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Marie

Marie (24) studiert Agrarwissenschaften. Sie liebt es, eigenes Gemüse im Garten anzubauen und Wildkräuter zu sammeln. Gemeinsam mit Freunden bewirtschaftet sie einen Garten und verbringt viel Zeit in der Natur.

Brennnesseljauche versorgt die Pflanze mit natürlichem Stickstoff, Kalium und weiteren wichtigen Mineralien. Zusätzlich ist sie ein ökologisches Pflanzenschutzmittel, denn sie wirkt zum Einen pflanzenstärkend und macht so die Pflanze wiederstandsfähiger. Zum Anderen halten die in der Jauche gelösten Nesselgifte unerwünschte Gäste fern. Wie du deinen eigenen biologischen Dünger aus Brennnesseln herstellen kannst und wie du ihn anwendest, erklären wir dir in diesem Artikel.

Auf einen Blick:

Herstellung

  • Schneide die Brennnesseln in kleine Stücke und fülle sie in einen Eimer
  • Fülle den Eimer mit Wasser
  • Decke den Eimer mit einem Tuch oder lose mit dem Deckel ab. Auf keinen Fall fest verschließen! Bei der Fermentierung entstehen Gase, die entweichen müssen.
  • Stelle den Eimer an einen warmen, schattigen Ort.
  • Rühre den Eimer einmal am Tag um.
  • Nach zwei Wochen ist die Brennnesseljauche fertig.
  • Gieße den Inhalt des Eimers durch ein Sieb oder Tuch um die Pflanzenteile zu entfernen.

Was ist Brennnesseljauche und wie wirkt sie?

Brennnesseljauche ist das Produkt einer Fermentation von frischen oder getrockneten Pflanzenteilen der Brennnessel. Die Fermentierung ist ein natürlicher Prozess, der unter sauerstoffarmen Bedingungen stattfindet. Dabei setzen Milchsäurebakterien während des Gärungsprozesses Kohlenhydrate in Zucker und Milchsäure um und zersetzen so das vorhandene Pflanzenmaterial. Dadurch werden wichtige Nährstoffe aus der Pflanze sowie sekundäre Pflanzenstoffe in eine lösliche Form gebracht. Die gelösten Nährstoffe sind leicht pflanzenverfügbar und können von der Pflanze gut aufgenommen werden. Deswegen zeigt sich eine schnelle Besserung bei einem auftretenden Nährstoffmangel. Die gelösten sekundären Inhaltsstoffe wirken als Abwehrstoffe gegen Herbivoren und Pathogene. So wird das Immunsystem der Pflanze gestärkt. Bei der Fermentation entstehen außerdem Enzyme, die biolgische Prozesse im Stoffwechsel der Pflanze und im Boden unterstützen. Diese Enzyme fördern zusammen mit den aktiven Mikroorganismen im Ferment den Humusaufbau im Boden. Brennnesselferment wirkt somit nicht nur nährstoffergänzend, sondern verbessert auch die Rahmenbedingungen der Pflanzen.

Was ist der Unterschied zwischen einer Jauche und einem Sud?

Ein Sud aus Pflanzenteilen ist im Gegensatz zur Fementation nicht so ein langwieriger Prozess. Die Pflanzenteile ziehen etwa 24 Stunden in Regenwasser. Anschließend lässt man den Sud noch etwa eine halbe Stunde köcheln. Durch die Art und Weise der Herstellung ist der Sud nicht lange haltbar und sollte spätestens nach drei Tagen aufgebraucht werden. Den Sud kannst du im Gegensatz zur Jauche unverdünnt auf deine Pflanzen geben, denn der saure pH-Wert der Brennnesseljauche entsteht erst Schritt-für-Schritt durch die milchsaure Fermentierung.

