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Dein eigenes Hügelbeet anlegen - Eine Anleitung

26.08.2020 . Lesezeit: 9 Minuten

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Isabell

Isabell (23) studiert Agrarbiologie und liebt es von der Natur und ihrer Komplexität immer wieder auf's Neue überrascht zu werden. Kräuter - egal ob wild gesammelt oder im Garten - sind ihre Leidenschaft.

Hügelbeete geben nicht nur etwas fürs Auge her, sondern bieten auch einige Vorteile für den Gärtner. Gartenabfälle lassen sich verwerten, indem sie ins Innere des Hügels eingebaut werden. Dir wird die Arbeit etwas erleichtert, da du dich nicht so tief Bücken musst. Die Idee ist, dass man durch der verrottende Pflanzenmaterial im Inneren des Hügels einen Boden schafft, in dem stets neue Nährstoffe freigesetzt werden. Durch den steilen Winkel am "Hang" des Beets bleibt der Boden zudem schön locker. Die Wurzeln deines Gemüses haben es dadurch einfacher zu wachsen. Wie du so ein Hügelbeet aufbaust und was es dabei zu beachten gibt, erfährst du in diesem Artikel.

Auf einen Blick:

  1. Grasnarbe, Beikräuter und Boden 10-20 cm ausheben (Aufheben)
  2. Größere Äste/Holzstücke als Gerüst platzieren
  3. Gartenabfälle wie Erntereste, Heckenschnitt, Laub oder Stroh auf Holz geben. Beikräuter und Grasnarbe mit der Wurzel nach oben legen
  4. Kompost oder Mist als nächste Schicht auftragen, Gesteinsmehl und Asche optional untermischen
  5. Ausgehobene Erde und bei Bedarf Gartenerde darüberschichten
  6. Als oberste Schicht: Mulch

Allgemeines

Ursprünglich stammen Hügelbeete aus China. Die dort eher flacheren Hügel lieferten den Bauern reiche Ernten, wodurch sie immer populärer wurden und sich schließlich auch in die westliche Welt verbreiteten. Einige Kulturen wie Schalotten, Gurken oder Kartoffeln werden noch heute angehäufelt oder auf erhöhten Standorten kultiviert. Durch das verrottende Material im Kern, werden stetig Nährstoffe freigesetzt und versorgen so ganzjährig dein Beet mit Nachschub. Dadurch musst du so gut wie nicht Düngen. Hügelbeete lassen sich prima in verschiedenste Gärten integrieren sind mit dem Prinzip der Permakultur vereinbar. Wie bereits schon erwähnt bieten Hügelbeete einige Vorteile, vom optisch ansprechenden Aussehen ganz abgesehen. Durch die Form schaffst du Kleinklima-Zonen, welche die unterschiedlichsten Ansprüche verschiedener Gemüse erfüllen. Neben einer erhöhten Wasserspeicherkraft, erwärmt sich der Boden im Frühling schneller und ermöglicht es dir auch bei eher rauem Klima wärmeliebende Kulturen anzubauen. Auch die Drainage ist durch den lockeren Kern optimal. Die Kompostierung erfolgt also schon direkt in deinem Beet. Zu guter Letzt wird die Oberfläche deines Beets vergrößert, wodurch du Anbaufläche dazu gewinnst.

Standortwahl

Für Hügelbeete sind fast alle Standorte geeignet. Der Boden muss nicht der beste sein, da du durch den Aufbau des Hügels sozusagen "guten" Boden herstellst. Das Pflanzenmaterial welches dem Beet die Form verleiht, bietet vielen Bodenlebewesen Nahrung. Dabei werden wichtige Nährstoffe, die dein Gemüse zum Wachstum benötigt, freigesetzt. Dadurch entsteht von innen heraus guter Boden, auf dem dein Gemüse gedeihen wird. Du ersparst dir nebenbei viel Arbeit bei der Kompostierung, da dieser Prozess ja schon von sich aus im Hügel vonstatten geht. Hier erfährst du mehr darüber, wie du deinen Boden verbessern kannst.

Hügelbeete lassen sich durch ihre unterschiedlichen Formen perfekt an die Bedürfnisse des Gärtners anpassen.

