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Uni Gardening Berlin: Saisonplanung mit alphabeet

08.02.2020 . Lesezeit: 8 Minuten

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Jonas

Jonas (22) hat Agrarbiologie studiert. Seine Leidenschaft für Pflanzen und das Gärtnern entdeckte er durch ein Praktikum bei einer Permakultur NGO. Seitdem gärtnert er auf seinem Balkon und in Gemeinschaftsgärten.

Seit 2017 gärtnern Laura und ihre KommilitonInnen an der Freien Universität Berlin in ihrem Garten auf dem Uni Campus. Sie haben das Projekt als praktischen Ausgleich zum "verkopften" Studienalltag ins Leben gerufen und wollen allen Interessierten die Möglichkeit bieten einfach mal auszuprobieren, wie das so funktioniert mit dem Gemüse anbauen. Außerdem ist der Garten für sie Ausdruck einer tiefer liegenden Verständnisses von Kooperation und eines nachhaltigen Lebensstils. Die offene Gestaltung des Projektes macht es manchmal schwer den Überblick zu behalten. Um das zu ändern begleiten wir das Team vom FU Uni Gardening dieses Jahr mit dem alphabeet Beetplaner. Das erste Planungstreffen liegt schon hinter ihnen und wir haben sie über ihr Projekt ausgefragt und darüber, wie die Saisonvorbereitung so läuft.

Jonas (alphabeet Magazin): Euer Uni Gardening Projekt gibt es ja schon seit 2017. Vielleicht kannst du für unsere Leser in zwei Sätzen zusammenfassen, worum es euch dabei geht?"

Laura (Uni Gardening)
Klar. Wir sind ein Gemeinschaftsgarten Projekt an der Freien Universiät in Berlin, das sich gegründet hat, weil wir gemeinsam gärtnern, aber dabei auch einen umweltpolitischen Bezug haben wollten. Uns gibt es seit fast 3 Jahren, wir treffen uns jede Woche zum Gärtnern und haben einmal im Monat ein Plenum. Dort entscheiden wir gemeinsam was wir anpflanzen wollen, welche Kapaztitäten wir haben, ob wir noch kulturelle Veranstaltungen planen wollen und so weiter, das läuft also alles ganz basisdemokratisch bei uns. Zum Beispiel hatten wir erst kürzlich ein Winterfest im Garten. Dadurch, dass unser Garten direkt am Gebäude des Studierenden Ausschusses liegt haben wir die Möglichkeit deren Infrastruktur mitzunutzen und zum Beispiel mal ein Freiluftkino zu veranstalten oder ähnliches. Aber da gibt es auch noch viel mehr Potential als wir bisher nutzen.

gemeinschaftsgarten sommerfest
Sommerfest im Uni Garten.

Und wie seid ihr auf die Idee gekommen ein solches Projekt zu starten?

Das war eher ein privater Prozess. Ich war damals für ein Semester in England, wo das Uni Leben stark von sogenannten "Societies" also Clubs geprägt ist. Dort war ich in der "Allotment Society" sprich im Garten Club. Die haben auch immer viele politische Veranstaltungen gemacht, das fand ich damals super cool und ich glaube da hat auch der Großteil meiner Politisierung stattgefunden. Das gemeinsame Gärtnern, egal bei welchem Wetter draußen zu sein hat mich einfach total begeistert. Dort habe ich auch eine Freundin kennengelernt, die ebenfalls ein Auslandssemester gemacht hat, eigentlich aber von der gleichen Uni kommt wie ich. Nach unserer Rückkehr haben wir uns dann überlegt, dass wir sowas auch gerne in Berlin hätten. So sind wir dazu gekommen das Uni Gardening Projekt zu gründen, seit dem wachsen wir langsam.

gemeinschaftsgarten plenum
Ganz basisdemokratisch: Im Gartenplenum wird besprochen welche Pflanzen angbaut werden, was zu tun ist und wer welche Aufgaben übernimmt.