Im Gegensatz dazu dauert der Vergärungsprozess einer Jauche bis zu drei Wochen. Das hängt von den klimatischen Vorraussetzungen ab. Im Sommer kann es durchaus mal schneller gehen. Durch die hohen Temperaturen dauert der Vergärungsprozess dann nur etwa eine Woche, wohingegen es bei niedrigeren Temperaturen gut zwei bis drei Wochen dauern kann. Aus diesem Grund enthält ein Pflanzenferment deutlich mehr gelöste sekundäre Pflanzen- und Nährstoffe, weshalb es eine stärkere Wirkung als ein Sud besitzt. Daher wird ein Sud hauptsächlich zur Stärkung der Pflanzen oder Bekämpfung von Schädlingen verwendet und ist kaum als Düngung geeignet.

Brennnesseln wachsen gerne auf nährstoffreichen Böden. Sie lagern wertvolle Inhaltsstoffe in ihre Blätter ein, die durch ein Ferment oder einen Sud zu einem ökologischen Dünger verarbeitet werden können. Bild von analogicus auf Pixabay.

Wie wird Brennnesseljauche hergestellt?

Material

Um Brennnesseljauche selbst herzustellen brauchst du grundsätzlich nichts außer einem Eimer, Brennnesseln, Wasser und Zeit. Der Eimer kann aus Holz, Stein oder Kunststoff hergestellt sein. Lediglich Gefäße aus Metall eignen sich nicht, da diese durch die Säure der Gärung korrodieren. Die Menge an Brennnesseln pro Liter Wasser ist variabel, je nach dem wie viel du verwendest, wird das Endprodukt stärker oder weniger stark konzentriert. Ein gutes Maß sind ungefähr 100 g frische oder 25 g getrocknete Brennnesseln auf 1 L Wasser.

Anleitung

  • Schneide die Brennnesseln in kleine Stücke und fülle sie in einen Eimer.
  • Fülle den Eimer mit Wasser. Hierfür eignet sich Regenwasser am besten.
  • Decke den Eimer mit einem Tuch oder lose mit dem Deckel ab. Auf keinen Fall fest verschließen! Bei der Fermentierung entstehen Gase, die entweichen müssen.
  • Stelle den Eimer an einen warmen, aber schattigen Ort. Die effektiven Mikroorganismen haben es gerne ein wenig wärmer und zersetzen so das Pflanzenmaterial schneller.
  • Rühre den Eimer einmal am Tag um, das beschleunigt den Gärungsprozess.
  • Nach 10 bis 14 Tagen, spätestens nach drei Wochen, ist die Brennnesseljauche fertig. Das erkennst du daran, dass keine aufsteigenden Blasen oder Schaum mehr an oder Oberfläche zu sehen sind.
  • Gieße den Inhalt des Eimers durch ein Sieb oder Tuch, um die Pflanzenteile zu entfernen. Die vergorenen Pflanzenreste eigenen sich prima als Mulch für deine Beete.

Unser Tipp: Um die Bildung von unangenehmen Gerüchen zu mindern kannst du beim Ansetzen der Jauche Gesteinsmehl, Lehm oder ein wenig Kompost mit in den Eimer geben.

In einem Kanister hält sich die Jauche problemlos mehrere Wochen bis Monate, solange du sie kühl lagerst. Um regelmäßig neues Ferment herstellen zu können, solltest du für die kalten Jahreszeiten Brennnesseln trocknen. Der beste Zeitpunkt, die Brennnesseln hierfür zu ernten, ist vor der Blüte zwischen Mai und Juli. Junge Brennnesseln enthalten nämlich am meisten Mineralstoffe und Vitamine.

