oder in Salz einlegen. Ganze Bohnen oder Samen können getrocknet werden.
  • Tipps: Stangenbohnen mögen reichlich Feuchtigkeit. Um der Verbreitung von Pilzkrankheiten vorzubeugen, solltest du die Bohnen bei nassem Wetter weder anfassen, noch ernten. Die Bohnenreihen können als Windschutz für empfindliche Kulturen (z.B. Gurken) platziert werden.
Gemüsegarten mit Stangenbohnen
Je nach Platz und Verwendung kann die Rankhilfe für Stangenbohnen unterschiedlich angeordnet werden. Hinten im Bild: "Bohnentipi"

Feuerbohnen (Prunk-, Wollbohnen)

  • Anbau: Feuerbohnen sind relativ robust, sie gedeihen auch auf weniger guten Böden und in raueren Lagen. An solchen Standorten empfiehlt es sich also eher Feuerbohnen, statt die Wärme-liebenden Stangenbohnen anzupflanzen. Die Bohnen klettern an Stangen, Zäunen, Balkongittern oder Ähnlichem hoch. Erste Aussaaten je nach Witterung Anfang bis Mitte Mai.
  • Ernte: Die kräftigen Hülsen unbedingt ernten solange sie jung und zart sind, später werden sie hart und "wollig".
  • Tipps: Feuerbohnen bilden grüne, dichte Blattvorhänge und können deshalb als Wind- und Sichtschutz verwendet werden. Die feurigen Schmetterlingsblüten sind außerdem ein sehr schöner Blickfang im Garten.

Puffbohnen (Dicke Bohnen, Pferde-, Acker-, Saubohnen)

  • Anbau: Puffbohnen gibt es schon länger in Europa, als ihre Verwandten aus Mittel- und Südamerika, deshalb sind sie besser an unser Klima angepasst. Sie sind nicht sehr kälteempfindlich und sollen je nach Klima sogar schon im Februar oder Anfang März gesät werden. Frühzeitige Wärme macht sie nämlich anfälliger für Schädlinge. Auch die Puffbohnen sollen nicht auf frisch gedüngten Beeten stehen, eine Kompostversorgung reicht hier aus.
  • Ernte: Es vergehen 120-150 Tage bis zur ersten Ernte. Geerntet werden die halbreifen grünen Hülsen, solange die Naht noch hell gefärbt ist. Gekocht und verspeist werden die dicken, zarten Samen.
  • Tipps: Puffbohnen sind anfällig für schwarze Läuse. Eine frühe Aussaat, sowie ein luftiger Stand können vorbeugend wirken.
beans
Es gibt eine große Vielfalt an verschiedenen Bohnensorten. Die bunten Farben und Muster erinnern an kleine Edelsteine und machen Lust zu experimentieren, schließlich isst das Auge mit.

Das war der erste Artikel in unserer neuen Serie der Pflanzenfamilien. Wir begleiten dich durch die Saison und liefern wertvolles Hintergrundwissen zu deinen liebsten Gemüsepflanzen!

Nächstes Mal: Die Zucchini als Vertreterin der Kürbisgewächse. Um keinen Artikel mehr zu verpassen, folge uns auf Instagram und Facebook oder melde dich direkt zu unserem Newsletter an.

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