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Wie du eine Fruchtfolge im Gemüsegarten planst

02.04.2020 . Lesezeit: 14 Minuten

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Jonas

Jonas (22) hat Agrarbiologie studiert. Seine Leidenschaft für Pflanzen und das Gärtnern entdeckte er durch ein Praktikum bei einer Permakultur NGO. Seitdem gärtnert er auf seinem Balkon und in Gemeinschaftsgärten.

Wenn du dich mit dem Anbau von Gemüse im eigenen Garten beschäftigst, dann hast du bestimmt schon gehört, dass es wichtig ist eine Fruchtfolge einzuhalten. Doch was ist das überhaupt? Wozu ist eine Fruchtfolge gut? Und wie plant man eine Fruchtfolge? In diesem Artikel erfährst du alles über eines der wichtigsten Werkzeuge der ökologischen Landwirtschaft.

Auf einen Blick:

Fruchtfolge

  • Aufeinander abgestimmte Vor-, Haupt- und Nachkulturen, die sich gegenseitig unterstützen um die Gartensaison optimal auszunutzen
  • Planung anhand von Mischkulturen Tabelle, Anbauzeiträumen und Nährstoffbedarf.

Fruchtwechsel

  • Rotation von Stark-, Mittel- und Schwachzehrern in verschiedenen Beeten um langfristig den Boden zu pflegen und Krankheiten zu verhindern.
  • Gründüngung als Ruhepause für das Beet.
  • Niemals die gleichen Pflanzenfamilien nacheinander anbauen.

Was ist eine Fruchtfolge?

Fruchtfolge meint den Anbau verschiedener Kulturen auf der gleichen Fläche innerhalb einer Saison. Wenn du zum Beispiel in einem Beet erst Frühkartoffeln anbaust und im gleichen Beet nach der Ernte der Kartoffeln noch Spinat aussäst, ist das eine Fruchtfolge. Ein durchdachter Fruchtfolgeplan ermöglicht dir vor allem die optimale Nutzung der Vegetationsperiode. In Mitteleuropa reicht die Vegetationsperiode ungefähr von April bis November - in dieser Zeit gilt es so viele Kulturen wie möglich unterzubringen. Bei der Planung deines Gemüsegartens solltest du daher darauf achten, dass du die optimalen Anbauzeiten für die einzelnen Kulturen beachtest und die Bepflanzung deiner Beete dem entsprechend planst.

Gemüsebeet
Bei der Fruchtfolge geht es darum die Vor- Haupt und Nachkultur so zu wählen, dass sie dem Boden gleichmäßig Nährstoffe entziehen und sich gegenseitig nicht negativ beeinflussen.

Natürlich spielen dabei auch ökologische Aspekte eine Rolle. Denn verschiedene Kulturen beeinflussen sich gegenseitig und den Boden. Manche Kulturen helfen sich gegenseitig, andere solltest du lieber nicht nacheinander anbauen (Mehr Infos dazu in unserer Bibliothek oder in der alphabeet App). Außerdem ist es üblich nach einem Starkzehrer wie z.B. Kartoffeln, einen Schwachzehrer wie Salat anzubauen, um den Boden nicht zu überlasten. Daher trägt eine vorsichtige Planung der aufeinanderfolgenden Kulturen nicht nur zu einem höheren Ertrag bei, sondern auch zum Schutz des Bodens und der Erhöhung der Biodiversität im Garten. Denn je mehr verschiedene Kulturen du innerhalb einer Saison anbaust, desto schwerer haben es Krankheiten und Schädlinge sich zu verbreiten, desto gleichmäßiger entziehen die Pflanzen dem Boden Nährstoffe und desto mehr Nützlingen bietest du in deinem Garten Lebensraum.

Planen einer Fruchtfolge

Fruchtfolge Tabelle

Klassischerweise verwendet man zum Erstellen eines Fruchtfolgeplans eine Tabelle, in der notiert ist, welche Pflanzen nacheinander im Beet angebaut werden können. Im Prinzip ist das die gleiche Tabelle wie, die, die zur Planung von Mischkulturen verwendet wird. Anhand der Informationen über gute und schlechte Kombinationen, des Anbauzeitraums, sowie der Information über die Nährstoffansprüche einer Pflanze - sprich ob sie ein Stark-, Mittel- oder Schwachzehrer ist - lassen sich alle Kulturen optimal über das Jahr und die Beete verteilen. Es macht hierbei Sinn alle Pflanzen in drei Kategorien zu unterteilen: Vor-, Haupt- und Nachkultur.

Fruchtfolgetabelle
So könnte eine Fruchtfolge in einem deiner Beete zum Beispiel aussehen.