Brennnesseljauche richtig anwenden

Düngung

  • Durch die milchsaure Fermentierung hat Brennnesseljauche einen sauren pH-Wert. Um die Wurzeln und Blätter der Pflanzen nicht zu verbrennen, muss die Jauche vor der Anwendung verdünnt werden. Dabei variiert das Mischverhältnis nach den Bedürfnissen der Pflanzen. Hungrige, starkzehrende Pflanzen wie Kartoffeln, Tomaten oder Zucchinis vertragen ein Verhältnis von 1:10. Je nach Bedarf kannst du diese Gemüsepflanzen nun alle zwei Wochen oder zwei- bis dreimal in einer Saison düngen. Bei mittelzehrenden Pflanzen hingegen reicht ein Verhältnis von 1:20. Dieses Verhältnis solltest du auch für empfindliche Pflanzen und Setzlinge wählen.
  • Im Allgemeinen ist Brennnesselferment ein guter Dünger für Gemüsekulturen. Dabei bilden Leguminosen sowie schwachzehrende Pflanzen wie Salat, Spinat, Knoblauch und Zwiebeln die Ausnahme. Bei Leguminosen hemmt eine zusätzliche Stickstoffgabe die Symbiose mit stickstofffixierenden Bakterien im Boden. Die Pflanze sieht keine Notwendigkeit mehr in dieser Symbiose, es wird kein zusätzlicher Stickstoff im Boden fixiert und die Gründüngewirkung eingeschränkt.
Leguminosen sollten nicht mit der stickstoffreichen Brennnesseljauche gedüngt werden. Das verringert die Gründüngewirkung dieser Kultur. Bild von mark_dixon auf Pixabay.
  • Auf ein unbepflanztes Beet kannst du die Jauche als Grunddüngung unverdünnt auftragen. So bekommt dein Boden nicht nur eine ordentliche Portion Nährstoffe, sondern wird auch mit bioaktiven Mikroorganismen angereichert, die zur Bodenverbesserung beitragen. Danach solltest du sie ein wenig einarbeiten und mit der Pflanzung eine Woche lang warten. Das ist eine gute Ergänzung für den Boden, reicht für starkzehrende Pflanzen aber oft nicht ganz aus. Hier empfiehlt es sich noch zusätzlich Kompost einzuarbeiten.
  • Bei Chlorosen an den Blättern, die durch einen Nährstoffmangel hervorgerufen werden, hilft Brennnesseljauche schnell den Mangel auszugleichen. Hier ist eine Blattdüngung empfehlenwert, da die Pflanze die Nährstoffe so besonders schnell aufnehmen kann. Hierfür spritzt du alle zwei Wochen ein Gemisch mit einem Verhältnis von 1:50 auf die Pflanzen. Das ist nur bei Kulturen zu empfehlen, bei denen die Blätter nicht verzehrt werden. Ansonsten sollte das Ferment nur direkt auf die Erde aufgetragen werden.

Pflanzenschutz und Pflanzenstärkung

  • Obwohl Brennnesseljauche oft als natürliches Wundermittel für den Pflanzenschutz bezeichnet wird, ist ihre Wirkung noch umstritten. Häufig zeigt sich nach der Anwendung bei einem Befall kein nennenswerter Erfolg. Die Kraft der Brennnesseljauche liegt hier eher in der vorbeugenden Wirkung. Denn die Pflanze wird wiederstandsfähiger gegen Pathogene und Schädlinge, wodurch ein Befall im Vorhinein abgewendet oder zumindest vermindert werden kann. Das liegt vorallem an der zellwand-stärkenden Wirkung der Kieselsäure. Durch die stärkeren Zellwände können zum Einen Pathogene nicht so leicht in die Pflanze eindringen. Zum Anderen erschwert es saugenden Insekten, wie Blattläusen, die wertvollen Assimilate aus den Blättern zu saugen.
  • Um Brennnesseljauche vorbeugend gegen Schädlinge einzusetzen, verdünnst du sie mit einem Verhältnis von 1:10. Das Gemisch wird dann auf den Wurzelbereich aufgetragen. Gerade bei Gemüsepflanzen und Kräutern, solltest du keine Pflanzenteile besprühen, die du noch verzehren möchtest. Nur bei einem sehr starken Befall oder Pflanzen, bei denen die Blätter nicht verzehrt werden, kannst du auch direkt die Blätter besprühen. Vergiß dabei nicht die Blattunterseite, denn gerade Blattläuse sitzen dort gerne.
  • Besser geeignet für die Anwendung als Pflanzenschutzmittel ist noch gärende Brennnesseljauche oder unverdünnter Brennnesselsud. Egal welches Präparat du kurativ oder präventiv anwendest, solltest du die Behandlung regelmäßig wiederholen. Besprühe die Pflanzen aber nur an einem bewölkten Tag, denn ansonsten verbrennen die Blätter.
  • Achtung: Der Geruch der Brennnesseljauche lockt Kohlweißlinge an. Wenn du also viel Kohl anbaust oder in den Vorjahren viele Kohlweißlinge zu Besuch hattest, ist Brennnesseljauche ungeeignet. In diesem Fall eignet sich ein Ferment aus Rainfarn oder Wermut besser.

