Hinter diesem Artikel

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Annabell

Annabell (23) studiert Agrarbiologie an der Uni Hohenheim. Auch privat gärtnert sie gerne, verbringt viel Zeit in der Natur und liebt es kreativ zu sein.

Artischocken sind durch ihre besondere Erscheinung und ihren feinen Geschmack bei vielen Gärtner:innen sehr beliebt. Sie werden nicht nur im Gemüse-, sondern auch im Ziergarten gerne angebaut. Was es beim Anbau von Artischocken alles zu beachten gibt, erfährst du in diesem Artikel!

Auf einen Blick:

Standort: vollsonnig & windgeschützt

Boden: humus-, & nährstoffreich

Wasserbedarf: hoch, keine Staunässe

Vorkultur: ab Mitte Januar

Auspflanzen: nach den Eisheiligen Mitte Mai

Pflanzabstand: 150 x 75 cm

Gute Nachbarn: Fenchel, Kohl, Salat

Schlechte Nachbarn: Sellerie, Knoblauch, Schnittlauch, Zwiebeln, sowie verwandte Arten mit kräftigem Wurzelwachstum (Schwarzwurzeln, Topinambur und Chicorée)

Die Artischockenpflanze

Die Artischocke (Cynara scolymus) gehört zur Familie der Korbblütler (Asteraceae) und ist daher nahe mit verschiedenen Salaten, Chicorée, Schwarzwurzeln und Topinambur verwandt. In der Küche begeistert die Artischocke mit ihrem fleischigen Blütenboden, auch Herz genannt, der sich hervorragend einlegen lässt. Es wird ihr außerdem eine verdauungsfördernde, cholesterinsenkende Wirkung nachgesagt. Die Artischockenpflanze stammt ursprünglich aus dem Mittelmeerraum, in milden Regionen kann sie jedoch auch in unseren Breiten mehrjährig kultiviert werden. Wegen ihres dekorativen, distel-ähnlichen Aussehens wird sie auch im Ziergarten gerne kultiviert. Die dornigen, grau-behaarten Blätter geben der Artischocke eine wahrhaft besondere Erscheinung. Auch ihre Blüte ist sehr eindrucksvoll und durch ihren süßlichen Duft bei vielen Insekten beliebt. Ausgewachsene Pflanzen können den ganzen Sommer über zahlreiche körbchenartige Blütenstände ausbilden. Eine gesunde Artischockenpflanze bildet etwa drei bis fünf Jahre lang Blüten aus.

Die violetten Blüten der Artischocke sind nicht nur für uns Menschen attraktiv. Foto: hansbenn auf pixabay

Artischockensorten

Die Artischocke ist von Natur aus eine mehrjährige Pflanze. Da sie ursprünglich aus mediterranen Gebieten stammt, ist sie nicht winterhart und kann nur in mildem Weinbauklima mit zusätzlichem Schutz überwintern. Hierfür eignen sich Sorten wie 'Orlando', 'Große von Laon', 'Violetto Chiogga' oder 'Green Globe'. Wer allerdings nicht mit einem derartig milden Klima gesegnet ist, muss sich jetzt nicht ärgern! Spezielle Sorten wie 'Vert de Provence', 'Vert Globe' und 'Imperial Star' sind extra für rauere Lagen konzipiert. Sie bilden schon im ersten Jahr reichlich Blütenstände und können daher auch einjährig kultiviert werden. In zu kalten Gebieten können Artischockenpflanzen auch im Haus überwintert werden.

Der richtige Standort

Artischockenpflanzen sind sehr wärmebedürftig und benötigen daher einen windgeschützen, vollsonnigen Standort. Sie wachsen am liebsten auf einem gut gedüngten Boden, bereite diesen deshalb vor der Pflanzung mit reichlich Kompost vor. Staunässe sollte in jedem Fall, besonders im Winter, vermieden werden. Hat sich eine Artischocke erst einmal etabliert, kann sie an diesem Standort mehrere Jahre wachsen. Im Laufe der Zeit erschließt sie immer tiefere Bodenschichten und bildet immer mehr Blütenknospen aus. In kühleren Lagen kann eine schwarze Mulchfolie helfen, für eine warme "Fußbodenheizung" zu sorgen.