Als Vorkultur eignen sich Pflanzen, die früh im Jahr gesät werden können, also nicht kälteempfindlich sind und die schnell erntereif sind. Dazu gehören zum Beispiel, Radieschen, Spinat, Rucola, Feldsalat oder Pflücksalat. Die Hauptkultur ist meist eine Art, die länger zum Wachsen braucht und die nur in den warmen Sommermonaten gedeiht. Klassische Hauptkulturen sind z.B. Tomaten, Kürbisse, Zucchini, aber auch Kohl oder Rote Beete. Als Nachkultur eignen sich dann wieder Gemüsearten, die schnell reifen oder im Herbst auch kaltes Wetter aushalten oder sogar den Winter über auf dem Feld bleiben können. Mehr Informationen über die Winterplanung findest du hier. Um den Überblick zu behalten, macht es Sinn die Aussaatzeitpunkte der verschiedenen Gemüsesarten in einen Kalender einzutragen. So weißt du immer wann du mit der Anzucht oder der Aussaat ins Gemüsebeet beginnen musst.

Fruchtfolge Planung in alphabeet

Mit dem alphabeet Beetplaner kannst du seit dem letzten Update nicht nur die momentane Bepflanzung deiner Beete planen, sondern gleich die ganze Pflanzsaison auf einmal. Mit dem Slider im Plan kannst du durch die ganze Saison scrollen und siehst wann es wieder Platz in deinen Beeten hat um nachzupflanzen. So weißt du immer wann du mit der Anzucht der Haupt- oder Nachkultur beginnen musst und wann du ungefähr mit der Ernte deiner Pflanzen rechnen kannst.

Was ist Fruchtwechsel?

Von einem Fruchtwechsel spricht man dagegen, wenn es um den Wechsel von Kulturen über die Jahre hinweg geht. Wenn du also in dem Beet, in dem du dieses Jahr Kartoffeln und Spinat angebaut hast im nächsten Jahr Erbsen anbaust, fällt das unter den Begriff Fruchtwechsel. Diese Unterscheidung ist wichtig, da Fruchtfolge und Fruchtwechsel unterschiedliche Funktionen erfüllen. Beides trägt zu höheren Erträgen und einem gesünderen Ökosystem im Gemüsegarten bei, aber aus verschiedenen Gründen.

Krankheiten verhindern

Beim Fruchtwechsel geht es vor allem um langfristige Pflanzenhygiene und Bodenpflege. In dem du in aufeinanderfolgenden Jahren verschiedene Kulturen anbaust sorgst du dafür, dass sich Pilze, Bakterien und Viren (ja auch Pflanzen können sich "erkälten" 😉), die deine Pflanzen nur zu gerne befallen würden, sich nicht so leicht verbreiten können. Solche Erreger sind manchmal sehr spezifisch für einzelne Kulturen, meistens aber für ganze Pflanzenfamilien. Baust du jedes Jahr Kulturen aus der gleichen Familie an der gleichen Stelle an, bleiben auch die Erreger dort und vermehren sich munter. Das Gleiche gilt für Nematoden (winzige wurmartige Parasiten) und Insektenschädlinge. Das führt langfristig dazu, dass du nach ein paar Jahren nur mehr eine sehr kümmerliche Ernte einfahren kannst.

Mehltau auf Kürbisblatt
Um den Befall deiner Pflanzen mit Krankheiten wie dem falschen Mehltau zu verhindern, hilft die Einhaltung einer Fruchtfolge mit Pflanzen unterschiedlicher Familien.

Nährstoffhaushalt des Bodens

Für die Bodenpflege ist der Fruchtwechsel von besonderer Bedeutung. Jede Kultur hat ein spezifisches Nährstoffprofil, das sie dem Boden entnimmt. Dabei sind sich, wie bei den Schädlingen auch, Pflanzen der gleichen Familie oft ähnlich. Baust du nun jedes Jahr die gleichen, eng verwandten Pflanzen auf der gleichen Fläche an, wird der Boden einseitig ausgelaugt. Das bedeutet die Pflanzen haben irgendwann von einem oder mehreren Nährstoffen zu wenig. Das ist ein Problem, weil das Pflanzenwachstum auch schon durch das fehlen eines Nährstoffes limitiert ist. Wenn zum Beispiel Kalium fehlt, kannst du noch so viel Stickstoff und Phosphat im Boden haben, deine Pflanzen werden dadurch nicht besser wachsen.

Gezieltes Düngen: Planen eines 4-gliedrigen Fruchtwechsels

Bei der Einhaltung eines gut geplanten Fruchtwechsels reicht es in der Regel alle drei Jahre mit einer Ladung Kompost zu düngen. So kannst du dir einiges an Dünger und Arbeit sparen. Dabei baust du auf einem frisch gedüngten Beet im ersten Jahr einen Starkzehrer, im zweiten Jahr einen Mittelzehrer und im dritten Jahr einen Schwachzehrer an. So sind die Kulturen nach Nährstoffanspruch gestaffelt und keine Pflanze kommt zu kurz.