Ausrichtung

Viele Hügelbeete sind von Nord nach Süd ausgerichtet, da so fast der komplette Hügel optimal der Sonne ausgesetzt ist. Allerdings ist dir und deiner Kreativität freier Lauf gelassen, denn du solltest dir immer zuerst überlegen, welche Bedingungen in deinem Garten vorliegen. Ist es eher kalt und windig, kann dein Hügelbeet so ausgerichtet sein, dass eine Seite vom Wind geschützt ist. Dort können empfindlichere Kulturen, wie Tomaten, Paprika, Gurken oder Zucchinis gepflanzt werden. Für die windausgesetzte Seite kannst du robustere Pflanzen wie Kohl oder Gräser wählen. Bei feuchten Böden, schaffst du trockenere Bedingungen auf dem Rücken deines Beetes. Zwischen zwei Hügelbeeten kannst du dann sogar einen natürlichen Teich entstehen lassen, der im Sommer zum bewässern genutzt werden kann. Auf trockenen Standorten, schaffst du zwischen den Hügelbeeten ein feuchteres Klima, auf dem wasserbedürftigere Kulturen besser gedeihen. In heißen Regionen sorgen Hügelbeete für den notwendigen Schatten, den einige Pflanzen zum gedeihen brauchen. Es empfiehlt sich also erstmal deinen Garten genau unter die Lupe zu nehmen, bevor du zu voreilig ein Hügelbeet anlegst. Auch bei der Form gibt es im Prinzip keine feste Regel. Du kannst dein Hügelbeet in Wellenlinien, als Halbmonde oder Kreise anlegen. Falls du Hügelbeete in Hanglagen anlegen möchtest, sollten die Beete nicht parallel zum Hang verlaufen, da das Wasser sonst nicht richtig ablaufen kann. Dadurch kann es zu Staunässe und im schlimmsten Fall zu Erdrutschen kommen.

Ein Hügelbeet anlegen

  1. Entferne Beikräuter oder die Grasnarbe, je nach Standort. Hebe den Boden 10-20 cm tief aus. Behalte das ausgehobene Material bzw. die Grasnarbe, denn du wirst sie später wieder brauchen. Wie breit oder lang du dein Hügelbeet anlegst, ist vollkommen dir überlassen. Je höher du es haben willst, desto breiter musst du es zu Beginn auch anlegen. Bei einer Breite von 60 cm kannst du dein Beet noch gut von beiden Seiten erreichen. Die Höhe des Beetes sollte dann mindestens 30 cm betragen, damit die Neigung des Hügels mindestens 45° beträgt. Diese Neigung verhindert, dass dein Hügelbeet verdichtet. Verdichtung im Boden kann zu schlechtem Wurzelwachstum und verringerter Sauerstoffzufuhr führen. Wenn du also keine größeren jährlichen Ausbesserungsmaßnahmen vornehmen möchtest, versuche die Mindestneigung einzuhalten.
  2. Das "Gerüst" für dein Beet bilden größere Äste oder Holzstücke. Achte darauf, Totholz zu verwenden, da sich bei noch grünem Holz Stecklinge bilden können, welche im Folgejahr austreiben. Bringe das Holz in die gewünschte Form und Höhe. Dabei sollst du natürlich kein "Gerüst" bauen, sondern die Holzstücke aufeinander Schichten, sodass du darauf ein Hügel aufbauen kannst. Aber denke daran: Je größer diese Schicht wird, desto mehr Material brauchst du in den folgenden Schichten. Das grobe Holz zersetzt sich nur langsam und nachhaltig, sodass auch nach mehreren Jahren noch Nährstoffe freigesetzt werden können. Durch die wechselnde Bodenfeuchte, bei der sich das Material ständig ausdehnt und zusammenzieht, bleibt der Boden locker.
  3. Als zweite Schicht trägst du Gartenabfälle wie Erntereste, Heckenschnitt, Laub oder Stroh auf. Auch die Grasnarbe oder die Beikräuter kannst du umgedreht (sodass die Wurzeln nach oben zeigen) verwenden. Verwende am besten das, was sowieso in deinem Garten vorhanden oder übrig ist. Beginne mit dem gröberen Material und trage das feinere als letztes auf.
  4. Die nächste Schicht bildet Kompost oder Mist. Zudem kannst du Gesteinsmehl oder Asche mit einem Rechen untermischen, um die Nährstofffreisetzung zu beschleunigen. Diese feinen Strukturen, aktivieren Bodenmikroben, welche die ersten Zersetzungsprozesse initiieren.
  5. Darüber gibst du deine ausgehobene Muttererde. Falls diese nicht ausreicht, kannst du auch gekaufte Gartenerde verwenden. Achte darauf dieser Pflanzschicht die nötige Dicke zu verleihen, die du brauchst, falls du direkt mit der Bepflanzung loslegen möchtest. Sie sollte ca. 15-25 cm hoch sein.
  6. Als letztes kannst du optional eine Mulchschicht auftragen. Das verhindert, dass sich unerwünschte Beikräuter auf deinem Hügelbeet ausbreiten. Zudem werden Feuchtigkeitsverluste vermindert. Du kannst dein Beet auch mit Steinen umranden. Das sieht nicht nur schön aus, sondern hält zusätzlich Beikräuter fern.
Auch mehrjährige Gewächse wie Sträucher oder Büsche können auf Hügelbeeten gepflanzt werden. Eine Mulchschicht aus Stroh schützt vor Beikräuterbewuchs sowie Verdunstung.

