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Annabell

Annabell (23) studiert Agrarbiologie an der Uni Hohenheim. Auch privat gärtnert sie gerne, verbringt viel Zeit in der Natur und liebt es kreativ zu sein.

Im Winter ist frisches Gemüse aus dem Garten rar, dennoch gibt es einige Spezialisten. Der Grünkohl kann den ganzen Winter über im Beet stehen und ist zudem noch besonders nährstoffreich! Wie du das gesunde Wintergemüse erfolgreich anbauen kannst, erfährst du in diesem Artikel.

Auf einen Blick:

  • Aussaat ab Mitte Mai - Juni
  • Pflanzung von Juni - Anfang August
  • Ernte ab November bis ins Frühjahr
  • Saattiefe: 2 cm
  • Pflanzabstand: 40x50 cm
  • Standort: sonnig bis halbschattig
  • Boden: nährstoff- und humusreich, Beetvorbereitung mit Kompost oder Mist
  • Gute Nachbarn: Tomaten, Bohnen, Endivie, Kopfsalat, Pflücksalat, Erbsen, Kartoffeln, Lauch, Mangold, Rote Bete, Sellerie, Spinat, Radicchio, Beifuß, Dill, Kamille, Koriander, Kümmel und Pfefferminze
  • Schlechte Nachbarn: Erdbeeren, Knoblauch, Zwiebeln, Senf und alle anderen Kreuzblütler
  • Fruchtfolge: Gute Nachkultur für Frühkartoffeln
  • Fruchtwechsel: mind. 3 Jahre Pause zwischen Kohlgewächsen

Allgemeines zum Grünkohl

Der Grünkohl (Brassica oleracea var. sabellica) gehört zur Familie der Kreuzblütler (Brassicaceae) und ist somit mit Radieschen, Rotkohl und Rosenkohl verwandt. Er bildet einen hohen, stabilen Stängel, an dem mehr oder weniger gekrauste Blätter wachsen. Unter den Kohlsorten gilt der Grünkohl als einer der gesündesten. Er enthält viele Ballaststoffe und hat ebenso wie Rosenkohl einen höheren Proteingehalt als andere Kohlsorten. Zudem enthält er einen beträchtlichen Anteil an Eisen, sowie die Mineralstoffe Kalium und Kalzium. Er liefert fast alle B-Vitamine, die Vitamine E und C, sowie Provitamin A. Aufgrund seines hohen Protein- und Eisengehaltes ist Grünkohl vor allem für Vegetarier und Veganer eine super Ergänzung für eine vollwertige Ernährung.

Die krausen Blätter des Grünkohls sind besonders reich an Vitaminen und Mineralstoffen. - Foto von ulleo auf pixabay

Der beste Standort

Grünkohl ist bescheidener in seinen Ansprüchen als Kopfkohl und Rosenkohl. Ihm genügt ein halbschattiges Plätzchen im Garten, volle Sonne schadet ihm jedoch auch nicht. Wie alle Kohlarten bevorzugt er humus- und nährstoffreiche Böden, er ist jedoch weniger hungrig als seine starkzehrenden Verwandten. Grünkohl kann auch auf leichten Sandböden wachsen, du solltest den Boden jedoch ein wenig vorbereiten. Zur besseren Wasser- und Nährstoffspeicherung kannst du deinen Sandboden mit reifem Kompost oder verrottetem Mist anreichern. Hier findest du weitere Infos zum Thema Bodenverbesserung und was es dabei zu beachten gibt. Grünkohl bleibt den ganzen Winter über auf dem Beet, er erträgt Temperaturen bis zu - 15 °C und kann auch in der kalten Jahreszeit stets frisch geerntet werden.

Fruchtfolge, Fruchtwechsel & Mischkultur

Idealerweise wächst Grünkohl nach einem Jahr mit stickstoffsammelnden Leguminosen wie Bohnen oder Erbsen. Sie reichern den Boden mit Stickstoff an und schaffen so eine nährstoffreiche Grundlage für den Kohl. Achte darauf eine Anbaupause von mindestens drei Jahren zu anderen Kohlgewächsen einzuhalten. War dein Kohl von Krankheiten befallen, sind sogar fünf bis sechs Jahre zu empfehlen. Im selben Jahr eignet sich Grünkohl als Nachkultur für Kartoffeln.

