blog-article-banner-image

Heißer Kompost: Schneller zum eigenen Dünger

06.10.2020 . Lesezeit: 8 Minuten

Hinter diesem Artikel

author image
Jonas

Jonas (22) hat Agrarbiologie studiert. Seine Leidenschaft für Pflanzen und das Gärtnern entdeckte er durch ein Praktikum bei einer Permakultur NGO. Seitdem gärtnert er auf seinem Balkon und in Gemeinschaftsgärten.

Kompost ist aus dem ökologischen Anbau von Gemüse nicht wegzudenken. Ohne diesen Dünger würden viele Kulturen nur schlecht wachsen und kümmerliche Ernten ermöglichen. Auch für das Bodenleben stellt Kompost eine hervorragende Nahrungsquelle dar und sorgt somit für einen gesunden Boden, der viel Kohlenstoff speichern kann.

Man könnte fast sagen, Kompost ist der perfekte Dünger - wenn da nicht die lange Herstellungsdauer wäre. Doch auch für dieses Problem gibt es eine Lösung: heißer Kompost. Innerhalb weniger Wochen verwandelt diese Methode die Ausgangsmaterialien in schwarzes Gold. Wie das geht erfährst du in diesem Artikel.

Auf einen Blick:

  • Kohlenstoff und Stickstoff im Verhältnis 25:1
  • Das bedeutet: braunes und grünes Material im Verhältnis 3:1
  • Material zerkleinern und gut durchmischen
  • Wässern, bis alles feucht ist, jedoch nicht tropfnass
  • Zu einem Haufen auftürmen und jeden Tag die Temperatur überprüfen
  • Wenn der Haufen abkühlt, umgraben um frischen Sauerstoff ins Innere zu bringen
  • Nach 3-6 Wochen ist der Kompost fertig

Heißer Kompost: Wie funktioniert das?

Um es gleich mal vorweg zu sagen: heiß kompostieren ist nichts für Faule. Diese Methode ist deutlich arbeitsintensiver als der klassische Komposthaufen, der nach und nach mit Garten- und Küchenabfällen gefüllt wird. Doch wenn Du schnell viel Kompost brauchst um zum Beispiel ein Hochbeet anzulegen oder im Herbst deine Starkzehrer-Beete zu düngen, kann sich diese Methode durchaus lohnen.

Die grundsätzliche Idee ist, den Mikroorganismen im Kompost die Arbeit so leicht wie möglich zu machen, in dem Du ihnen perfekte Bedingungen schaffst. Dazu gehören, das richtige Verhältnis von Kohlenstoff zu Stickstoff, zerkleinerte Materialien, regelmäßige Durchlüftung und ein konstanter Wassergehalt.

Solche Holzstücke (genannt "Hackschnitzel") sind reich an Kohlenstoff und sind daher eine gute Basis für einen heißen Kompost.

Stickstoff und Kohlenstoff: Das Verhältnis muss stimmen

Der wichtigste Faktor der über den Erfolg deines heißen Komposts entscheidet ist das Verhältnis von Kohlenstoff zu Stickstoff. Dieses sollte in etwa bei 25:1 liegen. Diese Zahl ist zwar schön und gut, hilft allerdings nicht wirklich bei der Auswahl der Materialien. Um die Sache ein wenig klarer zu machen, hilft es sich vor Augen zu führen welche Materialien mehr Stickstoff und welche mehr Kohlenstoff enthalten.

"Braune" Materialien (reich an Kohlenstoff)

  • Stroh oder Heu
  • trockenes Laub
  • Zweige und holzige Pflanzenteile
  • Unbedruckter und unbeschichteter Karton
  • Papier
  • Sägespäne und Hackschnitzel

"Grüne" Materialien (reich an Stickstoff)

  • frischer Grasschnitt
  • Küchenabfälle
  • Mist
  • Kaffeepulver
  • Grünschnitt und Unkräuter die noch keine Samen tragen

All diese Materialien haben unterschiedliche Stickstoff zu Kohlenstoff Verhältnisse. Verwendet man eine Mischung einiger der oben genannten Materialien, ist ein Verhältnis von 3 Teilen braunem Material zu 1 Teil grünem Material ein guter Richtwert.

Küchenabfälle sind meist reich an Stickstoff und können daher im Verhältnis 1:3 mit braunem Material gemischt im heißen Komposthaufen verwertet werden.

Vorbereitung

Im Optimalfall hast Du zum Start deines Komposthaufens genügend der oben genannten Materialien um einen Komposthaufen von mindestens 1 m³ Volumen zu errichten. Wenn der Haufen viel kleiner ist, wird er sich nicht richtig erwärmen und der Abbau Prozess dauert sehr lange. Größer darf der Haufen immer sein, denn je größer er ist, desto wärmer wird er und desto schneller ist der Kompost fertig.

Wenn in deinem Garten nicht genügend Material anfällt um einen ausreichend großen Haufen anzulegen, kannst Du bei Wertstoffhöfen, Jugendfarmen oder beim Bauern deines Vertrauens nachfragen, ob Du dir ein wenig Grünschnitt, Mist oder auch den ein oder anderen Strohballen abholen kannst.

Ein Behältnis ist für den Kompost im Prinzip nicht nötig, die Pflege ist sogar leichter, wenn Du die Materialien einfach zu einem Haufen auftürmst. Da der Kompost allerdings nicht zu nass werden darf, ist eine überdachte Stelle oder eine Plane zum abdecken jedoch von Vorteil.