Rotteförderung

  • Da Brennnesseljauche bioaktiv wirkt, lohnt es sich auch den Kompost hin und wieder mit dem unverdünnten Präparat zu gießen. Das beschleunigst die Kompostierung und bereichert den Kompost mit wertvollen Nährstoffen. Diese Wirkung kannst du auch nach einer Gründüngung für dich nutzen. Nachdem die Pflanzenteile in den Boden eingearbeitet wurden, unterstützt Brennnesseljauche deren Umsetzung zu fruchtbarem Gartenboden.
Um die Kompostierung zu fördern, kannst du deinen Kompost mit unverdünnter Brennnesseljauche gießen. Bild von pixel2013 auf Pixabay.

Pflanzenfermente aus anderen Kräutern

Viele Gartenkräuter, die oft als lästig angesehen werden, eignen sich zur Herstellung von Pflanzenjauchen. Unterschiedliche Pflanzenfermente haben unterschiedliche Wirkungsspektren und können sich gegenseitig gut ergänzen. Hier noch ein paar Beispiele von häufig anzutreffenden Gartenkräutern, bei denen sich ein Ferment noch lohnt:

  • Ackerschachtelhalm (Equisetum arvensis): Durch den hohen Anteil an Kieselsäure stärkt eine Behandlung mit Ackerschachtelhalmferment die Zellwände. Pathogene und Pilzerkrankungen haben es nun schwerer in die Pflanze einzudringen. Aus diesem Grund ist dieses Ferment besonders wirksam bei Blatt- und Pilzerkrankungen wie Mehltau, Kraut- und Braunfäule und Apfelschorf.
  • Wermut (Artemisia absinthium): Diese Pflanze enthält neben Kaliumnitrat verschiedene ätherische Öle, die antibiotisch und auch halluzinogen wirken. Seine Jauche wirkt daher gegen verschiedenste Schädlinge wie Blattläuse, Ameisen und Kohlweißlingsraupen. Die starken Wirkstoffe vertreiben allerdings auch nützliche Insekten, weswegen dieses Präparat erst bei einem starken Befall angewendet werden sollte.
  • Rainfarn (Tanacetum vulgare): Diese Pflanze enthält Pyrethrin, ein Kontaktgift, das Insekten lähmt. Da das leider auch alle nützlichen Insekten betrifft ist auch dieses Ferment erst bei einem starken Befall von Schädlingen ratsam. Obwohl dieses Gift für Menschen unwirksam ist, sollte behandeltes Gemüse erst nach drei Tagen gegessen werden.
  • Beinwell (Symphytum officinale): Durch den hohen Kaliumanteil ist diese Jauche besonders gut für kaliumbedürftige Kulturen wie Tomaten, Kartoffel und Beeren geeignet.

Viel Erfolg beim Ansetzen deiner Brennnesseljauche! Für Fragen und Anmerkungen schreib uns gerne unter magazin@alphabeet.org oder teile deine Erfahrungen auf Social Media mit uns.

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Titelbild von Paul Morley auf Unsplash.

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