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Jonas

Jonas (22) hat Agrarbiologie studiert. Seine Leidenschaft für Pflanzen und das Gärtnern entdeckte er durch ein Praktikum bei einer Permakultur NGO. Seitdem gärtnert er auf seinem Balkon und in Gemeinschaftsgärten.

Im Juli liegt schon ein großer Teil der Gartensaison hinter uns. Wir haben geplant, gesät, vorgezogen, eingepflanzt, gejätet, gegossen, gepflegt und auch schon geerntet. Es ist nun Zeit zu reflektieren und eine Art "Bestandsaufnahme zur Halbzeit" zu machen - was funktioniert diese Saison und was nicht? Und woran liegt das? Außerdem gibt es natürlich weiterhin einiges zu ernten, säen und pflegen.

Auf einen Blick:

Bestandsaufnahme zur Halbzeit

  • Welche Pflanzen wachsen gut? Welche nicht?
  • Woran kann das liegen?

Pflegearbeiten im Juli

  • Kompost wässern
  • Pflanzen morgens oder abends gießen

Ernte im Juli

  • die meisten Frühgemüse
  • im Herbst gesteckter Knoblauch

Aussaat im Juli

  • Bohnen und Erbsen
  • Salate und Mangold
  • Möhren, Rettich und Rote Bete
  • Kohlrabi und Feldsalat
  • Grünkohl (als Setzling), Wirsing und Lauch

Bestandsaufnahme zur Halbzeit

Im Juli läuft die Gartensaison auf Hochtouren. Doch wer im Frühjahr gut geplant hat, hat nun außer der üblichen Pflege und dem Säen von ein paar Folgekulturen nicht sonderlich viel zu tun: Der Garten übernimmt die Arbeit. Es bleibt also Zeit ein wenig über die bisherige Gartensaison zu reflektieren: Welchen Pflanzen geht es gut? Welche tun sich eher schwer?

Um eine Vorstellung davon zu bekommen, warum manche Kulturen besser gelingen als andere, ist es sinnvoll den Kontext der einzelnen Kulturen zu beobachten:

  • Der Standort spielt eine sehr zentrale Rolle. Bodenbeschaffenheit, Lichtverhältnisse, Temperatur und Wind beeinflussen die Pflanzenentwicklung. Auf der Suche nach der Ursache für schlechtes Wachstum lohnt es sich meist hier anzufangen. Beobachte die Verhältnisse am Standort der Pflanze und vergleiche sie mit ihren Ansprüchen. Gelbe Blätter deuten meist auf einen Nährstoffmangel hin, können aber auch ein Anzeichen für Staunässe sein. Weißliche Verfärbungen mit anschließendem Welken sind meist ein Indiz für zu viel Sonne - deine Pflanze hat Sonnenbrand. Kümmerlicher Wuchs und hängende Blätter können ein Zeichen für zu wenig Wasser sein.
Es ist Zeit nach deinen Pflanzen zu schauen. Durch das Beobachten deines Gartens kannst du viel für die nächste Saison lernen. Bild von congerdesign auf Pixabay.
  • Pflanznachbarschaften in einer Mischkultur können auch einen Einfluss auf das Wachstum deiner Pflanzen haben. Konkurrenz um Nährstoffe, Licht oder Wasser können das Wachstum ebenso hemmen wie sogenannte sekundäre Pflanzenstoffe. Diese Stoffe sind Nebenprodukte des Stoffwechsels von Pflanzen und dienen meist der Schädlingsabwehr oder stärken die Konkurrenzfähigkeit der Pflanzen. Einige Pflanzen wie z.B. die Walnuss bilden sekundäre Pflanzenstoffe in großen Mengen und unterdrücken so das Wachstum anderer Pflanzen. Auch hoher Unkrautdruck kann zu einem kümmerlichen Wachstum führen. Informationen über gute und schlechte Nachbarn deiner Pflanzen findest du in unserer Pflanzenbibliothek oder in der alphabeet App.
  • In den Sommermonaten, wenn die Tage länger als 12 Stunden lang werden, beginnen einige Pflanzen zu blühen. Das wirkt sich oft negativ auf das Wachstum der Pflanzenteile aus, die wir essen wollen. Beim Spinat führt das dazu, dass er keine neuen Blätter mehr bildet und die alten Blätter ungenießbar werden. Radieschen neigen bei zu großer Hitze zum sogenannten "Schossen", sprich dem Bilden langer Sprosse mit Blütenständen. Die Radieschen werden holzig und ungenießbar. Einige Salate haben ebenfalls diese Eigenschaft. Wenn deine Pflanzen also nicht so wachsen wie du es dir vorstellst oder sie zu früh Blüten bilden, achte auf die empfohlene Anbauzeit auf der Saatgut-Packung.
Der Wasserspinat beginnt im Sommer zu blühen. Er liefert dann Nahrung für Insekten, jedoch werden die Blätter für den Verzehr ungenießbar. Bild von emeraldwiz auf Pixabay.