Gute Nachbarn sind Tomaten, Bohnen, Endivie, Kopfsalat, Pflücksalat, Erbsen, Kartoffeln, Lauch, Mangold, Rote Bete, Sellerie, Spinat und Radicchio. Außerdem eignen sich Kräuter wie z.B. Beifuß, Dill, Kamille, Koriander, Kümmel und Pfefferminze.

Schlechte Nachbarn sind Erdbeeren, Knoblauch, Zwiebeln und Senf. Generell solltest du andere Kreuzblütengewächse (z.B. Rettich, Radieschen, andere Kohlsorten) als Nachbarn meiden, um Schädlingen wie der Kohlhernie vorzubeugen!

Radieschen gehören auch zu den Kreuzblütlern und sollten nicht neben Grünkohl gepflanzt werden.

Grünkohl-Sorten

Extrem frostharte, späte Sorten sind i.d.R. dunkel- und blaugrün gefärbt. Frühere Sorten haben eine hellere Farbe.

  • Vitessa: Frühe Sorte mit hellgrünen, fein gekräuselten Blättern.
  • Ostfriesische Palme: Traditionelle, hohe Sorte (auf nährstoffreichen Böden bis zu mannshoch). Aussaat bereits ab Mitte April.
  • Niedriger Grüner Krauser: Höhe etwa kniehoch, dadurch besonders standfest und auch für kleine Gärten geeignet.
  • Vates Blue Curle: Frostfeste, niedrige Sorte.
  • Westwälder Winter: Stark krause, blau-grüne Blätter. Kann bis März geerntet werden.
  • Lerchenzungen: Winterharte, halbhohe Sorte mit langen, schmalen Blättern.
  • Halbhoher Grüner Krauser: Dunkelgrüne, frostharte Sorte mit hohen Erträgen. Lässt sich besonders gut einfrieren.
  • Westländer Winter: Traditionelle, biologische Züchtung.
  • Nero di Toscana: Italienische Sorte mit palmenartigem Wuchs und stahlblauen Blättern. Besonders dekorativ, der Geschmack erinnert an Brokkoli.

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Der dekorative Palmkohl 'Nero di Toscana' ist eine Variation des Grünkohls. - Foto von Capri23auto auf pixabay

Grünkohl säen & pflanzen

Deine Setzlinge kannst du ab Mitte Mai bis Juni in kleinen Töpfen vorziehen. Da es zu dieser Jahreszeit bereits ziemlich warm ist, kannst du die Töpfe im Freiland platzieren. Durch das Außenklima wachsen die Jungpflanzen gesünder heran und werden insgesamt robuster. Bereite das Pflanzloch im Beet gut mit Kompost oder verrottetem Mist vor. Pflanze die Setzlinge anschließend von Juni bis Anfang August mit 40 x 50 cm Abstand. Durch die späte Pflanzung können größere Lücken im Beet aufgefüllt werden. Setze die Jungpflanzen ein paar Zentimeter tiefer in die Erde, als sie im Topf gestanden haben - so werden sie standfester. Alternativ dazu kann Grünkohl ab Mitte Mai direkt ins Beet gesät werden. Ziehe dafür Reihen mit 2 cm Tiefe und lege alle 15 cm einen Samen in die Vertiefung. Auf diese Weise kannst du deinen Grünkohl vorerst wie Spinat ernten und später einige Pflanzen auswachsen lassen. Schneide dafür immer die äußersten Blätter ab und lasse das Herz stehen, hier wachsen neue Blätter nach.

Grünkohl richtig pflegen

Wie alle Kohlsorten benötigt Grünkohl eine gleichmäßige Bodenfeuchte, um gesund heranzuwachsen. Vor allem im Hochsommer, wenn sich die großen Blattflächen ausbilden, solltest du deinen Kohl regelmäßig bewässern. Mulch kann dabei helfen, den Boden feucht zu halten und das Bodenleben anzuregen. Hierzu eignet sich beispielsweise frischer Rasenschnitt, der gleichmäßig auf dem Beet verteilt wird. Je höher die Pflanze wird, desto standfester sollte sie sein. Im Laufe der Zeit kannst du deinen Grünkohl deshalb ab und zu anhäufeln, das fördert das Wurzelwachstum und die Stabilität. Während der Hauptwachstumszeit kann alle zwei Wochen mit etwas Brennnesseljauche oder Komposttee gedüngt werden. Wer Probleme mit dem Kohlweißling hat, sollte eher zum Komposttee greifen, da Brennnesseljauche die weißen Falter anlocken kann.