Was es zu beachten gibt

  • Verrottendes Material wie Holz oder Blätter liegen normalerweise als Streuschicht auf dem Boden auf. Für die Zersetzung der Streu benötigen die Mikroorganismen ausreichend Sauerstoff. Deshalb solltest du beim Hügelbeet darauf achten, die Auflageschichten nicht zu fest auf dein Holzgerüst im Herzen des Hügels zu drücken. So kann noch genug Sauerstoff ins Innere des Beets gelangen und das Holz kann sich langsam zersetzen. Unter sauerstoffarmen Bedingungen kann es sonst zur Fäulnisbildung kommen.
  • Gerade in heißen, trockenen Sommern kann der Hügel rasch austrocknen. Die Feuchtigkeit kann zwar gut nach unten abfließen, jedoch nur schwer aus dem ursprünglichen Boden wieder aufsteigen. In den ersten Jahren solltest du daher ausreichend Bewässern und eine Mulchschicht auftragen, um Verdunstung zu vermeiden.
  • Mäuse und Wühlmäuse fühlen sich in Hügelbeeten besonders wohl. Falls du also schon mit den kleinen Plagegeistern zu kämpfen hast, ist ein Hügelbeet eher ungünstig. Allerdings lassen sich die Nager durch Abwehrpflanzen wie Kaiserkrone, Kreuzblättrige Wolfsmilch oder Knoblauch vertreiben. Topinambur kann als Lockmittel die Wühlmäuse gezielt von anderen Kulturen fernhalten.
  • Ein Hügelbeet kann zwischen 5 und 10 Jahre alt werden, je nach dem wie viel organisches Material im Inneren verrotten kann. Nach dieser Zeit ist daraus Humus entstanden, welcher wieder für die oberen Schichten neuer Hügelbeete verwendet werden kann. Während das Hügelbeet vor sich hin altert, kannst du allerdings immer wieder mit Kompost von oben nachbessern.
Nitratanreichernde Pflanzen wie Spinat, Radieschen und Rettich sollten erst ab dem 3. Jahr auf dem Hügelbeet gepflanzt werden.

Bepflanzung des Hügelbeets

Du hast es geschafft: Dein Hügelbeet steht und ist nun bereit bepflanzt zu werden. Gerade am Anfang kann durch den Verrottungsprozess viel Nitrat freigesetzt werden. Deshalb solltest du in den ersten beiden Jahren vermeiden, nitratanreichernde Pflanzen wie Spinat, Radieschen, Rettich oder Salat anzubauen. Gerade bei Salat und Spinat kann es zu gesundheitsgefährdenden Nitratmengen in den Blättern kommen. Setze erstmal auf Starkzehrer wie Kürbisgewächse, Tomaten oder Kohl. Diese verwerten den überschüssigen Stickstoff und wachsen dabei hervorragend. Ab dem 3. Jahr ist der Anbau von Schwachzehrern unbedenklich.

Wir wünschen dir viel Erfolg beim Anlegen deines eigenen Hügelbeets und eine reiche Ernte. Falls du Fragen oder Anregungen zum Thema Hügelbeete hast schreib uns gerne unter magazin@alphabeet.org. Um keinen Artikel mehr zu verpassen folge uns auf Instagram oder Facebook. Außerdem kannst du dich direkt zu unserem Newsletter anmelden.

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