Artischocken säen & pflanzen

Damit deine Artischockenpflanzen kräftig heranwachsen und reichlich Blütenstände ausbilden, solltest du bereits früh im Jahr mit der Aussaat beginnen. Alternativ dazu gibt es Jungpflanzen im Gartenhandel zu kaufen. Bereits ab Mitte Januar kannst du die Samen in Multitopfplatten oder kleine Töpfe aussäen. Stelle sie anschließend an einen hellen, warmen Ort und halte sie gleichmäßig feucht. Die Erde sollte dabei möglichst locker und humos sein, Anzuchterde ist in der Regel eine gute Wahl. Ein beheiztes Gewächshaus bietet den idealen Standort, um Artischockenpflanzen vorzuziehen. Bei der Anzucht im Haus solltest du unbedingt die hellste Fensterbank nutzen, damit die Jungpflanzen genügend Licht haben und sich nicht zu sehr in die Länge strecken. Ziel ist es, möglichst kompakte Pflanzen zu ziehen. Lege die Samen einen Tag vor der Aussaat in warmes Wasser, so keimen sie besser. Bei Temperaturen von ca. 18 - 20 °C keimen die Samen innerhalb von zwei bis drei Wochen. Werden deine Artischockenpflanzen zu groß für ihre Töpfchen, solltest du sie in größere Töpfe umsetzen.

Nach den Eisheiligen Mitte Mai, wenn die letzten Nachtfröste vorbei sind, kannst du deine vorgezogenen Jungpflanzen in ein sonniges Beet setzen. Die Pflanzen sollten bis dahin etwa drei bis fünf Laubblätter ausgebildet haben. Reichere den Boden vorher mit ordentlich Kompost an und lockere ihn bei Bedarf mit einer Grabgabel auf. Pflanze die Artischocken mit einem Abstand von 150 x 75 cm. Die großen Lücken lassen sich schön mit schnellwachsenden Mischkultur-Partnern bepflanzen. Hier bieten sich beispielsweise Radieschen oder Kopfsalat an. Achte in der frühen Phase des Anwachsens darauf, die Erde schön feucht zu halten. Haben sich die Pflanzen einmal etabliert, muss nicht mehr so viel bewässert werden. Denke bei der Pflanzung daran, dass Artischocken mehrere Jahre am selben Platz bleiben und bis zu zwei Meter groß werden können. Wähle ihren Platz also mit Bedacht.

Tipp: Selbst gezogene Artischockenstauden eignen sich super als Geschenk für Freunde und Familie! Säe einfach alle Samen aus, die du von deinen Pflanzen gesammelt hast und verschenke sie später in kleinen Töpfchen. Mehr Infos zur Samengewinnung findest du am Ende des Artikels.

Das Artischockenherz ist im Gegensatz zu den Hüllblättern fleischig und zart. Foto: billybobhq auf pixabay

Mischkultur mit Artischocken

Gute Nachbarn: Fenchel, Kohl und Salat

Schlechte Nachbarn: Sellerie, Knoblauch, Schnittlauch, Zwiebeln, sowie verwandte Arten mit kräftigem Wurzelwachstum (Schwarzwurzeln, Topinambur und Chicorée)

Artischocken pflegen & düngen

Artischocken sind Starkzehrer, sie haben großen Hunger auf Wasser und Nährstoffe. Schon vor der Pflanzung sollte der Boden mit Kompost vorbereitet werden, eine kleine Handvoll Hornspäne pro Pflanze sorgt für eine ordentliche Langzeitdüngung. Im Laufe der Saison kann nach Bedarf bis zu zwei Mal mit Brennesseljauche nachgedüngt werden. Achte außerdem darauf, dass deine Artischockenpflanzen stets genügend Wasser zur Verfügung haben. Vor allem im frühen Stadium sollte der Boden um die Pflanzen niemals austrocknen. Mulch kann dabei helfen, den Boden um die Pflanze feucht zu halten. Später entwickeln die Pflanzen tiefe Wurzeln und erschließen so größere Wasserreserven im Boden. In der Regel tragen Artischockenpflanzen erst im zweiten Jahr reichlich Blütenknospen, daher ist die Überwinterung hier die größte Herausforderung. Mehr Infos dazu findest du unter 'Artischocken überwintern & vermehren'.

Krankheiten & Schädlinge

Gegen Krankheiten sind Artischocken weitestgehend resistent, es gibt allerdings einige Schädlinge, die sich über die distelartigen Pflanzen hermachen können. Die Blätter werden von Blattläuse oder der schwarzen Bohnenlaus (dunkle Verfärbungen) heimgesucht. Diese können große Populationen bilden, weshalb du bei einem Befall am besten schnell handelst. Dusche die Pflanzen gründlich mit einem Schlauch ab und besprühe sie mit Neemöl. Eine weitere Möglichkeit ist der Einsatz von Nützlingen: Marienkäfer, Schlupfwespen und Florfliegen bzw. ihre Larven helfen dir hier bei der Schädlingsbekämpfung. Weitere ungebetene Gäste sind Schnecken und Wühlmäuse. Bei Schnecken hilft das regelmäßige Absammeln bzw. das Einrahmen des Beetes mit einem Schneckenzaun. Ein Maschendrahtzaun kann widerum helfen, Wühlmäuse von den Wurzeln der Artischocken fernzuhalten. Dieser sollte allerdings tief genug eingegraben werden und das Wurzelwerk vollständig umschließen.