Falls dir das alles viel zu komplex erscheint, lass mich dich beruhigen: Beim Gärtnern sind sich die wenigsten Leute zu 100% sicher. Darum geht es auch gar nicht. Denn wer seinen Garten kennt und aufmerksam beobachtet, der entwickelt mit der Zeit ein Gefühl dafür, was funktioniert und was nicht und woran es liegen könnte, wenn es einzelnen Pflanzen nicht so gut geht. Um dieses Gefühl zu entwickeln ist es allerdings wichtig, den Beobachtungen auf den Grund zu gehen und sich die verschiedenen möglichen Erklärungen bewusst zu machen. Es kann auch hilfreich sein, die Erkenntnisse und möglichen Erklärungen aufzuschreiben, um im nächsten Jahr nachlesen zu können, was an welcher Stelle im Garten aus welchen Gründen nicht funktioniert hat. Wenn dir dieser Ansatz zusagt, dann könnte dieser Artikel über das Anlegen eines Permakulturgartens auch etwas für dich sein.

Pflege im Juli

  • Kompost gelegentlich gießen

Im Juli beginnt der Hochsommer. Da kann es gelegentlich schon mal sehr heiß und trocken werden. Daher kann es manchmal sinnvoll sein, deinen Komposthaufen zu wässern. Um herauszufinden, ob du deinen Kompost gießen solltest oder nicht, kannst du ganz einfach ein bisschen im Kompost buddeln, bis du zum schon stärker verrotteten Material vordringst. Dann nimmst du einfach eine Hand voll Rohkompost und drückst ihn mit der Hand aus. Wenn gerade noch so ein paar Tropfen Wasser herauskommen, hat dein Kompost die perfekte Feuchtigkeit. Wenn du gar kein Wasser herausdrücken kannst, ist er zu trocken und du solltest ihn ein wenig gießen. Ist er richtig nass, solltest du ihn gegebenenfalls überdachen oder ein wenig trockenes Material wie Stroh oder Heu hinzufügen.

Falls du noch keinen Kompost hast und einen in deinem Garten anlegen möchtest, kannst du hier nochmal nachlesen, wie du einen Kompost richtig anlegst.

Dein Komposthaufen freut sich im Sommer über Schatten. Doch selbst im Schatten kann es gelegentlich nötig sein ihn zu wässern. Bild von Antranias auf Pixabay.
  • Pflanzen morgens oder abends gießen

Im Juli brauchen die Pflanzen sehr viel Wasser. Bei großer Hitze kann es nötig sein täglich zu gießen, vor allem wenn es für längere Zeit nicht regnet. Dabei solltest du allerdings darauf achten, keinesfalls während der heißesten Stunden des Tages zu gießen, da deine Pflanzen sonst eine Art Schock erleiden können. Außerdem können Wassertropfen auf den Blättern zu Verbrennungen führen. Am besten gießt du abends oder früh morgens, da die Pflanzen dann auch am längsten Zeit haben das Wasser aufzunehmen, bevor es verdunstet.