Du hast jetzt schon öfter eine politische Komponente erwähnt. Was bedeutet das Politisierung im Gartenkontext für euch?

Ich würde sagen, wir halten das ein bisschen wie mit dem Spruch der 68er Feministinnen: Das Private ist politisch. Also wie wir leben und gärtnern, miteinander interagieren und uns selbst versorgen - auch wenn der Garten dafür leider noch nicht ganz reicht - ist Ausdruck eines politischen Verständnisses. Deshalb machen zum Beispiel ein paar von uns zusätzlich dazu auch bei solidarischen Landwirtschaften mit. Das ist vermeintlich privat, weil eben nicht besonders öffentlichkeitswirksam, aber eben doch irgendwie politisch. Bei uns geht es einfach um Kooperation und das gemeinsame Anbauen und Teilen von Nahrungsmitteln - Leistung und Wachstum spielen dabei eigentlich keine Rolle. Außerdem machen wir jetzt demnächst bei einer Veranstaltung zum Thema Klimanotstand mit, wo sich alle Unigruppen, die was im Bereich Klimapolitik machen, vorstellen und vernetzen können. Da geht es darum noch mehr Leute über die Notwendigkeit radikalen Klimaschutzes und ganz konkrete Möglichkeiten an der FU klimapolitisch aktiv zu werden, zu informieren.

Gemeischaftsgarten Gartenarbeit
Im Uni Garten wird alles gemeinsam gemacht. Da ist auch die längste ToDo Liste schnell erledigt - wenn genügend Leute mitmachen.

Was waren eure schönsten Erfahrungen während der letzten drei Jahre?

Einmal haben wir Unterstützung von Studierenden der Technischen Universität Berlin bekommen. Die haben für uns im Rahmen eines Uni Projektes ein Gartenhaus aus alten Fenstern und viele neue Beete geplant. Bei einem sogenannten "Gartenblitz" haben wir dann alle gemeinsam die Pläne innerhalb eines Tages in die Tat umgesetzt. Das war wirklich cool, weil der Garten dann auf ein Mal richtig schön aussah. Dann hatten wir noch ein Sommerfest, das auch wirklich toll war, weil echt viele Leute gekommen sind. Und natürlich die Erfahrung das erste Mal selbst etwas aus dem Garten zu ernten und dann was leckeres damit zu kochen, das ist einfach ein schönes Gefühl.

Biogemüse Ernte Gemeinschaftsgarten
Bei so einer Ernte geht jedem Gärtner das Herz auf!

Und wo hing es noch, beziehungsweise was habt ihr dazu gelernt?

Unser größtes Problem ist, dass wir immer noch relativ wenig Leute sind. In der Vergangenheit waren wir manchmal nur zu dritt um uns um den Garten zu kümmern. Das ist an der Uni manchmal schwierig , weil Leute auch öfter mal für längere Zeit weg sind, für Praktika oder dergleichen. Da war es manchmal schon eine große Herausforderung zu koordinieren, wer wann gießt und den Überblick zu behalten was mit den ganzen Pflanzen noch so zu tun ist, dass sie gut wachsen. Dieses Semester haben wir aber Werbung bei vielen Erstsemester-Veranstaltungen gemacht und sind deshalb ein paar mehr Leute geworden.

Das ihr zu wenig Leute habt, finde ich überraschend. Ich hätte gedacht, dass ein solches Projekt in Berlin auf sehr viel Zuspruch stößt.

Ja die Leute sind prinzipiell schon sehr aufgeschlossen solchen Projekten gegenüber, aber das Problem ist, dass es so viele andere Sachen gibt. Die meisten Leute die sich für Gemeinschaftsgärten interessieren, sind oft eher in der Nähe ihres Wohnorts teil eines Gartens und wollen dafür nicht immer bis an die Uni fahren. Berlin ist halt einfach ziemlich groß, ich glaube daher kommt das.