Geerntet werden die noch geschlossenen Blütenknospen der Artischocke. Foto: katiklinski auf pixabay

Artischocken ernten & zubereiten

Artischockenknospen werden hauptsächlich von August bis September geerntet. Ausgewachsene Pflanzen liefern bis zu zwölf Knospen pro Saison. Ernte die Knospen, solange sie noch geschlossen sind und bevor die Hüllblätter beginnen sich violett zu verfärben. Beginne deine Ernte mit der Hauptblüte, damit die anderen Blüten noch etwas weiterwachsen können.

Werden die Blütenknospen zu spät geerntet, öffnen sich die violetten Blütenstände und können nicht mehr verzehrt werden. Der feine, fleischige Blütenboden wird zäh und schmeckt eher trocken statt saftig. Wenn du einmal den richtigen Zeitpunkt verpasst, ist das allerdings nicht weiter tragisch. Die eindrucksvollen violetten Röhrenblüten sind ein wahres Vergnügen fürs Auge und locken Bienen, Hummeln und andere Insekten an. Es lohnt sich also stets, ein paar Blüten stehen zu lassen.

Zubereiten lassen sich Artischocken ganz einfach: Die Blütenknospen werden gewaschen und anschließend in Salzwasser etwa 30 Minuten gekocht. Danach wird die ganze Knospe gemeinsam mit einem leckeren Knoblauchdipp oder einer leichten Vinaigrette mit Zitrone und Kräutern serviert. Die einzelnen Schuppen lassen sich leicht lösen und das zarte Fruchtfleisch am Ansatz genießen. Dabei bleibt der zähe Teil der Schuppe übrig. Das Beste kommt zum Schluss: das Artischockenherz.

Artischocken überwintern & vermehren

In milden Wintern können Artischocken draußen überwintert werden. Binde die Blätter fest zusammen oder schneide sie ab. Bedecke anschließend das Wurzelwerk mit reichlich Stroh, Laub oder einem wärmenden Vlies, damit es keine Fröste abbekommt. In kälteren Regionen können Artischockenpflanzen auch im Haus überwintern. Grabe sie dafür aus und lege sie in Kisten oder große Töpfe mit feuchtem Sand. Bei ca. 15 °C können sie so beispielsweise im Keller durch den Winter gebracht werden. Ab April werden die eingelagerten Pflanzen wieder nach draußen gesetzt bzw. die Abdeckungen entfernt.

Artischockenpflanzen können zwar relativ alt werden, sie tragen jedoch nur in den ersten drei bis fünf Jahren Blüten. Damit du jedes Jahr die leckeren Knospen ernten kannst, solltest du rechtzeitig an die Vermehrung denken. Es gibt zwei Möglichkeiten Artischocken zu vermehren: durch Samen oder Teilung. Üblicherweise werden Artischocken über Samen vermehrt. Lasse dafür einfach eine Blüte stehen, damit sie ihre Entwicklung vollständig abschließen kann. Entnehme im Herbst die dunklen Samen und lagere sie kühl und trocken ein. Im Folgejahr kannst du dann wie oben beschreiben mit der Aussaat deiner eigenen Samen beginnen. Die vegetative Vermehrung über Teilung ist etwas heikler, hat jedoch den Vorteil, dass die Ableger bereits sehr kräftig sind und schon im selben Jahr Blütenknospen bilden können. Dazu benötigst du eine starke Artischockenstaude, die mindestens zwei Jahre alt ist. Wähle einen Teil der Pflanze aus, der mindestens zwei Triebe trägt und eine kräftige Wurzel hat. Diesen Teil kannst du dann mit einem Spaten sauber von der Mutterpflanze trennen und seperat einpflanzen. Achte auch hier auf einen ausreichenden Pflanzabstand zu anderen Exemplaren. Im Frühling ist die beste Zeit, um neue Ableger zu gewinnen.

Die Artischockensamen hängen an einem buschigen Federkelch, dem Pappus. Foto: 165106 auf pixabay

Die Artischocke ist eine ganz besondere Pflanze und macht sowohl im Gemüse-, als auch im Ziergarten eine gute Figur. Ich hoffe, du hast nun alles was du brauchst, um sie selbst anzubauen. Bei Fragen und Anmerkungen schreibe uns gerne an magazin@alphabeet.org.

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Titelbild von matthiasboeckel auf pixabay

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