Fruchtwechsel Tabelle
Im laufe eines 4 jährigen Fruchtwechsels sollte die Hauptfrucht mit jedem Jahr geringer Ansprüche an den Boden stellen, um ihn nicht auszulaugen.

1. Jahr: Düngen und Starkzehrer

Ein Beet, das am Anfang des 4-gliedrigen Zyklus steht, solltest du mit viel Kompost und/oder Mist düngen. Am besten machst du das schon einige Wochen bevor du dein Beet bepflanzt, sodass der Dünger noch Zeit hat zu verotten und seine Nährstoffe an den Boden abgeben kann. Um den Kompost ins Beet einzubringen, verteilst du ihn am besten erst einmal gleichmäßig auf dem Beet. Je nachdem wie viel du zur Verfügung hast und wie dein Boden beschaffen ist, kannst du ruhig bis zu 10 cm Kompost auftragen. Dann nimmst du eine Grabgabel zur Hand, stichst in gleichmäßigen Abständen in den Boden und vollführst eine kreisende Bewegung, um den Kompost schonend mit der oberen Bodenschicht zu vermischen und den Boden gleichzeitig zu durchlüften. Nachdem das Beet Zeit hatte ein wenig zu ruhen, kannst du mit dem Anbau deiner Starkzehrer beginnen. Es eignen sich zum Beispiel:

  • Kartoffeln
  • verschiedene Kohlarten, vom Kopfkohl bis zum Brokkoli
  • Kürbisse, Zucchinis und Gurken
  • Paprika, Tomaten und Auberginen
Fruchtfolge nach Kartoffeln
Kartoffeln freuen sich über Nährstoffreichen Boden. Im Fruchtwechsel haben sie daher ihren Platz an erster Stelle.

All diese Kulturen brauchen viel Stickstoff, Phosphor und Kalium und sollten deswegen immer nur auf frisch gedüngten Beeten angebaut werden, um ihre Gesundheit zu garantieren und eine üppige Ernte einzufahren. Ist die Hauptfrucht der Saison (z. B. Kartoffel) geerntet, kannst du problemlos noch anspruchsloses Blattgemüse wie Salat oder Rucola anbauen, bis der Winter kommt.

2. Jahr: Mittelzehrer

Im zweiten Jahr bietet es sich an Pflanzen mit niedrigeren Nährstoffansprüchen anzubauen, da der Boden im Vorjahr ja schon stark beansprucht wurde. So stellst du sicher, dass die Fruchtbarkeit deines Bodens auf lange Sicht erhalten bleibt und im Optimalfall sogar ansteigt. Folgende Kulturen eignen sich für die zweite Saison:

  • Karotten
  • Kohlrabi
  • Rote Beete und Mangold
  • Zwiebeln und Knoblauch
Mangold ist ein Mittelzehrer
Mangold ist ein Mittelzehrer und eignet sich daher super als Hauptkultur im 2. Jahr eines 4-gliedrigen Fruchtwechsels.

Ob eine Pflanze ein Stark-, Mittel-, oder Schwachzehrer ist, kannst du übrigens in der alphabeet Pflazenbibliothek herausfinden. Im Herbst brauchst du diesmal nicht zu düngen, doch wenn du während der Gartensaison Mangelerscheinungen bei deinen Pflanzen feststellen solltest, kannst du ruhig mit Komposttee oder Pflanzenjauche düngen. Wenn du im ersten Jahr genügend gedüngt hast sollte das im Normalfall allerdings nicht nötig sein.

3. Jahr: Schwachzehrer

Da dein Beet ja jetzt schon zwei Jahre lang ohne große Düngergaben bewirtschaftet wurde, solltest du es im dritten Jahr bei schwach zehrenden Kulturen belassen. Auch im dritten Jahr kann eine kleine Düngergabe mit Komposttee oder Pflanzenjauche helfen, solltest du das Gefühl haben, dass deine Pflanzen es nötig haben.
Blattgemüse wie Spinat und Salate eignen sich neben Radieschen und allen möglichen Kräutern super

Radieschen sind Schwachzehrer
Radieschen sind Schwachzehrer und eignen sich daher super für das dritte Jahr deines Fruchtwechsel oder als Vorkultur in einem Stark- oder Mittelzehrer Jahr.