Herbstlaub eignet sich auf Grund seiner feinen Struktur und seines hohen Kohlenstoffgehalts super zum "Nachsteuern" falls der Komposthaufen zu nass ist oder üble Gerüche von sich gibt.

Start des Schnellkomposts

Um den beschleunigten Kompostierprozess zu starten solltest Du alle Materialien so stark wie möglich zerkleinern. Das geht am allerbesten mit einem Häcksler, doch auch ein Rasenmäher, mit dem Du einige Male über die Ausgangsstoffe fährst eignet sich. Je kleiner die Partikel, desto mehr Oberfläche gibt es, an der die Mikroorganismen angreifen können.

Hast du alle Materialien zerkleinert vermischt du sie einfach mit einer Grabgabel oder einer Schaufel. Die Verwendung von kommerziellen "Kompostaktivatoren" bietet keinen Vorteil, denn auch ohne Starterkultur siedeln sich die richtigen Mikroorganismen mit der Zeit in deinem Komposthaufen an. Durch die Zugabe von ein bis zwei Schaufeln fertigem Kompost kannst du deinem Kompost jedoch einen kleinen "Schubs" in die richtige Richtung geben. Auch ein abwechselndes Aufschichten der Materialien ist nicht nötig - je besser durchmischt dein Kompost ist, desto schneller können die Mikroben arbeiten.

Wenn alles gut durchmischt ist, türmst du die Ausgangsmaterialien einfach zu einem Haufen auf. Jetzt solltest Du den Haufen noch Wässern, sodass er gut feucht, jedoch nicht tropfnass ist. Die richtige Feuchte hat dein Kompost, wenn er sich anfühlt wie ein ausgewrungener Schwamm. Ist er zu feucht können sich sogenannte anaerobe Bakterien ansiedeln. Diese machen den "guten" aeroben Kompostbakterien Konkurrenz, sorgen für üble Gerüche und verlangsamen den Umwandlungsprozess.

In der Industriellen Kompostherstellung wird das Wenden mit Maschinen erledigt. Im Hausgarten sind Grabgabel und Schaufel wohl ausreichend.

Pflege des Komposthaufens

Wenn du alles richtig gemacht hast, sollte sich der Komposthaufen nach ein paar Tagen erwärmen. Du solltest am Anfang täglich die Temperatur des Haufens überprüfen. Das kannst du entweder mit einem Bodenthermometer machen, oder du steckst einfach deine Hand in den Komposthaufen. Unter optimalen Bedingungen kann ein heißer Kompost bis zu 70°C heiß werden. Aber auch eine Temperatur von 50°C ist schon in Ordnung. Du weißt also ob dein Kompost die richtige Temperatur hat, wenn er unangenehm heiß ist.

Sollte sich dein Kompost nicht richtig erwärmen kann das entweder daran liegen, dass er zu trocken ist, oder dass er zu wenig Stickstoff enthält. Beides ist kein Weltuntergang, denn Du kannst einfach mit mehr Wasser oder grünem Material nachsteuern.

Wenn dein Kompost unangenehme Gerüche von sich gibt, kann es sein, dass Du zu viel grünes Material zugegeben hast oder der Komposthaufen zu nass ist. In beiden Fällen kann die Zugabe von trockenem braunem Material helfen.

Wenn du alles richtig gemacht hast sieht der Kompost nach 3-6 Wochen so aus.

Sauerstoffzufuhr: Regelmäßiges Wenden hilft

Es ist ganz normal, dass dein Komposthaufen nach einiger Zeit beginnt abzukühlen. Das liegt daran, dass dem Haufen "die Puste ausgeht" - die Mikroorganismen haben nicht genügend Sauerstoff um mit voller Kraft zu arbeiten. Um dem Abbau wieder neuen Schwung zu geben kannst Du den Haufen mit einer Grabgabel umgraben. Es empfiehlt sich auch, das Material, das weiter außen liegt, nach innen zu schaffen, um sicherzustellen, dass auch die äußeren Schichten richtig abgebaut werden.

Das Umgraben ist außerdem ein guter Moment um die Feuchtigkeit im Inneren zu überprüfen und den Haufen gegebenenfalls zu wässern oder trockenes Material hinzuzufügen. Nach dem Wenden sollte die Temperatur innerhalb weniger Tage wieder deutlich ansteigen.

Wenn Du alles richtig gemacht hast, sollte dein Komposthaufen nach drei bis sechs Wochen zu dunklem, krümeligem Humus zerfallen sein. Diesen kannst du jetzt einfach als Dünger auf deinen Beeten, oder zum Befüllen eines Hochbeetes verwenden.

Wir hoffen Du fandest diesen Artikel spannend und hast etwas gelernt. Solltest Du noch Fragen oder Anregungen haben, schreib uns doch einfach eine E-Mail an magazin@alphabeet.org. Um keinen Artikel mehr zu verpassen folge uns auf Social Media oder melde dich zu unserem Newsletter an.

alphabeet -Mit uns brauchst Du keinen grünen Daumen!

Verpasse keine Updates!

Mit dem alphabeet Newsletter bekommst du alle wichtigen Updates und Magazin-Artikel direkt in dein Postfach.