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Ökologisch düngen: so schonst du deine Pflanzen und die Umwelt

13.08.2020 . Lesezeit: 6 Minuten

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Jonas

Jonas (22) hat Agrarbiologie studiert. Seine Leidenschaft für Pflanzen und das Gärtnern entdeckte er durch ein Praktikum bei einer Permakultur NGO. Seitdem gärtnert er auf seinem Balkon und in Gemeinschaftsgärten.

Ohne zusätzlichen Dünger würden viele Kulturpflanzen eher schlecht als recht wachsen. Doch die Volksweisheit "viel hilft viel" trifft hier nur bedingt zu. Einerseits schadet ein Zuviel an Dünger deinen Kulturpflanzen. Doch noch viel wichtiger: Ein unbedachter Umgang mit Dünger schadet der Biodiversität, der Grundwasserqualität und dem Klima. Worauf du achten solltest, wenn du deine Gemüsebeete düngst, erfährst du in diesem Artikel.

Auf einen Blick:

Ökologisch verträglich düngen: So geht's

  • Mineraldünger vermeiden
  • Stattdessen Organischen Dünger verwenden
  • Langzeitdünger wie Kompost oder Mist im Rahmen eines viergliedrigen Fruchtwechsels verwenden
  • Nicht zu viel düngen
  • Nährstoffkreisläufe kurz halten: Dünger wenn möglich selbst herstellen

Was sind die Gefahren von zuviel oder dem falschen Dünger?

Wachstumshemmung

Viel hilft viel. Intuitiv gehen wir oft davon aus, dass viel Dünger den Pflanzen auch hilft besser zu wachsen. Während es richtig ist, dass einige Pflanzen sehr hungrig sind, trifft auch ein anderer Spruch zu: Die Dosis macht das Gift. Denn mit zu viel Dünger kann auch der hungrigste Starkzehrer eingehen. Schwachzehrer mit ohnehin schon niedrigem Nährstoffbedarf sind für Überdüngung anfälliger als Starkzehrer. Überlege dir beim Düngen also immer: "Welche Pflanze habe ich gerade vor mir? Wieviele Nährstoffe braucht sie überhaupt?" Zu welcher Kategorie eine Pflanze gehört kannst du hier in unserer Bibliothek herausfinden oder direkt in der alphabeet-App nachschauen.

Kontamination von Grundwasser

Vor allem mit flüssigen und mineralischen Düngern solltest du sparsam umgehen. Die hier enthaltenen Nährstoffe sind im Boden besonders mobil. Wenn zu viel gedüngt wird und es dazu vermehrt regnet, landet der Dünger gerne mal im Grundwasser, statt in den Pflanzen. Dann hat sich erstens das Düngen überhaupt nicht gelohnt und zweitens ist zuviel Nitrat oder Phosphat im Grundwasser gefährlich für die Trinkwasserqualität vieler Quellen.

Stickoxid Emissionen

Eine Gefahr für das Klima geht besonders von Stickstoff in Düngemitteln aus. Wird zu viel Stickstoff gedüngt, kann es passieren, dass dieser im Boden mikrobiell - also von Bakterien - über mehrere Zwischenstufen zu Lachgas (N2O) umgewandelt wird. Das ist ein Treibhausgas, dass 300 mal so potent ist wie CO2. Wenn du für den Anbau deines eigenen Gemüses also zuviel Stickstoffdünger verwendest, wirst du unter Umständen vom Klimahelden zum Klimasünder.

Welchen Dünger sollte ich für was verwenden?

Wenn du dir überlegst welchen Dünger du für deinen Garten kaufen sollst, macht es Sinn dich an die Betriebsmittelliste des Forschungsinstitutes für Bio-Landbau (FiBL) zu halten. Dort ist definiert welche Düngemittel für den Bio-Landbau zugelassen sind. Damit du dir nicht jedes Mal die ewig lange List durchlesen musst, haben wir dir hier das Wichtigste zusammengefasst.

Kein Mineraldünger

Mineraldünger solltest du unter allen Umständen vermeiden. Mineralischer Stickstoffdünger ist in der Herstellung extrem energieintensiv und sorgt für eine Menge CO2-Emissionen. Außerdem kann mit Mineraldünger sehr leicht zu viel gedüngt werden. Das führt zur Wachstumshemmung, Auswaschungen ins Grundwasser, sowie Lachgas Emissionen. Doch der schlimmste Effekt von Mineraldünger ist der auf das Bodenleben: Für die Mikroorganismen im Boden bietet Mineraldünger nämlich, anders als organischer Dünger, keine Nahrungsquelle. Somit stirbt das Bodenleben ab, was wiederum erhöhte CO2 Emissionen zur Folge hat, da ein großer Teil des Kohlenstoffs im Boden in lebendigen Mikroorganismen gebunden ist.