  • Heu machen

Wenn du in deinem Garten eine etwas größere Wiese hast, ist der Juli der perfekte Monat, um Heu zu machen. Voraussetzung ist natürlich, dass du die Wiese vorher für ein paar Wochen nicht gemäht hast. Dann kannst du an einem heißen Tag morgens mit einer Motorsense oder einem Balkenmäher die Wiese mähen. Den Grasschnitt lässt du einfach liegen, bis er trocken ist. Es kann sinnvoll sein, das gemähte Gras ein- bis zweimal zu wenden, um eine vollständige Trocknung sicherzustellen. Schau vorher am besten in den Wetterbericht und warte ein Schönwetterfenster von 2-3 Tagen ab. So lange braucht der Grasschnitt nämlich ungefähr, um bei heißem Wetter vollständig zu trocknen. Das Heu kannst du dann direkt zum Mulchen verwenden - vorausgesetzt, es enthält keine blühenden Wildkräuter. Hier findest du mehr zum Thema Mulch. Du kannst das Heu allerdings auch erstmal einlagern und dann im Herbst verwenden, um deine Staudenbeete vor Frost zu schützen oder deinen Kompost abzudecken. Wenn du Hühner im Garten hast, freuen diese sich auch über eine kuschlige Schicht Heu in ihren Legeboxen.

Das trockene Heu lässt sich am Besten mit einem Rechen sammeln. Bild von wondr auf Pixabay.
  • Allgemeine Pflege

Auch im Juli gilt natürlich wie immer: einmal am Tag in den Garten schauen lohnt sich. So siehst du, ob es gerade etwas zu tun gibt. Sei es das Jäten von Beikräutern, das Ausgeizen oder Aufleiten von Tomaten oder das Regulieren von unerwünschten Gästen: es gibt eigentlich immer was zu tun. Außerdem hast du so immer im Blick, welche Kulturen bereits erntereif sind und welche noch eine Weile brauchen. Viele der allgemeinen Pflegearbeiten haben wir schon im Artikel über die Aufgaben für den Juni beschrieben. Ausführliche Aufgabenbeschreibungen gibt es natürlich auch in der alphabeet App.

Ernte im Juli

Im Juli ist die Ernte schon in vollem Gange. Neben den letzten Radieschen gibt es an Frühgemüse noch Kohlrabi und Rettiche zu holen. Außerdem können im Juli die Frühkartoffeln gerodet werden, sobald das Laub verwelkt ist. Auch frühe Möhren können nun vermehrt geerntet werden, ebenso wie im Herbst gesteckter Knoblauch.

Außerdem sind folgende Kulturen erntebereit:

  • Zucchini und Gurken
  • Brokkoli und Weißkohl
  • Erbsen und Bohnen
  • verschiedene Sommer-Salate
  • Beeren und Steinobst
Ab Ende Juli werden die ersten Tomaten, Gurken und Paprika erntereif. Bild von jf-gabnor auf Pixabay.

Aussaat im Juli

Bei dieser langen Liste an erntereifen Kulturen gibt es auch wieder Platz im Beet, um nachzusäen und zu pflanzen. Folgende Kulturen kannst du im Juli noch säen:

  • Bohnen

Ein typisches Gemüse, das sich für die Aussaat im Juli noch eignet, sind Buschbohnen. Viel später als Mitte Juli solltest du sie allerdings nicht säen, da die Bohnen sonst nicht mehr reif werden. Bohnen kannst du zum Beispiel dort säen, wo zuvor ein Starkzehrer wie die Frühkartoffel gewachsen ist. Sie fühlen sich aber auch dort wohl, wo der Boden noch mehr Nährstoffe enthält. Vermeiden solltest du Stellen, an denen vorher andere Schmetterlingsblütler standen, z.B. Erbsen oder frühe Bohnen. Mehr zur Planung deiner Fruchtfolge im Gemüsegarten kannst du hier nachlesen.