Wie sah denn euer Beetplanungsprozess bisher aus?

Pflanzen aussuchen, Samen kaufen, Säen. So sieht das bei uns normalerweise aus. Dabei haben wir zwar schon immer darauf geachtet, was eigentlich gute und schlechte Nachbarn sind, aber das Säen selbst war meist ziemlich planlos. Nehmen wir mal an, es ist April. Bei unserem Gartentreffen schauen wir, was denn da so auf den Samentütchen steht. Meist haben wir Glück und es gibt eine Sorte, die laut Samenverpackung auch im April angebaut werden kann. Aber das Vorziehen haben wir im letzten Jahr zum Beispiel völlig verpasst. Manchmal kratzen wir auch haarscharf an den empfohlenen Zeiträumen für die Freilandaussaat. Oft liegt das gar nicht so sehr an Unwissen, sondern vielmehr an, naja, Verplantheit. Dass die Semesterferien im Februrar und März und somit Mitten im Zeitraum für das Vorziehen vieler Sorten liegen, hilft halt auch nicht gerade. Zum Glück gibt’s auch immer eine*n , der oder die sich noch erinnern kann, was wir im Beet im Vorjahr angebaut haben, um halbwegs einen Fruchtwechsel einzuhalten. Wir machen aber auch immer Fotos und markieren dann mit Farben und zugehöriger Legende wo was gewachsen ist. Das alles war bisher ganz ok erfolgreich, aber da geht noch was!

gartenbeet beetplanung
So sah die Beetplanung bei den "Unigärtnern" bisher aus: Fotos mit Farbmarkierungen für die einzelnen Kulturen.

Dieses Mal habt ihr für die Beetplanung alphabeet benutzt. Wie sah der Prozess aus, als ihr euch letzte Woche zum Planen getroffen habt?

Unser Beetplanungsprozess mit alphabeet sah zunächst einmal ähnlich aus: Was wollen wir ernten? Wo können wir das bestellen. Wo pflanzen wir es an? Allerdings haben wir diesmal direkt in der App geguckt, welche Sorten alphabeet in der Datenbank hat und dort dann auch die Hinweise zu guten und schlechten Nachbarn entdeckt. Wir haben zwar schon immer ein bisschen darauf geachtet, welche Pflanzen zueinander passen, aber mit alphabeet kamen wir deutlich schneller an die Infos. Bevor wir mit der Planung loslegen konnten, mussten wir erstmal die Beete abmessen um die Werte in die App eintragen zu können. Beim Planen selbst ging es dann so aber einfacher und schneller, herauszufinden wie viele Pflanzen in ein Beet passen, da für jede Pflanze in der alphabeet Datenbank hinterlegt ist wie viel Platz sie braucht. Meist haben wir eine Hauptpflanze ausgewählt, die wir in ein bestimmtes Beet setzen wollten, natürlich immer mit Hinblick darauf, was wir dort vorher angebaut haben. Dass alphabeet für die Beete direkt die passenden Pflanzen für die Standortbedingungen vorgeschlagen hat, war da sehr praktisch!

In welchen Schritten der Beetplanung fandet ihr alphabeet besonders hilfreich?

Vor allem für die Platzabschätzung der Pflanzen und die Anzeige für gute und schlechte Nachbarn fanden wir toll! Außerdem haben wir so den Überblick behalten, was wo wachsen wird, wo noch Beete frei sind etc. Wir hoffen, dass alphabeet dann auch für die weitere Beetpflege nützlich sein wird und uns z.B. erinnert, was wir wann pflanzen müssen.

Dann wünschen wir euch mal viel Erfolg und sind gespannt wie es bei euch weitergeht! Danke für das Interview!

Neues von Laura und dem FU Uni Gardening Projekt in Berlin gibt es dann im Frühjahr, wenn die ersten Pflanzen im Beet sind. Du kannst auch direkt auf der Instagram Seite des Projekts vorbeischauen unter @unigarten_fu_asta.

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