4. Jahr Gründüngung

Dein Beet hat nun, nach drei Jahren des Produktivseins, eine Pause verdient. Um es wieder bereit zu machen für die nächsten drei Jahre solltest du in diesem Jahr keine Kulturpflanzen anbauen, sondern lieber eine Saatmischung zur Gründüngung. Hierfür eignen sich besonders gut Leguminosen, sprich Hülsenfrüchte, denn diese haben die Fähigkeit mit so genannten "Rhizobien" in Symbiose zu gehen. Das sind Bakterien, die Stickstoff aus der Luft in Ammonium umwandeln können, was von den Pflanzen wiederum aufgenommen werden kann. Die Bakterien leben in kleinen Knöllchen an den Wurzeln der Hülsenfrüchte, deswegen werden sie auch Knöllchenbakterien genannt. Auf Grund dieser Eigenschaft eignen sich Leguminosen super, um den Stickstoffhaushalt deines Gartens auf ganz natürliche Art und Weise wieder auf Vordermann zu bringen. Wir empfehlen dir zum Beispiel den Anbau von Wick-Roggen, das ist eine spezielle Saatmischung aus dem Biolandbau, die zu einem Teil aus Wicken Samen besteht und zum anderen aus Roggen Samen (Klee-Gras funktioniert genau so gut).

wicke als gründüngung
Die Wicke ist eine Leguminose und eignet sich daher hervorragend als Gründüngung, da sie Stickstoff im Boden fixiert.

Die Wicke ist eine in Europa heimische, wilde Leguminosen Art und daher bestens an die Klimabedingungen angepasst. Die Mischung aus Leguminose und Roggen dient dazu, das Kohlenstoff zu Stickstoff Verhältnis zu regulieren. Würdest du nur eine Leguminose anbauen, würde ein großer Teil des Stickstoffs bei der Kompostierung der Pflanzen im Boden wieder verloren gehen. Baust du jedoch eine Mischung aus einer "kohlenstofflastigen" Pflanze wie Roggen, gemeinsam mit einem Stickstofffixierer wie der Wicke and, funktioniert der Kohlenstoff wie eine Art Schwamm, der den Stickstoff beim Abbau aufsaugt und dann nach und nach wieder an deine Kulturpflanzen abgeben kann. Außerdem erhöhst du so den Kohlenstoffanteil im Boden, was zu einem gesünderen und widerstandsfähigen Bodenmillieu beiträgt. Am Ende der Saison schneidest du die Gründüngung ab und lässt sie über den Winter als Mulch auf dem Beet liegen. So können die Pflanzen von Bodenorganismen abgebaut werden und der fixierte Stickstoff wird für andere Pflanzen verfügbar gemacht.

Fruchtfolge und Fruchtwechsel im Zusammspiel

Diese Art des Fruchtwechsels ist eine gute Methode, um nach und nach die Bodenfruchtbarkeit zu verbessern, Dünger zu sparen und bei der Planung den Überblick zu behalten. Doch natürlich schließen sich Fruchtfolge und Fruchtwechsel nicht gegenseitig aus - ganz im Gegenteil. Sie ergänzen sich und sind gemeinsam der beste Weg für einen langfristig gesunden Gartenboden und hohe Erträge. Das Ganze ist dann eine Art Schachtel Modell: Die Fruchtfolge eines Jahres ist in die übergeordnete Rotation des Fruchtwechsels verpackt. Wie das zum Beispiel aussehen kann, haben wir dir in der Tabelle unten nochmal zusammengefasst. Wenn du dir überlegst auf einen vier gliedrigen Fruchtwechsel umzustellen, macht es Sinn mit der Gründüngung anzufange, um gleich mit der vollen Dosis Düngung zu starten. Unser Vorschlag ist erstmal ein Beet mir Gründüngung zu bepflanzen, das dann im nächsten Jahr das Starkzehrerbeet ist. Im nächsten Jahr bepflanzt du ein weiteres Beet mit Gründüngung - und so weiter, bis du die gewünschte Anzahl an Beeten in deiner Rotation hast.

Fruchtwechsel Pflanzplan Beispiel
So könnte ein Pflanzplan für einen 4-gliedrigen Fruchtwechsel mit Fruchtfolge zum Beispiel aussehen.

Im Grunde genommen ist es also ganz einfach. Die Fruchtfolge ist vor allem ein Werkzeug für die optimale Nutzung einer Vegetationsperiode. Der Fruchtwechsel ist ein Werkzeug um die langfristige Fruchtbarkeit deiner Beete zu sichern. Gemeinsam sind sie dein Rüstzeug für einen ökologischen Garten mit hohen Erträgen. Auch wenn die Planung von Fruchtfolge und Fruchtwechsel auf den ersten Blick wie eine unmögliche Denkleistung wirkt, lohnt es sich auf jeden Fall sich mit dem Thema auseinanderzusetzen. Und mit den richtigen Werkzeugen wird das Ganze dann doch noch zu einem Kinderspiel.

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