  • Salate

Sommersalate sind die perfekten Lückenfüller für die Sommermonate. Schossfeste Sorten wachsen an langen Tagen schnell und machen bald wieder Platz für andere Kulturen. Außerdem vertragen sich die meisten Salatsorten sehr gut mit anderen Sommerkulturen und mit sich selbst, sodass du auf Nachbarschaft nicht besonders achtgeben musst.
Ein typischer Salat, den man im Sommer anbauen kann, ist zum Beispiel die Endivie und der Juli ist die perfekte Zeit, um sie auszusäen. Zu dieser Jahreszeit ist auch keine Anzucht mehr nötig, du kannst direkt ins Beet säen. Die Nährstoffansprüche der Endivie sind eher gering, sie kann auch nach einem Starkzehrer wachsen. Natürlich wachsen die Pflanzen schneller und größer, wenn du ihnen ein bisschen zusätzliche Nahrung in Form von Kompost oder Pflanzenjauche gönnst. Damit du die Salatblätter bedenkenlos essen kannst, solltest du die Pflanzenjauche stark verdünnen (Verhältnis 1:20), denn Salate neigen zur Nitratanreicherung in den Blättern.

Ein leckerer Zusatz für Salate ist der Rucola. Er kann problemlos noch bis in den September gesät werden, da er sehr schnell wächst. Nach spätestens 6 Wochen kannst du den Rucola das erste Mal ernten. Schneide hierzu die Blattrosette als Ganzes etwa 2-3 cm über dem Boden ab, dann treibt der Rucola wieder neu aus. Eine zusätzliche Düngung braucht der Rucola nicht.

Endivien kannst du ab Juli säen und bis in den Herbst ernten. Bild von Elsemargriet auf Pixabay.
  • Mangold

Ein weiteres leckeres und schnell wachsendes Blattgemüse ist der Mangold. Als Mittelzehrer freut er sich über eine kleine Kompostgabe vor dem Säen und eine gelegentliche Düngung mit stark verdünnter Pflanzenjauche oder Flüssigdünger - besonders wenn er nach einem Starkzehrer wächst. Ein entscheidender Vorteil des Mangolds gegenüber anderen Blattgemüsen: Bei einer Aussaat im Juli ist es sehr unwahrscheinlich, dass er in die Blüte schießt, da der Mangold nur nach mehreren Tagen mit Temperaturen kälter als 10°C blüht.

Außerdem kannst du noch folgende Kulturen säen:

  • Möhren
  • Rettich
  • Rote Bete
  • Erbsen
  • Kohlrabi
  • Wirsing
  • Lauch (Winterporree)
  • Grünkohl (nur noch als Setzling)
  • Feldsalat

Gesundheitsverträglich Gärtnern

Gerade im Hochsommer ist es sehr wichtig, auch beim Gärtnern auf die Gesundheit zu achten. Ein Sonnenhut, langärmlige, luftige Kleidung und gegebenenfalls Sonnencreme schützen vor Sonnenbrand. Außerdem kann es in der Mittagshitze sehr unangenehm werden. Die Morgenstunden oder der Abend eignen sich oft besser, um im Garten aktiv zu sein. Außerdem ist es wichtig genug zu Trinken, um Kopfschmerzen und Kreislaufprobleme zu vermeiden.

Ausreichender Sonnenschutz ist im Hochsommer sehr wichtig, vor allem wenn man an sonnigen Tagen im Garten ist. Bild von pasja1000 auf Pixabay.

Wir hoffen mit diesem Überblick konnten wir dir ein paar neue Perspektiven liefern, wie du im Juli deinen Garten besser kennen lernen kannst und mit welchen Methoden du weiterhin reiche Ernten einfahren kannst.

Bei Fragen oder Ergänzungen schreibe uns gerne eine E-Mail an magazin@alphabeet.org. Du willst das ganze Jahr über hilfreiche Gartentipps bekommen und deine eigenen Beete optimal planen? Dann registriere dich hier oder lade dir die alphabeet-App für Android oder iOS herunter.

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