Krankheiten & Schädlinge

Als Vorbeugung von Schädlingen sollte unbedingt eine Anbaupause von mindestens drei Jahren zwischen Kreuzblütlern eingehalten werden. Bei Krankheitsbefall sollte diese auf fünf bis sechs Jahre verlängert werden.

Kohlhernie: Eine Pilzerkrankung, die die Wurzeln befällt und diese klumpig verdickt. Streue zur Vorbeugung einen Esslöffel Algenkalk ins Pflanzloch und halte die Anbaupause zwischen Kreuzblütlern ein.

Weiße Fliegen: Sie sitzen auf der Blattunterseite und saugen am Pflanzensaft, sodass die Blätter klebrig werden. Hier kann das Spritzen mit Neemöl helfen.

Kohlweißling: Die Raupen fressen die Blätter und hinterlassen ihren Kot. Sie sind sehr gefräßig und können ganze Pflanzen kahlfressen. Nach dem Pflanzen sollten die Setzlinge deshalb mit Gemüseschutznetzen abgedeckt werden.

Erdflöhe: Sie fressen bei trockenem Wetter Löcher in die Blätter. Ein gleichmäßig feuchter Boden (z. B. durch Mulch) kann vorbeugend wirken.

Ernte immer zuerst die äußeren Blätter und lasse das Innere stehen, hier wächst Grünkohl immer wieder nach. - Foto von atrix9 auf pixabay

Grünkohl ernten & verarbeiten

Ernte deinen Grünkohl erst nach den ersten Frösten, nur dann schmeckt er richtig gut. Allgemein gilt: Je länger dein Grünkohl den winterlichen Temperaturen ausgesetzt ist, desto süßer und milder wird sein Geschmack. Die eingelagerte Stärke wird bei kühlen Temperaturen in Zucker umgewandelt, Minusgrade sind dazu jedoch nicht dauerhaft erforderlich. Die Haupterntezeit erstreckt sich i.d.R. von November bis Januar, im Frühjahr können jedoch gelegentlich noch frische, junge Triebe nachgeerntet werden. Generell erntet man beim Grünkohl zuerst die äußeren Blätter. Sie sind zäher als die jungen Blätter und sollten daher länger gegart werden. Besonders fein schmecken hingegen die inneren, jungen Blätter. Sie sind besonders aromatisch und werden nicht umsonst als Herz bezeichnet. Damit der Grünkohl bei milder Witterung weiterwachsen kann, solltest du den Strunk und das Herz stehen lassen. Lagern lässt er sich am besten lebend auf dem Beet, ähnlich wie Lauch. Im Kühlschrank halten sich die Blätter nur wenige Tage, du kannst ihn jedoch bedenkenlos einfrieren. Traditionell wird Grünkohl gerne als Beilage zu Fleisch zubereitet, sehr beliebt sind momentan jedoch auch selbstgemachte Grünkohl-Chips. Achte beim Kochen darauf, den Grünkohl möglichst langsam zu erhitzen, so bleiben die meisten Vitamine erhalten.

Grünkohl-Chips: So einfach geht's

Du benötigst 500 g frischen Grünkohl, 4 EL Pflanzenöl, Salz und Pfeffer, sowie 2 EL Sesampaste oder Erdnussbutter nach Geschmack. Die Zubereitung ist sehr einfach und geht schnell: Den Grünkohl zupfen und von starken Stängeln befreien. Anschließend die Marinade aus Sesampaste, Öl, Salz und Pfeffer anrühren, die Grünkohlstücke in Marinade tauchen und auf ein mit Backpapier belegtes Backblech legen. Schließlich im Ofen bei 140 °C ungefähr 20 Minuten sanft backen.

Rezept Quelle: https://www.smarticular.net/unglaublich-lecker-gesunde-knabberei-aus-gruenkohl/

Aus Grünkohlblättern lassen sich ganz einfach knusprige Chips machen. - Foto von pompi auf pixabay

Der Grünkohl sollte als gesundes Wintergemüse in keinem Gemüsegarten fehlen. Ich hoffe, du hast nun alles was du brauchst, um ihn erfolgreich selbst anzubauen. Bei Fragen und Anmerkungen schreibe uns gerne an magazin@alphabeet.org.

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Titelbild von Brian McGowan auf Unsplash

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