Organischen Dünger verwenden

Bisher hast du erfahren, was du beim Düngen unbedingt vermeiden solltest. Du fragst dich nun vielleicht: Was darf ich dann eigentlich guten Gewissens verwenden? Es gibt eine Vielfalt an Inhaltsstoffen, die beim Düngen unbedenklich sind - darum soll es nun gehen.

Um es kurz und allgemein zu fassen: Alles organische Material ist grundsätzlich eher unbedenklich. Es hat den Vorteil, dass es nach und nach von Bodenorganismen zersetzt wird und somit stetig Nachschub an Nährstoffen für deine Pflanzen zur Verfügung stellt. Dieses zersetzen durch Bodenorganismen ist ein weiterer Vorteil. Denn was wir hier so leichthin als "zersetzen" bezeichnen, sind eigentlich komplexe Vorgänge, bei denen die Mikroorganismen im Boden die Inhaltsstoffe des Düngers in mehreren Zwischenschritten fressen und verdauen und kleinere Moleküle mit höherer Pflanzenverfügbarkeit wieder ausscheiden. Somit fütterst du mit organischem Dünger in erster Linie das Bodenleben - das deine Pflanzen besser wachsen ist ein positiver Nebeneffekt eines gesunden und wohlgenährten Bodens.

Organisches Material ist alles, was mal gelebt hat. Dazu gehören Klassiker wie Kompost und Mist, aber auch z.B. Hornspähne, Schafswolle, Knochen- oder Blutmehl. Aus Gründen der Nachhaltigkeit sind pflanzenbasierte Materialien immer vorzuziehen, doch da Hornspähne oder Knochenmehl so oder so ein Abfallprodukt der Fleischindustrie sind, ist es sinnvoll sie zurück in den Nährstoffkreislauf zu führen, um so ihren Wert zu nutzen. Wenn du gekaufte Dünger verwendest, achte also darauf dass sie nur organische Materialien enthalten.

Nährstoffkreisläufe kurz halten: Selbst gemachten Dünger verwenden

Aus ökologischer Sicht ist es sinnvoll Nährstoffkreisläufe so kurz wie möglich zu halten, also so wenig Dünger wie möglich zu kaufen und so viel wie möglich selbst herzustellen oder lokal zu beziehen. Denn die Nährstoffe, die in gekauftem Dünger enthalten sind wurden an anderer Stelle einem Ökosystem entnommen und müssen dort auch wieder durch Dünger ersetzt werden. Außerdem braucht der Transport Energie, die gespart werden kann, wenn Dünger am Ort des Verbrauches selbst produziert werden.

Der bekannteste Dünger zum Selbermachen ist wohl der Kompost. Dabei wird totes Pflanzenmaterial aufgeschichtet und Würmern, Insekten und Mikroorganismen überlassen. Nach ungefähr einem Jahr ist das Pflanzengewebe soweit zersetzt, dass daraus wieder Humus entstanden ist. Eine genaue Anleitung, wie du selbst Kompost herstellen kannst, findest du in diesem Artikel.

Kompost hat eher eine langfristig düngende Wirkung und sollte daher, zum Beispiel im Rahmen einer viergliedrigen Fruchtfolge einmal pro Saison ausgebracht und in den Boden eingearbeitet werden. Andere Langzeitdünger, die genauso wie Kompost verwendet werden können sind Stallmist von Pferden, Schafen, Hühnern oder Kühen, oder Hornspäne und Schafswolle.

Für Zwischendüngungen während der Saison, bei hungrigen Starkzehrern oder in Notfällen, wenn die Blätter deiner Pflanzen gelb werden, eignen sich Flüssigdünger wie Pflanzenjauchen oder Komposttee.

Wir hoffen du hast nun einen guten Überblick über das Thema Dünger und weißt welche Mittelchen du lieber weg lassen solltest und was richtig gut ist für deinen Boden. Falls du noch Fragen oder Anregungen hast, schreib uns doch eine E-Mail an magazin@alphabeet.org

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